Das Ende von 28 Monaten Solidarität


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La Mesa – die „Tafel“ von Teneriffa – musste wegen Krankheit und Insolvenz der Gründerin schließen

Seit mehreren Monaten fragten interessierte Personen immer wieder bei unserer Redaktion an, weshalb das Lokal von La Mesa geschlossen ist und das Telefon nicht mehr abgenommen wird.

Das Wochenblatt versuchte zunächst ebenfalls vergeblich, bei La Mesa anzurufen, wandte sich daraufhin aber an die Präsidentin der Hilfsgruppe, Alicia Muñóz, die die bedauerlichen Umstände erklärte, die zur Schließung von La Mesa geführt haben: Schwere Erkrankung sowie Insolvenz der Gründerin und Sekretärin Ingrid Lüttgenau.

Seit Ende Juni wird Frau Lüttgenau nach einem schweren Schlaganfall, der starke Lähmungen verursacht hat, in der Universitätsklinik La Laguna behandelt. Außerdem sieht sie sich angelaufener Schulden von mehr als 35.000 Euro gegenüber, so dass die Aktivitäten von La Mesa wegen Insolvenz eingestellt werden mussten.

Im Februar 2008 gründete In­­­­g­rid Lüttgenau die Hilfsgruppe La Mesa nach dem Vorbild der „Tafel“ in Deutschland. Sie wollte notleidende Familien, deren Zahl durch die Krise immer weiter wuchs, mit den Grundnahrungsmitteln versorgen und dazu beitragen, ihre Not zu lindern. Das Lokal in der Altstadt von Puerto de la Cruz, vor dem sich an den Ausgabetagen lange Schlangen von Hilfesuchenden bildeten, ist jetzt geschlossen. La Mesa schuldet dem Vermieter inzwischen mehr als 12.000 Euro.

Rund zweihundert Familien (etwa 600 Personen) aus Puerto de la Cruz, wurden dank La Mesa Woche für Woche mit dem Notwendigsten versorgt sowie weitere 460 Familien aus den umliegenden Gemeinden.

Die ständig gewachsene finanzielle Schieflage von La Mesa sei auf die mangelnde Hilfsbereitschaft offizieller Stellen insbesondere der Gemeindeverwaltungen zurückzuführen sowie auf die immer geringer werdenden Spenden privater Kreise, erklärt die Präsidentin Alicia Muñoz in diesem Zusammenhang. Die Zahl der Hilfesuchenden nahm im gleichen Rhythmus zu, wie die Lebensmittelspenden hiesiger Firmen abnahmen, so dass man sich häufig gezwungen sah, Nahrungsmittel bei Großhändlern günstig einzukaufen, und die Rechnungsbeträge nach und nach abzuzahlen. So geriet man auch mit den Mietzahlungen für die Geschäftsräume in Puerto de la Cruz und Granadilla in Rückstand. Auch die Zahlung von einem Euro, die bei der Abholung der Lebensmittel zu entrichten war, blieb häufig aus.

Die Einnahmen aus diesem Anerkennungs-Euro zusammen mit den zugesagten Hilfszahlungen der Gemeinden sollten den Zukauf von Lebensmitteln, die Miete für zwei Geschäftslokale und einen Lieferwagen, Benzin, Telefongebühren und sonstige Ausgaben decken, doch das war schon seit längerer Zeit nicht mehr der Fall. Und so wuchs die Schuldensumme immer weiter an.

„In Puerto de la Cruz“; so die Präsidentin, „haben wir seit 2008 gearbeitet und niemals Hilfe erhalten. Nach der Ablösung der Bürgermeisterin Lola Padrón aufgrund eines Misstrauensantrags versprach uns der neue Stadtrat einen Lieferwagen, ein größeres Geschäftslokal, Hilfe bei der Beschaffung von Lebensmitteln sowie eine jährliche Subvention von 6.000 Euro. Darauf warten wir noch heute. Man gab uns ein Aval, um von der Bank einen Vorschuss von 3.000 Euro zu erhalten. Jetzt schulden wir auch diesen Betrag der Bank, denn die Gemeindeverwaltung hat ihr Versprechen nicht erfüllt“.

Mit La Mesa ist ein großartiges Projekt, das bereits inselweit Anerkennung gefunden hatte, sang- und klanglos untergegangen, Gleichgültigkeit und fehlendes Interesse offizieller Stellen sind der Hauptgrund dafür. Und wie immer sind die Ärmsten der Armen die Leidtragenden.




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