Das Wunder von La Laguna


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Unverwester Leichnam einer Nonne wird ausgestellt

Am 15. Februar ist es wieder so weit. Tausende gläubige Katholiken pilgern jedes Jahr an diesem Tag zum Kloster Santa Catalina nach La Laguna, um einen kurzen Blick auf „das Wunder“ zu erhaschen. Die frommen Christen nehmen dabei stundenlange Wartezeit vor den Toren des Klosters in Kauf.

Das „Wunder von La Laguna“ offenbart sich als der unverweste Leichnam der Nonne María de Jesús, die vor 285 Jahren starb und deren Körper bis zum heutigen Tag angeblich intakt geblieben ist. Zu Lebzeiten soll die bescheidene Ordensschwester mehr als 1.200 Wunder vollbracht haben.

María de León Bello y Delgado wurde um das Jahr 1643 in El Sauzal geboren. Am 15. Februar 1731 starb sie im Kloster in La Laguna. Drei Jahre nach ihrem Tod wurde ihr Körper exhumiert, um ihn in den als letzte Ruhestätte vorgesehenen Sarg zu betten.

Beim Öffnen des Sargdeckels wurde festgestellt, dass der Leib der Nonne völlig unversehrt war und nur an Händen und Füßen Zeichen der Verwesung festzustellen waren.

Daraufhin wurde María de Jesús in einen gläsernen Sarkophag gebettet, der seither jedes Jahr an ihrem Todestag zu besichtigen ist.

Mit der Katholischen Kirche wird seit Jahren über eine Seligsprechung der Nonne verhandelt. Als Gründe werden Barmherzigkeit, Liebe, Armut und Enthaltsamkeit angegeben, die Sor María de Jesús kennzeichneten. Viele Katholiken, die alljährlich den Termin wahrnehmen, um den Leichnam der Nonne zu besichtigen, betrachten Sor María de Jesús – auch „La Siervita“, die kleine Dienerin Gottes genannt – längst als Heilige.

Der Seeräuber und die Ordensschwester

Der legendäre Seeräuber Amaro Pargo, der die Gewässer um die Insel Teneriffa im 16. und 17. Jahrhundert unsicher gemacht haben soll, verehrte – so erzählt die Legende – die Nonne, die ihm angeblich die Zukunft vorausgesagt hatte, und besuchte Schwester María de Jesús regelmäßig im Kloster Santa Catalina.

Nach ihrem Tod ließ er den wertvollen Sarkophag anfertigen, in den die Nonne nach der Exhumierung gebettet wurde. Der gläserne Sarkophag trägt verschiedene Inschriften in Gedichtform, darunter eine, bei der die Anfangsbuchstaben jeder Zeile vertikal gelesen den Namen PARGO bilden:

Parece a quien el humano afán

A mirar con luz divina

Rara ave peregrina

Girando al Cielo Guzmán

O al trono de Catalina




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