Das Land lechzt nach Wasser


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Landwirtschaft leidet unter einem immer akuter werdenden Bewässerungsproblem

Die Kanarischen Inseln werden seit dem letzten Winter von einer extremen Trockenheit geplagt. Mittlerweile ist von der schlimmsten Trockenperiode der letzten 60 Jahre die Rede. Auf Teneriffa konnte bisher eine Wasserrationierung in den Haushalten vermieden werden, da 84% des Leitungswassers auf den Inseln aus Stollen und Brunnen kommen. Ganz anders sieht es in der Landwirtschaft aus. Die Lage spitzt sich immer mehr zu, denn die 22 Wasserbecken auf der Insel sind so gut wie leer.

Die 40.000 Kubikmeter, die täglich in die Becken gepumpt werden, um die Felder zu bewässern, „fließen fast so schnell raus wie sie reingepumpt werden“, berichtet der Inselbeauftragte für Wasserwirtschaft, Jesús Morales. Das Wasser, das für die Landwirtschaft in die trockenen Becken gepumpt werde, sei meist auch nicht ausreichend, berichtet er weiter, denn es sei sehr schwierig, die 60 Millionen Kubikmeter Regenwasser zu ersetzen, die den landwirtschaftlichen Anbauflächen in den letzten Monaten fehlten.

Während die Haushalte von einer Rationierung verschont geblieben sind, hat die Wasserknappheit dazu gezwungen, die Versorgung der Landwirtschaft teilweise einzuschränken, gab der Leiter des Insellandwirtschaftsamtes, José Joaquín Bethencourt, zu.

Die Betroffenen fühlen sich in dieser Notlage von der Inselverwaltung im Stich gelassen. Insbesondere die Kleinbauern klagen über fehlende Unterstützung, Subventionen kämen nur den größeren Produktionsbetrieben zugute. Die Wasserknappheit, die Einschränkung der verfügbaren Wassermenge zur Berieselung bzw. Bewässerung der Felder und die zunehmend schlechte Wasserqualität bereiten den Landwirten große Sorge. Der Vorsitzende des Verbandes der Pflanzenerzeuger und -exporteure der Kanaren (Asocan), Antonio López, berichtet von dem Unbehagen der Landwirte. Seit 1948 habe es auf den Inseln keine so schlimme Dürre mehr gegeben, und mehr als die kontinuierlichen Hitzewellen bereite die Wasserknappheit das große Problem. Auf Teneriffa bezogen erklärte er, dass es insbesondere in den Anbaugebieten im Norden immer wieder zu Unterbrechungen der Bewässerung komme. Von Verlusten wollte er noch nicht sprechen, wies aber darauf hin, dass die schlechte Wasserqualität und die Knappheit sich auf die Qualität der Produktion – vor allem im Bereich der Schnittblumen – auswirken werde. Antonio López bedauert den fehlenden Weitblick der Verantwortlichen und kritisiert, dass angesichts der ausbleibenden Niederschläge im Oktober, November und Dezember 2011 bereits Vorsorge hätte getroffen werden müssen, etwa durch die Erhöhung der Produktion der Meerwasserentsalzungsanlagen für die Versorgung der Haushalte, um das Wasser aus den Stollen für die Landwirtschaft abzuzweigen.

Auch der Vorsitzende des Dachverbandes der Land- und Viehwirte (COAG) auf Teneriffa, Miguel López, berichtet von der dramatischen Lage: „Viele Landwirte haben ihre Ernten verloren und andere unternehmen enorme finanzielle und persönliche Anstrengungen, um ihre Felder mit Wassertankwagen zu bewässern. So kann es nicht weitergehen.“

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