Das abenteuerliche Leben von Thor Heyerdahl


© Ayto. Puerto de la Cruz

Ausstellung über das Leben und die Expeditionen des berühmten Forschers in Puerto de la Cruz

In Puerto de la Cruz wurde am 6. März eine Ausstellung über Thor Heyerdahl (1914-2002) eröffnet. Im „Museo de Arte Contemporáneo Eduardo Westerdahl“, dessen Ausstellungsräume im alten Zollhaus am Fischerhafen liegen, kann die Ausstellung über das Leben und die Expeditionen des großen norwegischen Forschers und Abenteurers, der die letzten Jahre seines Lebens auf Teneriffa verbrachte, noch bis 6. April besucht werden.

Die Eröffnung der Ausstellung, die Austellungsstücke des norwegischen Kon-Tiki Museums und des Pyramidenparks von Güímar enthält, wurde von Heyerdahls Witwe Jacqueline Beer und dem Fotografen Walter Leonardi eröffnet.

Die Ausstellung hat auch audiovisuelle Inhalte wie die letzten Interviews, die Heyerdahl gab oder Vorträge, die er hielt. Außerdem sind die Expeditionen Kon-Tiki (1947), RA (1969-1970), Tigris (1978) sowie seine Expeditionen zur Osterinsel und zu den Pyramiden von Peru und natürlich sein Aufenthalt und Wirken auf Teneriffa, wo er den Pyramidenpark von Güímar gründete, in der Ausstellung dokumentiert.

Filmvorführungen

Parallel zur Ausstellung wird am 20. und 26. März jeweils um 19.00 Uhr im Museum der Film „Kon-Tiki“ gezeigt. Der Film berichtet von der Expedition Thor Heyerdahls mit dem Balsaholz-Floß „Kon-Tiki“. Von Peru aus brach er mit seiner fünfköpfigen Besatzung zu einer 8.000 Kilometer langen Fahrt über den Atlantik nach Polynesien auf, um zu beweisen, dass Polynesien nicht von Asien sondern von Amerika aus besiedelt worden ist. 

Der Film erzählt die Abenteuer, welche die Crew auf hoher See in Stürmen und bei Begegnungen mit Haien zu bestehen hatte. Schon damals hatte Heyerdahls Sohn das Abenteuer mit der Kamera begleitet. Die daraus entstandene Dokumentation gewann 1952 einen Oscar. 2013 war der Film „Kon-Tiki“ ebenfalls für einen Oscar nominiert.

Öffnungszeiten der Ausstellung:  Mo.-Sa. 10.00-14.00 Uhr, Fr., 10.00-14.00 u. 17.00-19.30 Uhr.

Einer der größten Forscher des 20. Jahrhunderts

Geboren in Larvik/Norwegen (1914) zählt Thor Heyerdahl zu den großen Forschern des 20. Jahrhunderts. Als Begründer der Theorie über die Abstammung der ersten Einwohner Polynesiens von den südamerikanischen Indios durch seine Expedition zu den Marquesas-Inseln (Französisch-Polynesien) erlangte er Weltruhm. Anschließend richtete er sein ganzes Interesse auf die Anthropologie und die menschlichen Migrationsrouten und spezialisierte sich auf primitive Wasserfahrzeuge und die frühe Schifffahrt.

1947 segelte Heyerdahl auf dem Floß Kon-Tiki von Peru nach Polynesien. Die 8.000 Kilometer lange Fahrt dauerte 101 Tage. Damit suchte der leidenschaftliche Forscher zu beweisen, dass die präinkaischen Indios an der Küste Südamerikas die ersten Menschen gewesen sein könnten, die diese Inseln des östlichen Pazifik mit einfachen Wasserfahrzeugen erreicht und besiedelt haben.

1969 und 1970 segelte Thor Heyerdahl von Marokko aus in Richtung Westen, und nach einem zweiten Versuch gelang es ihm, mit dem Papyrusboot Ra II nach 57 Tagen auf dem Meer die Insel Barbados in Amerika zu erreichen.

Mit seinen Expeditionen bewies Heyerdahl, dass es möglich war, sowohl den Atlantik als auch den Pazifik auch zur Zeit der ältesten bekannten Wasserfahrzeuge zu überqueren. Später, 1977, ging er in den Irak, um eine Nachbildung eines alten sumerischen Wasserfahrzeuges zu bauen. Mit zehn Männern aus verschiedenen Ländern unterschiedlicher politischer und religiöser Richtungen segelte er auf der „Tigris“ den gleichnamigen Fluss entlang auf den Persischen Golf und Pakistan zu. Anschließend überquerte er den Indischen Ozean und kam in Djibouti in Afrika bei der Mündung des Roten Meeres an. Ziel dieser Expedition war es, zu beweisen, dass die Gründer der Zivilisation in Mesopotamien, im Indus-Tal und im Nil-Tal bereits in prähistorischen Zeiten Seeverbindungen gehabt haben könnten.

Als erster Wissenschaftler erkannte Heyerdahl Ende 1990 die Bedeutung der Pyramiden von Chacona in Güímar. Er hatte von den sonderbaren „Steinhaufen“ aus prähispanischer Zeit auf Teneriffa gehört und widmete sich eingehend deren Studie. Unterstützt durch die norwegische Reederei Fred.Olsen (Gründer Fred Olsen war ein Jugendfreund von Heyerdahl) begann er die Planung eines Museums rund um die Pyramiden, das 1997 eröffnet wurde. Heute ist der „Parque Etnográfico Pirámides de Güímar“ ein interessantes Ausflugsziel, das jedes Jahr große Besucherzahlen verzeichnet. 

Durch archäologische Ausgrabungen der Universität La Laguna konnte die Entstehungszeit der Pyramiden eindeutig in das 19. Jahrhundert datiert werden.

Thor Heyerdahl war der Überzeugung, dass es sich bei den Pyramiden tatsächlich um religiöse Bauten aus der vorspanischen Zeit handelt und nicht um willkürlich angeordnete Steinhaufen. „In einer vulkanischen Höhle von circa 8 Metern Länge und bis zu 3 Metern Breite unter der Hauptpyramide wurden Keramikstücke, Splitter von Tierknochen sowie Reste von Obsidian gefunden, was darauf hindeutet, dass Guanchen in der Höhle gelebt haben können“, erklärte 1999 ein Archäologe des Forschungsteams von Heyerdahl.




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