Die andere Schlacht von Acentejo


© Moisés Pérez

Aufstand auf dem Land

Die Gemeinden La Matanza und La Victoria de Acentejo sind entschlossen, dem Stromversorger Red Eléctrica de España (REE) einen Strich durch die Rechnung zu machen. Es gilt, den Bau eines Umspannwerks sowie von mindestens zwanzig Strommasten im Landwirtschaftsgebiet Los Nateros zu verhindern. Die Abgeordneten beider Gemeinden haben sich geschlossen gegen das Stromprojekt ausgesprochen. Auch eine Bürgerinitiative bekämpft das Vorhaben.

In der historischen Schlacht von Acentejo um 1494 bissen sich die spanischen Eroberer die Zähne an dem hartnäckigen Widerstand der Ureinwohner aus. Die Guanchen verteidigten ihr Land und besiegten die Truppen des Königreichs Kastilien in dieser geschichts-trächtigen Schlacht, die der Gemeinde La Matanza de Acentejo ihren Namen gab. Über 500 Jahre später sind die Bewohner der Gemeinden La Matanza und La Victoria mit ihren Bürgermeistern an der Spitze entschlossen, die Schlacht gegen einen ganz anderen Mächtigen zu gewinnen. Die Pläne des spanischen Stromversorgers Red Eléctrica de España (REE), im Landwirtschaftsgebiet Los Nateros ein Umspannwerk zu errichten, haben sie veranlasst, das Kriegsbeil auszugraben, um ihr Land zu schützen. Im übertragenen Sinne fühlen sie sich einer neuen Eroberung ausgesetzt, diesmal durch Strommasten und das Umspannwerk.

Das umstrittene Vorhaben erklärt sich durch den gestiegenen Strombedarf in den Nordgemeinden Teneriffas und dadurch, dass das Umspannwerk in La Corujera (Santa Úrsula) aus Platzgründen nicht ausgebaut werden kann. Ursprünglich war der Bau eines neuen Umspannwerks im Gebiet von El Farrobillo (ebenfalls Santa Úrsula) vorgesehen, doch die gegenwärtige Planung sieht als Standort des neuen Umspannwerks das Gebiet von Los Nateros vor. Die Stadträte von La Matanza und La Victoria haben sich geschlossen gegen diese Alternative ausgesprochen und haben in zwei außerordentlichen Sitzungen eine Liste von Einwänden ausgearbeitet. Die Frist zur Einreichung von Einwänden bezüglich der Umweltverträglichkeit läuft am 18. Mai ab.

La Victorias Bürgermeister Haroldo Martín bedauerte in einer Stellungnahme: „Eine Infrastruktur dieser Art schadet unserem einzigen Gut, denn die Landwirtschaft ist die einzige Vorratskammer in unserer Gemeinde, welche über keine Industriebetriebe verfügt.“

La Matanzas Bürgermeister Ignacio González verglich die Bedeutung des Gebiets von Los Nateros für die Bürger von La Matanza mit der des Teide für Teneriffa, um die natürlichen und landwirtschaftlichen Werte dieses Gebiets zu unterstreichen. Er äußerte die feste Absicht, dieses für die Gemeinde „schädliche“ Projekt zu verhindern. Die Änderung des im Energieplan der Kanaren (PECAN) von 2007 festgehaltenen Standorts für das Umspannwerk bezeichnet er als willkürliche und ungerechte politische Entscheidung. Das Argument, Los Nateros biete eine gute Verkehrsanbindung, hält er für nicht überzeugend.

Von dem Umspannwerk in Los Nateros wären angeblich etwa 200.000 Quadratmeter landwirtschaftlich genutztes Gebiet und 700 Grundstückseigentümer in La Matanza und La Victoria betroffen. Die Rede ist von etwa zwanzig je fünfzig Meter hohen Strommasten und dem besagten Elektrizitätswerk.

Am 4. Mai kamen in Los Nateros Bürger und Vertreter der 28 lokalen Verbände zusammen, die eine Bürgerinitiative gegen das Umspannwerk gegründet haben, um ihren Protest öffentlich zu machen. „Rettet Los Nateros“ lautet ihr Motto.

Die Leiterin des Industrie- und Handelsressorts der kanarischen Regierung, Margarita Ramos, sagte in einer Pressekonferenz, gesetzt den Fall, es käme nicht zu einem Konsens in dieser Angelegenheit, müsse wohl darüber nachgedacht werden, ob es angemessen sei, gewisse Stromprojekte zu verzögern. Ihr vorrangiges Ziel sei es, so Ramos, die Stromversorgung aller Bürger sicherzustellen.




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