Das Fest an dem der Weihnachtsmann gestorben ist


Gedanken für mich – Augenblicke für Gott

Da hat es nun eine Umfrage doch tatsächlich an den Tag gebracht. Mehr als ein Drittel aller Kinder wissen nicht mehr, was wir an Weihnachten feiern. Eine der bemerkenswertesten Antworten war: „Da ist der Weihnachtsmann gestorben!“ Eine Antwort, bei der uns das Lachen aber spätestens dann vergeht, wenn wir daran denken, was aus dem Fest des Friedens geworden ist.

Terrorakte und kriegerische Auseinandersetzungen bestimmen immer noch die Tagespolitik, vom Frieden ist nicht viel zu spüren. Ist Weihnachten also nur noch ein überholtes Fest? Ein Fest, welches nur noch dazu dient, die lahmende Konjunktur etwas in Schwung zu bringen und den Coca-Cola Weihnachtsmann auf Trab zu halten?

Ohne den Glauben an Jesus Christus, der von Gott kam und für uns Mensch geworden ist, lässt sich Weihnachten eigentlich nicht feiern. Diesen Gedanken verdrängen viele und wundern sich dann, wenn sie am Ende nichts anderes in Händen halten können, als ein leeres, im Grunde nur mehr lästiges, weil mit sehr viel Aufwand betriebenes Fest.

Eine der Botschaften von Weihnachten besingen wir in den Adventsliedern. Da ist die Rede vom Licht in der Dunkelheit, vom Vertreiben der Finsternis. Aber es wird auch deutlich: Es macht keinen Sinn über die Finsternis zu jammern, wenn wir nicht selbst bereit sind, Lichter – wenigstens ein Licht – anzuzünden. Das Weihnachtslicht ist ein Hoffnungszeichen dafür, dass wir die Dunkelheiten heller machen können. Und dabei sollten wir nicht auf andere verweisen oder dies von anderen einfordern; wir sollten bei uns selbst anfangen mit dem Lichtmachen.

Die Gerechtigkeit, der Friede, die Liebe brauchen die kleinen Schritte, bei denen keiner außer Atem kommt. Wie heißt es: „Wenn viele kleine Leute viele kleine Schritte tun, können sie das Angesicht der Erde erneuern.“ Das könnte z.B. heißen: Einen Streit in der Familie nicht aus dem Ruder laufen zu lassen; nicht nur um des „Lieben Friedens willlen“ nachgeben, sondern aufrichtig vergeben; einen längst fälligen Besuch machen, um einen Irrtum, ein Vorurteil oder ein Missverständnis aufzuklären.

Wir können sogar noch einen Schritt weitergehen. Viel zu lange und viel zu oft haben sich die Kirchen aus Gründen der religiösen Ordnung, der Disziplin und der eigenen Macht zum religiösen Mauerbau verführen lassen und haben damit enorm zu neunen Abgrenzungen und Konflikten beigetragen. Also könnte das für uns hier auf Teneriffa doch zum Weihnachtsfest heißen:

Bewusst auf die Christen anderer Konfessionen zuzugehen und einander ein gutes und heilendes Wort der Entschuldigung zu sagen; sich um das Abtragen der religiösen Mauern in unserem Alltag zu bemühen, weil Ausgrenzungen bei uns nicht an der Tagesordnung sind und bei Christen keinen Platz haben dürfen;

ohne jede Überheblichkeit oder Besserwisserei Menschen anderer Religionen zu begegnen und ihre Suche nach der Wahrheit und den Weg, den sie gehen, anzuerkennen.

Weihnachten ist keine gemütliche Kuschelecke, in die wir uns für ein paar Tage zurückziehen. Das mer-ken wir recht schnell, dass das nicht funktioniert oder funktionieren kann. Im Gegenteil, es stresst nur wahnsinnig, weil man es in keiner Situation des Lebens aushält nur „so zu tun als ob“! Das kann nicht gut gehen und man nimmt sich selbst nicht ernst.

Weihnachten fordert uns vielmehr mit seinem Licht heraus, in die Dunkelheiten der Welt und des Lebens zu sehen. In die eigenen dunklen und noch unerlösten Ecken zu schauen. Dort – man vermutet es kaum – sitzen die gefährlichen Viren der Ungerechtigkeit und des Unfriedens. Wenn wir aber darauf vertrauen, dass Gott auch in unserem Dunkel wohnt, dann werden wir die Welt heller machen können – unsere eigene und die unserer Mitmenschen.

Vielleicht war die Antwort des Schülers „Da ist der Weihnachtsmann gestorben“ gar nicht so dumm. Der Weihnachtsmann wird nämlich die Menschheit nicht retten; deshalb kann die Kunstfigur der Werbebranche auch ruhig sterben. Leben aber wird das Kind in der Krippe. Und es wird unser aller Leben retten. Denn dieses unscheinbare Kind in der Krippe, das ist Gottes ausgestreckte Hand an uns. Ja, Weihnachten ist eine Erfindung Gottes, damit wir ihn finden.

In diesem Sinne Ihnen allen ein die Hand

Gottes ergreifendes und somit gesegnetes

Weihnachtsfest!

Ihr Bertram Bolz, Diakon

Kath. Touristen- und

Residentenseelsorger

Diesen und frühere Artikel können Sie nachlesen unter: ctv.es/USERS/hausmichael oder www.wochenblatt-kanaren.com




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