Bürgermeisterwechsel nach 30 Jahren


© Ayto. Orotava

La Orotavas langjähriges Stadtoberhaupt Isaac Valencia legte sein Amt nieder

Obwohl er gleich zu Anfang seiner Abschiedsrede betonte, dass er heute nicht von „einem historischen Tag für La Orotava“ sprechen wolle, wurde der 29. Oktober für die Stadt mit ihren etwa 41.700 Einwohnern doch ein geschichtsträchtiges Datum.

In seinen 30 Jahren als Bürgermeister von La Orotava wurde der Ausspruch Isaac Valencias „Heute ist ein historischer Tag für unsere Stadt…“, den er viel und gern bei offiziellen Anlässen benutzte, schon fast zum geflügelten Wort.

Den 29. Oktober 2013 machte Valencia nun mit seinem selbstgewählten Rücktritt zu einem geradezu historischen Tag. Nach 35 Jahren aktiver Politik im Dienst seiner Partei Colación Canaria (CC), vormals Agrupación Tinerfeña Independientes (ATI) in der Stadtverwaltung von La Orotava, 30 davon als Bürgermeister, hinterlässt Valencia doch tiefe Spuren in La Orotava. Er zählte außerdem zu den dienstältesten Bürgermeistern auf den Kanarischen Inseln überhaupt.

Seine Amtsniederlegung sei – entgegen einiger Spekulationen – eine rein persönliche Entscheidung, die er nach reiflicher Überlegung getroffen habe, betonte der scheidende Stadtvater in seiner Rede vor einem dicht gefüllten Plenarsaal. Familienangehörige, Freunde, Kollegen und Mitarbeiter des Rathauses waren dort versammelt und lauschten seinen Abschiedsworten, die geprägt waren von Dankbarkeit. Ein gesundheitliches Problem im Februar dieses Jahres habe ihn zu der Entscheidung bewegt, die ihm auch seine Ärzte nahegelegt hätten, erklärte Valencia.

Isaac Valencia, der am 16. Dezember seinen 76. Geburtstag feiern wird, hielt den Bürgermeister-Posten während acht Amtsperioden, sieben davon mit absoluter Mehrheit. All diese Jahre sei es eine Freude gewesen, mit den professionellen Angestellten und Beamten des Rathauses zusammenzuarbeiten – „von den Putzfrauen bis zu den höchsten Beamten“, erklärte Valencia. Worte des Dankes und des Lobes hatte der Stadtvorsteher für das Gemeindepersonal, politische Kollegen und Gegner, seine langjährige Sekretärin, seine Familie, „die oft auf meine Anwesenheit verzichten musste und der ich mich nun verstärkt widmen möchte“, und natürlich für seinen vorläufigen Nachfolger im Amt, „meinen Kollegen und Freund Francisco Linares, der mit Sicherheit unser Projekt mit beispielhaftem Einsatz für die Gemeinde fortführen wird.“

In den letzten drei Jahrzehnten gab sich Isaac Valencia, der selbst aus einfachen Verhältnissen stammt, stets bürgernah und bemüht darum, die Wünsche und Nöte der Bürger anzuhören. Vieles, was La Orotava heute zu einer vorbildlichen und fortschrittlichen Stadt macht, ist ihm zu verdanken. Doch seine Methoden waren oft auch umstritten. Ihm wurde Bonzokratie und Herrschaftswahn vorgeworfen. Seine oft eigenwillige Auslegung von Bauvorschriften brachte ihm Kritik und gar eine Anzeige der Staatsanwaltschaft ein. 2007 musste er sich wegen vermeintlicher Unregelmäßigkeiten, die von der Oppositionspartei IpO zur Anzeige gebracht worden waren, bei einer Immobilientransaktion im Industriegebiet San Jerónimo vor Gericht verantworten.

Dennoch wirkten die Worte des Sprechers der Oppositionspartei IpO (Iniciativa por La Orotava) im Rahmen der Verabschiedung Isaac Valencias fehl am Platz. José Antonio Lima sprach stellvertretend für diejenigen, die den Abschied des Bürgermeisters feierten, und fand dafür harte Worte. Valencia sei ein Beispiel des Despotismus und Autoritarismus und habe das Rathaus nach und nach zu seinem Privatunternehmen umfunktioniert, die Gemeinde zu seiner Finca und die Einwohner La Orotavas zu seinen Untertanen gemacht. Lima fuhr fort, dass er Valencia lediglich dankbar für die Vorhaben sei, die er nicht umgesetzt habe, wie die Bebauung von El Rincón, den Bau riesiger Gebäude an Stelle des abgrissenen Teatro Atlante oder die um die Jahrtausendwende angestrebte, umstrittene und nie verwirklichte „Vía Diagonal“ quer durch La Orotava. Immerhin musste selbst Lima am Ende seiner Rede einräumen, dass in den vergangenen 30 Jahren nicht alles negativ war, und er verabschiedete sich mit einem knappen „machen Sie es gut, Herr Valencia“. Danach breitete sich betretenes Schweigen im Plenarsaal aus, denn selbst die größten Kritiker fanden es offenbar nicht angebracht, diese harten Worte des IpO-Sprechers mit Beifall zu bedenken.

Sprecher anderer Parteien der Opposition hielten sich mit Kritik dagegen im Zaum. „Er hat tadelnswerte Äußerungen gemacht, doch es ist nicht der Moment für politische Kritik“, sagte Víctor Manuel Luis, Sprecher der Sozialisten im Rathaus. Und auch PP-Sprecher Enrique Luis Martín hielt sich mit den Worten „Alles hat einen Anfang und ein Ende, werden Sie sehr glücklich“ fern der Kritik an diesem doch denkwürdigen Tag.

Fähiger Nachfolger

Über den von ihm bestimmten Nachfolger Francisco Linares sagte Valencia, dass er sich keinen fähigeren Mann für dieses Amt vorstellen könne. Linares werde durch seinen Charakter, seine Stärke, seine Beharrlichkeit und seine ausdauernde und konstante Arbeitsweise die erwarteten Leistungen erbringen. Für ihn erbat Valencia die Unterstützung, um diese neue Etappe in der Gemeinde zu beginnen. 2015 wird sich die weitere politische Zukunft von La Orotava bei den Gemeindewahlen entscheiden. Dass Francisco Linares dann als Spitzenkandidat für CC an den Start gehen wird, ist sehr wahrscheinlich.




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