Das Geheimnis der bunten Knöpfe


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Abstrakte Kunst an der Autobahn?

Fast jeder Verkehrsteilnehmer, der ab und zu auf der Südautobahn unterwegs ist, wird sich schon gefragt haben, was es mit den bunten, scheinbar ohne irgendeine Ordnung angebrachten Kunststoffknöpfen der Stützmauer auf der Höhe von Las Caletillas auf sich hat, die von den Canarios „setas de colores“ (bunte Pilze) genannt werden.

Weit verbreitet ist die Meinung, dass die „Pilze“ nach der bis 2010 andauernden Verbreiterung der Autobahn aus Gründen der Ästhetik angebracht wurden, um aus der schnöden Betonmauer eine Art Kunstwerk zu machen. Doch falsch gedacht, denn bis auf die unterschiedliche Farbgebung wird mit den Kappen ein ganz anderer, praktischer Zweck verfolgt.

Tatsächlich ragen die Verankerungen der Stützmauer aus dieser hervor und stellen eine Gefahr bei etwaigen Unfällen dar. Die bunten „Knöpfe“ schützten die Verankerungen und die Verkehrsteilnehmer, hieß es aus dem zuständigen Ressort für Öffentliche Bauten, Transport und Territorialpolitik der kanarischen Regierung. Schätzungen zufolge sollen die bunten Plastikdeckel zwischen 250.000 und 400.000 Euro gekostet haben.

Die Lösung für Graffiti: Erlauben anstatt Verbieten

Das mit der Instandhaltung der Südautobahn betraute Unternehmen kam schon lange mit dem Streichen der Bushaltestellen zwischen Santa Cruz und dem Industriegebiet Güímar nicht mehr nach. War eine der Haltestellen gerade wieder frisch getüncht, prangten schon kurz darauf erneut jede Menge mehr oder weniger kunstvolle Graffitis an den Wänden.

Schließlich bat das Unternehmen das zuständige Ressort um Erlaubnis, einen professionellen Graffiti-Künstler zum Schmücken der Häuschen anheuern zu dürfen. Gesagt, getan. Nach einer öffentlichen Ausschreibung bekam Kunstakademieabsolvent Matías Mata den Job. Mata arbeitete fünf Monate an den Entwürfen für die 18 Bushaltestellen. Jedes Häuschen sollte anders aussehen, einzigartig und mit abstrakten Sprühwerken geschmückt sein. Der Künstler setzte seine Entwürfe allein nach und nach um, bis Mitte April alle Haltestellen im neuen Outfit strahlten. Nun sind alle 18 Häuschen mit modernen, teils kunstvollen Graffiti geschmückt und bieten eine wahre Augenfreude für die passierenden Autofahrer und wartenden Fahrgäste. Schmierer dagegen finden kaum mehr Platz für Kritzeleien.




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