Die audiovisuelle Industrie der Kanarischen Inseln wird geschwächt

Die Kanarischen Inseln waren schon häufig Kulisse für große Produktionen. 2013 fanden auf Fuerteventura die Dreharbeiten zu Ridley Scotts „Exodus“ statt. Foto: efe

Die Kanarischen Inseln waren schon häufig Kulisse für große Produktionen. 2013 fanden auf Fuerteventura die Dreharbeiten zu Ridley Scotts „Exodus“ statt. Foto: efe

Die Zentralregierung erhöht die Steuervorteile für internationale Film­produktionen auf dem spanischen Festland

Teneriffa – Die Madrider Regierung hat kürzlich die Steuervorteile für internationale Filmproduktionen, die auf dem spanischen Festland stattfinden, erhöht. Die Steuervorteile auf den Kanarischen Inseln werden jedoch nicht im gleichen Verhältnis angehoben. Die Anreize bestehen aus hohen Steuerermäßigungen, da bei dieser Art von Produktionen die Einnahmen durch Einstellungen und Werbung für das Reiseziel viel höher als die Steuerermäßigungen ausfallen. In Spanien und auf den Kanarischen Inseln gibt es zwei verschiedene Steueranreize.

Der erste Anreiz betrifft die Investitionen in Filme, Serien und kulturelle Veranstaltungen aus spanischer Produktion. Der zweite Vorteil wurde 2015 genehmigt und ist für internationale Produktionen, die mindestens zwei Millionen Euro kosten und deren Ausgaben in Spanien mindestens eine Million Euro betragen. Dann hat das Unternehmen Anspruch auf eine Rückerstattung der Investition. Auf dem Festland werden 30% der ersten Million Euro und 25% der restlichen Ausgaben zurückerstattet, Prozentsätze, die auf den Kanarischen Inseln 50 % und 45 % betragen.
Bis Mai 2020 war der Betrag auf drei Millionen Euro für Dreharbeiten auf dem Festland und den Balearen und auf 5,4 Millionen Euro für Dreharbeiten auf dem Archipel begrenzt. Eine Differenz von 2,4 Millionen, die 80 % zugunsten der Region ausmachte, die das Gesetz des REF, festlegt. Bei dem Autonomen Finanzsystem der Kanaren (Régimen Económico y Fiscal de Canarias, REF) handelt es sich um ein Instrument, um die Lebensqualität auf den Kanaren zu erhalten und die sich aus der Insellage ergebenden Nachteile auszugleichen.

Im Mai 2020 hat die Zentralregierung jedoch beschlossen, die Höchstgrenze der Rückerstattung für internationale Produktionen auf dem Festland Spanien von drei auf zehn Millionen zu erhöhen. Erst vor wenigen Wochen stimmte die Zentralregierung zu, sie auf den Kanarischen Inseln auf 12,4 Millionen anzuheben. Dennoch bedeutet das, dass der Staat die Steuerdifferenz von 80% auf 24% reduziert hat und das Gesetz des REF nicht eingehalten wird. Die Attraktivität der Kanarischen Inseln für große internationale Produktionen wird dadurch deutlich vermindert.

Steuerliche Vorteile für die audiovisuelle Industrie in ganz Europa

Die Steueranreize auf dem Archipel sind höher, weil die Dreharbeiten auf den Inseln für die Produktionsfirmen höhere Kosten verursachen als auf dem Festland, zum Beispiel: höhere Kosten für den Transport der Ausrüstung und Transfers des Personals, wenn man zwischen den Inseln reisen muss, um an verschiedenen Orten zu drehen. Die Steueranreize sind zudem höher, weil es sich um eine Inselregion in äußerster Randlage der EU handelt, deren Ressourcen und Naturräume allein nicht ausgereicht hätten, um die meisten der in den letzten Jahren gedrehten Produktionen anzulocken.

Es gibt kaum ein Land in Europa, das keine steuerlichen Anreize für die audiovisuelle Industrie anbietet, die zum Teil deutlich höher sind als die des Archipels. In Deutschland entspricht der Anreiz 25% der Ausgaben mit einer maximalen Erstattung von 25 Millionen Euro, und in Irland besteht er aus einer Gutschrift in Höhe von 37% und mit einer Obergrenze von 70 Millionen Euro die von der Steuerschuld abgezogen wird. In Griechenland beträgt der Steueranreiz bis zu 40% der Investition mit einer Obergrenze von 75 Millionen Euro pro Jahr­, und auf Malta beträgt er bis zu 35%, aber ohne Obergrenze.

Die Kanarischen Inseln haben es geschafft, sich im nationalen Ranking bei der Anzahl der Dreharbeiten auf den vierten Platz zu setzen, nur hinter Madrid, Katalonien und Andalusien. Außerdem hat die audiovisuelle Industrie auf den Inseln dazu beigetragen, die Wirtschaft, die in hohem Maße vom Tourismus abhängig ist, vielfältiger zu gestalten.

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