„Casa Fuerte“: Adeje beschließt Zwangsenteignung

Das historische Gemäuer ist zum Teil bereits eingestürzt. Foto: caibldo de Tenerife

Das historische Gemäuer ist zum Teil bereits eingestürzt. Foto: caibldo de Tenerife

Das Landgut im Herzen der Stadt wurde 1556 errichtet

Teneriffa – Die Stadtverwaltung Adeje hat nach einem Beschluss des Gemeinderats ein Zwangsenteignungsverfahren für das im Festungsstil gebaute historische Landgut „Casa Fuerte“ eingeleitet. Das riesige Anwesen im Stadtkern verfällt seit Jahren, ohne dass die Eigentümer etwas dagegen unternehmen. Wie die Stadt mitteilte, waren alle Versuche, zu einer Einigung mit den Eigentümern zu gelangen, vergebens. Deshalb wird nun die Zwangsenteignung eingeleitet, um den vollständigen Verfall der historisch wertvollen Gemäuer zu verhindern.

Der Gemeinderat begründete die Entscheidung zum einen damit, dass „Casa Fuerte“ bereits 1986 zum Kulturgut in der Kategorie Denkmal erklärt wurde, zum anderen mit der Dringlichkeit von Renovierungs- und Restaurierungsmaßnahmen, um das geschichtsträchtige Anwesen zu retten.

Ein Anwesen mit historischer Bedeutung

Zuckerrohr gelangte Ende des 15. Jahrhunderts von Madeira aus auf die Kanarischen Inseln und entwickelte sich im Laufe des 16. Jahrhunderts zur Haupteinnahmequelle. Unter den klimatischen Bedingungen der Insel gediehen die Pflanzen, und mit Plantagen im Norden und Süden der Insel wurde die Zuckerproduktion zu einem florierenden Geschäft.

Im Süden, in Arona und Adeje, wurden Zuckerrohrplantagen und Anlagen für die Verarbeitung gebaut. Vom Hafen von La Caleta wurde der Zucker in das südspanische Cádiz und nach Antwerpen geliefert.

Die Anlage zur Zuckergewinnung in Adeje ließ 1556 Pedro de Ponte bauen. Das 7.200 große Anwesen mit drei Zuckerrohrpressen, das heute im Stadtkern von Adeje zusammen mit der Kirche Santa Úrsula und dem Kulturzentrum ein Dreieck bildet, wurde im Festungsstil errichtet, um sich gegen die damals häufigen Piratenangriffe verteidigen zu können. Später wurde „Casa Fuerte“ zum politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zentrum des Bezirks Adeje. Das letzte Mitglied der Familie Ponte, das „Casa Fuerte“ bewohnte, war der Marquis Domingo José de Herrera Ayala y Ponte, der 1766 starb.

„Casa Fuerte“ ist ein fast quadratisches Landgut, das zum Teil im Festungsstil gebaut wurde. Neben dem Festungsteil mit Wohnturm verfügte es über Lagerräume, Kornspeicher, Ställe, eine Schmiede, eine Bäckerei, Öfen, Unterkünfte für das Personal und die Verwalter, ein Gebetsraum und das Hauptgebäude.

Das heute 466 Jahre alte, zum Teil zur Ruine verkommene, Landgut ist ein Symbol der Kolonisierung des Südens von Teneriffa und soll nach dem Wunsch der Stadtväter vor dem Verfall gerettet werden. „Dies ist ein historischer Moment“, verkündete Adejes Bürgermeister José Miguel Rodríguez Fraga am 27. Mai bei der Bekanntmachung des Enteignungsverfahrens. Nachdem die Erben des Anwesens sich in keiner Weise um den Erhalt gekümmert hätten, sei es nun Aufgabe der Gemeinde, „Casa Fuerte“ zu retten und zu restaurieren, erklärte er.

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