Die ewige Baustelle


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Neuer Bereich des Botanischen Gartens soll „in Kürze“ eröffnet werden – seit über 20 Jahren wird gebaut

Der Botanische Garten von Puerto de la Cruz, früher Puerto de la Orotava, war wohl die erste Sehenswürdigkeit der Stadt, die schon im 19. Jahrhundert von Touristen besucht wurde. Angelegt wurde das Pflanzenparadies 1788 auf Anordnung von König Carlos III. Auch heute zieht der „Jardín Botánico“ nach wie vor Besucher an, die sich für die Pflanzenwelt der Kanarischen Inseln aber auch anderer Länder interessieren, denn die Vielfalt in diesem Garten ist enorm.

Um die Anlage den Besucheransprüchen und Anforderungen des 21. Jahrhunderts anzupassen, wurde vor Jahren eine Erweiterung um etwa 40.000 Quadratmeter in Angriff genommen, von der man sich unter anderem eine Erhöhung der Besucherzahlen versprach. Geplant war, dass der neue Bereich bis 2010 eröffnungsbereit ist.

Die ersten Schritte zur Verwirklichung des Projektes wurden 1991 mit dem Bau einer Mauer rund um das Grundstück unternommen. In den folgenden 21 Jahren wurde zwar gebaut, der Fortschritt vollzog sich aber nur schleppend. Immer wieder kamen die Arbeiten zum Stillstand, und immer wieder gab es von Seiten der Verantwortlichen Ausreden und Erklärungen für weitere Verzögerungen und Schlampereien. 2008 gestand die damalige Leiterin des regionalen Landwirtschaftsressorts, dass die Erweiterung des Botanischen Gartens den geplanten Kostenrahmen von 5,2 Millionen Euro sprengen und vermutlich fast 11 Millionen Euro kosten werde.

Alte und neue Versprechen

Im Februar 2009 besichtigte der kanarische Regierungschef Paulino Rivero bei einem Besuch in Puerto de la Cruz die Baustelle und versprach vollmundig, dass der neue Teil des Gartens im Lauf des Jahres 2010 eröffnet werden würde. Daraus wurde jedoch nichts, und auch heute sieht es eigentlich nicht so aus, als stünde die Eröffnung kurz bevor. Das Gegenteil versicherte aber dieser Tage der Leiter des Landwirtschaftsressorts, Juan Ramón Hernández, im Regionalparlament. Obwohl er sich vorsichtshalber nicht auf einen Termin festlegen wollte, verkündete er, dass der neue Bereich „in Kürze“ für Besucher eröffnet werde. Außerdem bestätigte er, dass im Haushalt 2013 ein Posten für die Fertigstellung dieses Projektes vorgesehen ist. Über das kanarische Institut für Agrarforschung, das für die Verwaltung des „Jardín Botánico“ zuständig ist, soll unter anderem die Einrichtung und Ausstattung des Besucherzentrums sowie die Verbindung des neuen Bereichs mit dem bestehenden Bereich durch verschiedene Zugänge und Rampen finanziert werden. Das Investitionsvolumen für diesen letzten Teil des Projektes betrage zwischen 200.000 und 300.000 Euro.

Aus den Reihen der Opposition meldete sich in diesem Zusammenhang Cristina Tavío von der PP zu Wort und bezeichnete es als bedauerlich, dass sich die Fertigstellung wegen einer in Anbetracht der Gesamtkosten vergleichsweise geringen Summe erneut hinauszögere. Was seien schon 200.000 bis 300.000 Euro im Vergleich zu den bisher entstandenen Gesamtkosten von 9 Millionen Euro für die Erweiterung? Sie erachte es als äußerst wichtig und dringend, dass der Botanische Garten in seiner neuen Größe das Angebot an Sehenswürdigkeiten Teneriffas so rasch wie möglich bereichert.

Ob das Versprechen von Juan Ramón Hernández im Parlament wieder nur ins Leere geht und lediglich ein weiteres Kapitel in der über zwanzigjährigen Geschichte der Erweiterung des Botanischen Gartens bevorsteht, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Fest steht, dass zumindest in gartenbaulicher Hinsicht noch viel zu tun ist. Die Vorbereitung des Bodens für die Bepflanzung und die Begrünung der Anlage ist eine weitere Voraussetzung für die Eröffnung, die Zeit in Anspruch nimmt und bisher noch nicht in Angriff genommen wurde. Auch mit dem Bau des Gewächshauses für Pflanzen, die besonders viel Feuchtigkeit benötigen, und des Schauhauses für besonders schattenliebende Pflanzen wurde noch nicht begonnen.

Viel Wasser, Spazierwege und ein Besucherzentrum

Neotropische Pflanzen, ein künstlicher See mit Wasserfall, Brunnen, Spazierwege, ein Gewächshaus mit Klimaautomat sind unter anderem Teile des ehrgeizigen Erweiterungsprojektes. Ein 1.200 Quadratmeter großes, sehr großzügiges Besucherzentrum über drei Ebenen bietet Raum für Ausstellungen, Videovorführungen, Schul­ungsprogramme, Tagungen usw. Die Pläne stammen vom renommierten Architekturbüro AMP in Santa Cruz.

Auch wenn bei der Betrachtung aus der Vogelperspektive heute noch viel Fantasie notwendig ist, um sich die Erweiterung des Botanischen Gartens als üppige Pflanzenwelt vorzustellen, so ist bereits deutlich an den gemauerten Becken zu erkennen, welch große Rolle das Wasser spielen wird. Denn nach den Plänen von AMP wird Wasser das vorherrschende Element in diesem Teil des Gartens sein. Verschiedene Wasseradern werden in einem über 2.500 Quadratmeter großen See zusammenfließen, in den ein zwölf Meter hoher Wasserfall integriert werden soll.

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