Buhrufe gegen neuen Bürgermeister


© Moisés Pérez

San Juan de la Rambla: PP-Gemeinderatsmitglied Tomás Mesa sichert sich durch „Verrat“ an Koalitionspartner PSOE das Amt

Im 5.200-Seelen-Ort San Juan de la Rambla herrscht helle Aufregung. Am 11. Februar setzte das bei den letzten Gemeindewahlen vor knapp zwei Jahren auf die Plätze verwiesene Parteienbündnis AIS-CC (Agrupación Independiente de San Juan de la Rambla-Coalición Canaria) das angekündigte Misstrauensvotum gegen die sozialistische Bürgermeisterin Fidela Velázquez um.

Bei den Gemeindewahlen 2011 hatte AIS-CC 1.409 Stimmen (6 Sitze im Gemeinderat) erzielt, die sozialistische PSOE lag mit 1.479 Stimmen (ebenfalls 6 Sitze) nur knapp darüber, sodass die konservative PP mit ihren 217 Stimmen (1 Sitz im Gemeinderat) für Kandidat Tomás Mesa zum sprichwörtlichen Zünglein an der Waage wurde.

Schließlich ermöglichte ein Pakt zwischen PSOE und PP nach 25 Jahren einen politischen Wechsel in San Juan de la Rambla. Ein Vierteljahrhundert lang hatte AIS-CC un-

angefochten regiert, nun war die Ära vorbei. Doch schon 18 Monate später sitzt AIS-CC wieder am Ruder – dafür wurde als Frontmann Tomás Mesa in Kauf genommen.

Der Misstrauensantrag gegen Bürgermeisterin Fidela Velázquez wurde durch den des Opportunismus beschuldigten Tomás Mesa möglich, der sich von Koalitionspartner PSOE ab- und AIS-CC zuwandte. Während der Bürgermeister grundsätzlich von der Partei mit den meisten Stimmen, sprich Sitzen im Gemeinderat gestellt wird, bildet San Juan de la Rambla nun eine Ausnahme.

In der entscheidenden Gemeinderatssitzung am 11. Februar, die Fidela Velázquez anschließend als abgesetzte Bürgermeisterin und Tomás Mesa als neuer Stadtvorsteher verließen, bezeichneten die Sozialisten das Vorgehen von Letzterem als „Verrat“ und eine durch „Habgier“ motivierte Handlung. „Es gab keinen einzigen Tag, an dem unsere Partei nicht Gründe gehabt hätte, um den Pakt mit Tomás Mesa aufzulösen“, schimpfte Fidela Velázquez. Es sei „der traurigste Tag in der Geschichte der Gemeinde“, stellte sie niedergeschlagen fest und bedauerte, „dass 18 Monate eine zu kurze Zeit sind, um die Auswirkungen von 25 Jahren Autoritarismus zu bekämpfen“.

Den Plenarsaal verließ sie anschließend hoch erhobenen Hauptes und wurde vor dem Rathaus von vielen ihr zujubelnden Bürgern empfangen. Tomás Mesa hingegen, der bei der Amtsübernahme „absolute Transparenz“ versicherte, musste Buhrufe über sich ergehen lassen. Der neue Bürgermeister verließ das Gebäude unter Polizeischutz.

Begründet wurde der Misstrauensantrag mit „Misswirtschaft“ und „fehlender Transparenz“. Dem hielt die geschasste Bürgermeisterin entgegen, dass AIS-CC-PP das Rathaus ohne Schulden und mit verfügbaren sechs Millionen Euro übernehme.




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