Das ewige Ringen um Fonsalía

Der „Mega-Hafen“ soll zwischen Alcalá und Playa San Juan gebaut werden. Foto: FOTOSAEREASDECANARIAS.COM

Der „Mega-Hafen“ soll zwischen Alcalá und Playa San Juan gebaut werden. Foto: FOTOSAEREASDECANARIAS.COM

Das Hafenprojekt rückt erneut in den Fokus und spaltet Politik und Gesellschaft

Teneriffa – Während die einen in dem Hafenprojekt die Lösung für die Überlastung des Hafens von Los Cristianos sehen, argumentieren die Gegner, dass ein Hafen in Fonsalía unter Berücksichtigung von Umweltgesichtspunkten unmöglich erscheint und ein wahres Attentat auf die Wale und Delfine vor der Südwestküste der Insel wäre.

Mitte August rückte die Nachricht von der Notwendigkeit eines neuen Umweltgutachtens, nachdem das seinerzeit (im Dezember 2014) erstellte abgelaufen ist, das Projekt wieder in den Blickpunkt.

Der „Mega-Hafen“ soll zwischen Alcalá und Playa San Juan gebaut werden. Foto: FOTOSAEREASDECANARIAS.COM
Der „Mega-Hafen“ soll zwischen Alcalá und Playa San Juan gebaut werden.
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Bereits 2007 wurde das Projekt zum Bau des hochmodernen Hafens bei Fonsalía vorgestellt, doch aufgrund der langen Verfahrenswege und der fehlenden Finanzmittel gab es über die Jahre hinweg nur kleine Fortschritte zu vermelden. Nach Absegnung seitens der regionalen Kommission für Bodenordnung und Umwelt (Cotmac) durch das positive Umweltgutachten im Jahr 2014, beschlossen das Cabildo von Teneriffa und die Regionalregierung ein Jahr später, das Vorhaben gemeinsam voranzutreiben. Zuerst sollten die fehlenden Genehmigungen eingeholt, dann die Finanzierung aufgestellt werden. Danach schien das Projekt allerdings wieder in einer Schublade gelandet zu sein.

Nun hat die immer akuter werdende Überlastung des Hafens von Los Cristianos zusammen mit dem Ablaufen des Umweltgutachtens dafür gesorgt, dass sich verschiedene Inselpolitiker im Zusammenhang mit den Plänen für Fonsalía zu Wort gemeldet haben. La Gomeras Inselpräsident, der Sozialist Casimiro Curbelo (ASG), ist ein vehementer Verfechter des Projekts, in dem er die Möglichkeit sieht, die maritime Verkehrsanbindung seiner Insel und auch der Inseln El Hierro und La Palma zu verbessern. Auch Teneriffas Cabildo-Präsident Pedro Martín (PSOE) befürwortet das Projekt, während sein Parteikollege und Leiter des Umweltamtes im Cabildo, José Antonio Valbuena, sich dagegen ausspricht. Auch der regionale Vizepräsident Román Rodríguez (Nueva Canarias) äußerte Zweifel an der Durchführbarkeit der Pläne und erinnerte daran, dass diese nicht Teil des Regierungspaktes seien.

Der „Mega-Hafen“ soll zwischen Alcalá und Playa San Juan gebaut werden. Foto: FOTOSAEREASDECANARIAS.COM
Der „Mega-Hafen“ soll zwischen Alcalá und Playa San Juan gebaut werden.
Foto: FOTOSAEREASDECANARIAS.COM

Um den drohenden Kollaps des Passagierhafens von Los Cristianos abzuwenden, scheinen schließlich drei Lösungsansätze möglich: der Bau des umstrittenen „Mega-Hafens“ in Fonsalía, der Ausbau der Kapazität des Hafens von Los Cristianos durch neue Verkehrswege zur Autobahn oder die Umleitung eines Teils des Seeverkehrs in die Häfen von Santa Cruz de Tenerife und Granadilla.

Cabildo-Präsident Pedro Martín hält die zweite Alternative, sprich den Bau einer teils unterirdischen Straßenverbindung vom Hafen Los Cristianos bis zur Autobahn, nicht nur der enormen Kosten wegen, sondern auch aufgrund der dadurch notwendigen Enteignungen für nicht möglich. Auch die Umleitung des Seeverkehrs auf Santa Cruz und Granadilla stehe außer Frage, denn es würde wegen der längeren Fahrtwege die Kosten in die Höhe treiben, und im Falle von Granadilla sei eine kombinierte Nutzung als Industrie- und Passagierhafen nicht möglich.

Immerhin hat das kanarische Parlament am 9. Juni 2021 über eine „proposición no de ley“, einen Entschließungsantrag eingebracht, über den die kanarische Regierung aufgefordert wird, den Bau des Hafens von Fonsalía endgültig voranzutreiben.

Opposition bedauert parteiinterne Differenzen bei den Sozialisten

Manuel Fernández von der konservativen Fraktion der Partido Popular (PP) im Cabildo von Teneriffa bedauerte die parteiinternen „Differenzen und Streitereien“ bei den Sozialisten und forderte Cabildo-Präsident Martín auf, ein dringendes Treffen einzuberufen, um das Problem und die Zukunft der Seeverbindung zwischen den Inseln Teneriffa, La Palma, La Gomera und El Hierro zu analysieren und in Angriff zu nehmen.

Aronas Bürgermeister: „Los Cristianos kann nicht jahrelang auf Fonsalía warten“

Unter den verschiedenen Meinungen und Vorschlägen für die Lösung des durch den Fährverkehr bedingten Verkehrsproblems in Los Cristianos ist auch die des Bürgermeisters der Stadt, José Julián Mena (PSOE). Mena plädiert für die Untertunnelung der Avenida Chayofita, damit die Fahrzeuge, die mit den Fähren ankommen, schneller und auf direkterem Weg die Autobahn erreichen. Einen neuen Anlauf zu nehmen, um das Riesenprojekt von Fonsalía zu realisieren, hält er für falsch. Allein das Genehmigungsverfahren und die Erfüllung aller EU-Richtlinien würde wohl Jahre in Anspruch nehmen. Los Cristianos verdiene als Hauptopfer des Problems eine schnellere Lösung und könne nicht weiter jahrelang warten. Die Untertunnelung der Avenida Chayofita würde seiner Schätzung nach, nur ein Fünftel von dem kosten, was der neue Hafen verschlingen würde: 40 Millionen anstatt 200 Millionen Euro.

418.000 Unterschriften gegen den Riesenhafen

Der Umweltschutzverband „Ben Magec“ hat eine Unterschriftensammlung gegen den Hafen von Fonsalía gestartet. Die Petition „Actúa por Hope“ wurde mittlerweile über 418.000 mal unterzeichnet. Mit einem Foto von einem durch eine Schiffsschraube tödlich verletzen Grindwal machen die Umweltschützer über die Plattform YouMove Europe auf die schlimmen Folgen, die der Hafen ihrer Ansicht nach für die Meeresfauna haben würde, aufmerksam. Sie rufen die kanarische Regierung, das Europaparlament, die Generaldirektion für Umwelt der Europäischen Kommission und die spanische Regierung auf, keine Finanzmittel für den Bau dieses Megahafens zu genehmigen. In der Petition wird unter anderem argumentiert: „Dieser Hafen würde geschützte Lebensräume und Arten innerhalb des besonderen Schutzgebiets (SAC), den Meeresstreifen Teno-Rasca, beeinträchtigen, darunter Meeresschildkröten, Delfine, Wale und die größte ansässige Population von Kurzflossen-Grindwalen in Europa.“

Foto: YouMoveEurope
Foto: YouMoveEurope

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