Die Barmherzigkeit Gottes im Mittelpunkt


© Ayuntamiento La Orotava

La Orotava stellt das Motiv für den großen Lavasandteppich zu Fronleichnam vor

Die Botschaft, die La Orotava mit dem diesjährigen Lavasandbild übermitteln wird, beschränkt sich nicht mehr nur auf das rein Religiöse, obschon die Barmherzigkeit Gottes als zentrales Thema ausgewählt wurde und damit auch im Mittelpunkt des Bildes dargestellt wird.

Die Künstler verarbeiten in diesem von der Flüchtlingskrise gekennzeichneten Jahr 2016 aber auch das Zeitgeschehen und erweitern das religiöse Motiv um soziale Aspekte wie die Not der Flüchtlinge, die nicht wissen, wohin sie gehen sollen auf der einen (rechten) und die Arbeit der Missionarin Angélique Namaika auf der anderen (linken) Seite des dreigeteilten Motivs.

Eine kritische Betrachtung der Gegenwart in Europa und eine Botschaft der Solidarität mit den Schwachen und Bedürftigen sollen über den Lavasandteppich vor La Orotavas Rathaus den Betrachtern vermittelt werden. 

Das Motiv für das weltberühmte Sandbild, das jedes Jahr zu Fronleichnam von rund zwanzig Künstlern angefertigt wird, ist seit dem Jahr 2006 vom Guinnessbuch der Rekorde als größtes der Welt anerkannt.

Bevor sich nun die Künstler ans Werk machen und unter der großen Schutzplane, die über den Rathausplatz gespannt wird, den aus dem Teide Nationalpark stammenden Lavasand in verschiedenen Farbnuancen auf die Erde streuen, wurde das ausgewählte Motiv vom Leiter der Künstlergruppe – hier Alfombristas genannt – vorgestellt. Domingo González Expósito erläuterte, dass die ebenso klassische wie moderne Bildkomposition einerseits die Barmherzigkeit Gottes darstelle, andererseits zur Sensibilisierung des Publikums für die gegenwärtigen Probleme unserer Gesellschaft – das Leiden der Menschen und die Notwendigkeit von Bildung für die Schaffung von sozialer Gleichheit – beitragen soll. 

Im Mittelpunkt des Bildes wird „Die Rückkehr des verlorenen Sohnes“, Werk des spanischen Malers Bartolomé Esteban Murillo (1618-1682) dargestellt.

Flankiert wird das religiöse Motiv von zwei Bildern mit sozialem Schwerpunkt. Links ist Schwester Angélique Namaika zu sehen, eine kongolesische Nonne, die für ihren außergewöhnlichen Mut und ihr unermüdliches Engagement für missbrauchte Frauen und Mädchen in der Demokratischen Republik Kongo 2013 mit dem UNHCR-Nansen Flüchtlingspreis ausgezeichnet wurde. Neben ihrem Bild ist eine Hand an einem Zaun zu sehen, „ein Symbol und ein Aufruf, die Grenzen zu überwinden, durch die Menschen getrennt und diskriminiert werden“, erklärte Expósito.

Rechts im Bild wird die Flüchtlingskrise in Europa dargestellt und in einem schmalen Streifen daneben Papst Franziskus, wie er die Heilige Pforte der Basilika Santa Maria Maggiore öffnet – die Pforte der Barmherzigkeit.

Die Anfertigung des 880 Quadratmeter großen Kunstwerks aus fast zwei Tonnen Sand, das nur genau einen Tag lang in seiner vollen Pracht zu besichtigen sein wird, beginnt in den nächsten Tagen und dauert etwa 40 Tage. 

Zum 2. Juni wird es vollendet sein und kann den ganzen Tag über besichtigt werden. Gegen Abend zieht dann die Prozession über die mit Blumenteppichen ausgelegten Straßen bis zum Rathausplatz und zerstört dabei auch das Lavasandbild.




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