Der Hafen von Garachico erwacht zum Leben


© Moisés Pérez

Vier Monate nach der Eröffnung hat die Regionalregierung nun versichert, dass die Stromversorgung bis Ende September hergestellt wird

Der vor vier Monaten eröffnete neue Hafen von Garachico wartet weiterhin auf den regen Bootsverkehr, den man sich von der 31 Millionen Euro teuren Anlage versprach, die unter anderem auch zur Ankurbelung der Wirtschaft in diesem Inselgebiet dienen soll. Als warte der „Geisterhafen“ darauf, aus seinem Dornröschenschlaf wach geküsst zu werden, dümpeln ein paar Dutzend Boote an den Anlegern vor sich hin, welche zusammen Platz für bis zu 200 Fischerei- und Sportboote bieten.

An den Wochenenden steigt die Zahl der Neugierigen, die auf der Schutzmole spazieren gehen und den Blick auf die imposanten Steilfelsen von La Culata genießen. Die Frage, ob wohl jemals die Fährroute von hier zur Nachbarinsel La Palma eingerichtet werden wird, stellen sich sicher viele von ihnen. Von dieser Möglichkeit war vor und während des Baus des neuen Hafens immer wieder die Rede, denn an klaren Tagen ist die „Isla Bonita“ von Garachico aus zum Greifen nah.

Jahrzehntelang kämpfte Garachico um das Projekt eines neuen Hafens. Bereits 1982 gab es ein entsprechendes Projekt. Doch erst ab dem Jahr 2007 wurden die Pläne erneut konkret, und ein Jahr später wurde mit dem Bau begonnen. 

Obwohl der Hafen am 12. Mai 2012 nach 34 Monaten Bauzeit offiziell eröffnet wurde, ist bis heute die Stromversorgung der Anlage nicht hergestellt. Wie der Leiter des Hafenressorts der kanarischen Regierung, Juan José Martínez, mitteilte, handelt es sich bei der Strominstallation um eine „komplizierte“ Angelegenheit wegen der Ausmaße der Anlage, die eine hohe Leistung erfordere. Man hoffe allerdings, dass der Stromversorger Endesa die Elektroinstallation noch dieses Jahr fertigstelle, sagte Martínez Anfang September. Auch andere grundlegende Einrichtungen wie öffentliche Toiletten, eine Bootstankstelle, die Abwasserklärung und die Festmacherbojen sind noch nicht vorhanden.

Nachdem die Inselmedien das Thema aufgriffen und in ausführlichen Artikeln über diese Mängel berichteten, beeilte sich die kanarische Regierung mit einer Stellungnahme. Mit einem Vor-Ort-Besuch von Juan José Martínez in Begleitung des Bürgermeisters von Garachico wurde signalisiert, dass man dieses Projekt nicht vergessen hat. Martínez versicherte bei dem Besuch am 14. September in Garachico, dass die Stromversorgung „innerhalb von 15 Tagen“ hergestellt werde. Im Oktober, so Martínez, werde auch der Bootskran, der noch am alten Fischerhafen steht, im neuen Hafen installiert werden.

Liegeplätze noch umsonst

Erklärend fügte Martínez hinzu, dass die Eröffnung vorgenommen wurde, noch bevor die Stromversorgung überhaupt vorhanden war, da es sich um eine „dringende Forderung des Inselnordens“ gehandelt habe. Heute, so Martínez, liegen im neuen Hafen von Garachico an die 50 Boote, die allerdings noch keine Gebühr bezahlen, solange es noch keine Strom- und Wasserversorgung gibt. Später sollen für eine Anlegestelle je nach Bootsklasse zwischen 80 und 400 Euro Gebühren erhoben werden.

154 Liegeplätze für Boote mit einer Kiellänge zwischen 8 und 15 Metern stehen zur Verfügung. Aber auch Anlegestellen für größere Schiffe sind vorhanden. Der Teil des Hafens, der für die Fischer reserviert ist, bietet Platz für viele kleinere und 29 große Fischerboote.

„Der Hafen wird weiter wachsen. Er wurde mit minimalen Serviceleistungen eröffnet, und diese werden nach und nach verbessert, sodass die Unannehmlichkeiten für die Nutzer verringert werden“, erklärte Martínez.

Bis Ende Dezember läuft auch noch das Vergabeverfahren für den Bau eines sogenannten Mehrzweck-Hafengebäudes, mit dessen Bau vor Juni 2013 begonnen werden soll. Das Unternehmen, das den Zuschlag erhält, wird nach Auskunft von Martínez ein Gebäude bauen, das die Hafenverwaltung, die Bootstankstelle und die Aufschleppe beherbergen wird. 2014 könnte der Hafen dann über alle notwendigen Einrichtungen verfügen, um den einwandfreien Betrieb zu gewährleisten. Vorerst bleibt er weiterhin nur tagsüber geöffnet. In den Abendstunden wird die Anlage geschlossen.




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