„Das ist wie eine Obstgartengebühr“


© Ayuntamiento La Orotava

Harsche Kritik an der Energiereform

Die Energiereform, die kürzlich von der Zentralregierung verabschiedet wurde und die Erhebung von Gebühren auf Solarstrom vorsieht, schlägt auch auf den Kanaren hohe Wellen.

In einem Vortrag an der Europäischen Universität der Kanaren in La Orotava hat der Ingenieur und Experte für Erneuerbare Energien, Jorge Morales, die Situation der Fotovoltaik und die Auswirkungen der Reform auf den Inseln analysiert.

Aus seiner Sicht ist es „undenkbar“, eine Gebühr auf den Eigenverbrauch zu erheben, wie es die Reform vorsieht. Das sei, als ob ein Gemüsegartenbesitzer Gebühren an den Obstladen in seiner Straße bezahlen soll, weil er, wenn er mal keine Tomaten hat, im Obstladen kaufen muss. Es sei ein großer Unfug, dass Spanien als einziges Land den Eigenverbrauch bestrafe statt ihn zu fördern.

Die Kanaren, so fährt Morales fort, hätten ideale Bedingungen zu bieten, da die Sonnenenergie mit großer Stabilität zur Verfügung stehe. Das Kostenargument ließ er nicht gelten, denn mittlerweile sei jedem klar, dass die Erneuerbaren Energien viel billiger seien als alles andere. Man befinde sich in einem historischen Moment, da die fossilen Energien die Marktpreise in die Höhe trieben und die Erneuerbaren die Alternative schlechthin seien.

Morales bezeichnete die Energiepolitik der spanischen Regierung als desaströs und forderte einen Wandel des Energiemodells der Inseln und des ganzen Landes, um die Umwelt zu entlasten und die Stromkosten der Verbraucher zu senken. Doch er sieht auch Grund zur Hoffnung, da Spanien durch seine Mitgliedschaft in der EU bis 2020 Verpflichtungen zu erfüllen habe, die der jetzigen Politik entgegenstehen.

Organisiert wurde der Vortrag vom Verband für Erneuerbare Energien (ACER).




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