Canariae Insulae


© Wochenblatt

Plato, der alte Grieche, in seinem Schwafeln über den versunkenen Kontinent „Atlantis“, hielt diese Inseln für dessen Rest. Jahrhunderte später erzählte der römische Plinius der Ältere, dass diese Inseln voll Wildhunde waren und, von canis = der Hund, „canariae insulae“, die Inseln der Hunde.

Nun, da sind wir wieder. Die Hunde sind zwar nicht mehr wild, ganz im Gegenteil sie sind hochgezüchtete Rassen, aber sie füllen die Inseln weiter.  Selten sieht man eine Person alleine spazieren gehen. Ein Hund ist immer dabei. Und alle zusammen hinterlassen deutliche Spuren. Gerade im Süden Teneriffas, wo der Regen so selten fällt, bleiben Hundeurinspuren ungewaschen an jeder Ecke, jeder Zaunmauer, jeder Sitzbank, jedem Laternenpfahl zurück. Natürlich fehlt es auch nicht an festeren Hinterlassenschaften. Sie sind selbst da, wo mit einem Piktogramm darauf hingewiesen wird, dass sie wegzuräumen sind.

Ich bin nicht mehr neu hier und habe mir, mittlerweile und sozusagen, ein drittes Auge zugelegt und vermeide automatisch auf solche Spuren zu treten. Manche Spur hat mir jedoch verraten, dass manch einer das dritte Auge nicht besitzt, und ich kann mir vorstellen dass er oder sie sich darüber nicht gefreut hat.

Offensichtlich schafft es ein Hundebesitzer nicht, zu seiner Pflicht zu stehen, denn der Dreck wächst weiter, trotz  „Ordenanza sobre tenencia de perros y otros animales“. Diese sagt auch, zum Beispiel, dass der Hund in der Öffentlichkeit an der Leine gehalten werden und, wenn er zu einer Rasse gehört, die gefährlich sein kann, auch einen Maulkorb tragen soll. Mitnichten! Neulich bin ich angeln gegangen und überquerte dazu ein breites öffentliches Areal. Da sehe ich, wie einige Hunde um die Wette herumrennen, ganz frei und, sobald ich erscheine, einer davon, von der Größe eines Schäferhunds, kommt zu mir, stellt mich und bellt mich an. Mir ist sofort klar: er verteidigt „sein Revier“. Ich versuche ihn zu ignorieren und gehe unbeirrt weiter, manchmal hilft das. Aber er überholt mich und hindert mich daran, weiterzugehen. Die Situation eskaliert, ich bleibe stehen. Die Besitzerin ruft ihn, aber er stellt sich taub und bellt mich weiter bedrohlich an. Endlich erreicht sie ihn und nimmt ihn an die Leine. Auf meinen Hinweis, dass die Verordnung, die „Ordenanza“, sie verpflichtet den Hund in der Öffentlichkeit an der Leine zu halten, antwortet sie mir, dass vielmehr die Menschen an die Leine gelegt werden sollten. Folgte dann ein langes Streitgespräch über die Art des Areals und das Recht eines Hundes auch mal freizulaufen. Ich gab auf: Was bildete ich mir ein, gegen Dummheit anzukommen?

Neulich habe ich mir eine Woche Urlaub in Las Palmas de Gran Canaria gegönnt. Mir ist sofort aufgefallen wie sauber die ganze Stadt, besser gesagt, nicht von Hunden verdreckt war. Herausgefunden habe ich dort, dass Hundebesitzer verpflichtet sind, in der Öffentlichkeit immer den Hund an der Leine zu halten, eine Flasche mit Wasser dabei zu haben um den Hundeurin wegzuspülen und eventuell das nötige Werkzeug, um auch was Festeres zu räumen. Eigentlich wie bei uns auf Teneriffa. Ja, sie haben eben die gleiche „Ordenanza“. Der kleine Unterschied: Wenn sie dort nicht beachtet wird, dann drohen Strafen bis 300 Euro, die jeder Polizist auferlegen kann!

Was soll ich sagen? Ich hasse diese kleinen Unterschiede und ich würde viel lieber mein drittes Auge auf die bezaubernden Landschaften der Insel richten.

Antonio Larcher




Über Wochenblatt

Das Wochenblatt erscheint 14-tägig mit aktuellen Meldungen von den Kanaren und dem spanischen Festland. Das Wochenblatt gilt seit nunmehr 36 Jahren als unbestrittener Marktführer der deutschsprachigen Printmedien auf den Kanarischen Inseln.