Bürgerinitiative zur Rettung der kanarischen Notaufnahmen


© SOS Urgencias Canarias

Die Töchter der Patientin, die nach 3 Tagen auf Krankenhausfluren im OP starb, treten für die Beseitigung der Missstände beim Gesundheitsdienst ein

Mónica und Miriam García, die Töchter von Loli, der Frau, die mit gebrochener Hüfte drei Tage auf den Fluren der Notaufnahme des Universitätskrankenhauses HUC zubrachte und dann im Operationssaal starb (das Wochenblatt berichtete), haben eine Bürgerinitiative gegründet, die dem Verfall des Kanarischen Gesundheitsdienstes, der sich durch die harte Sparpolitik noch verschärft hat, etwas entgegensetzen soll.

Auf Facebook hat die Initiative „SOS Urgencias Canarias“ (SOS kanarische Notaufnahmen) schon Tausende Unterstützer gefunden. Dort tritt die Bürgerinitiative unter dem Motto an: „Netzwerk zur Unterstützung von Kranken und Angehörigen der kanarischen Krankenhäuser. Unsere Mutter ist schon gestorben, jetzt kämpfen wir für Deine. Lasst uns das kanarische Gesundheitswesen verbessern.“

Wie die Schwestern gegenüber der Presse erklärten, haben sie diese Bürgerplattform aus dem Wunsch heraus begründet, ihren Schmerz umzuwandeln in die Kraft, sich für andere einzusetzen, da sich Fälle wie der ihre auf allen Inseln zutragen würden. In nur zwanzig Tagen seien mehr als fünftausend „Gefällt mir“-Angaben auf Facebook zusammengekommen (bei Redaktionsschluss waren es schon 6.600). Obwohl ihr erster Antrieb gewesen sei, mit dem Gedränge in den kanarischen Notfallstationen aufzuräumen, habe die überwältigende Unterstützung aus der Bevölkerung sie dazu bewogen, ihre Forderungen auszuweiten. Sie wollen ein besseres Gesundheitswesen für alle und auch das Problem angehen, dass beispielsweise manche Facharzttermine erst für eineinhalb Jahre später vergeben werden.

Tatsächlich hängt die Überfüllung der Notaufnahmen zum Teil mit den langen Wartezeiten auf den Termin – und Wiederholungstermin – beim Facharzt zusammen. Patienten, deren Zustand sich während der Wartezeit auf die Behandlung verschlechtert, landen regelmäßig in der Notaufnahme. Dieser Umstand verstopft nicht nur die Kapazitäten der Notfallmedizin, sondern bringt auch das Leben und die Gesundheit der Patienten in Gefahr.

Weitere entscheidende Faktoren sind der Mangel an Krankenhausbetten und die Einsparungen beim medizinischen Personal. Denn die kanarischen Krankenhäuser sind um 50% unterbesetzt. Lange Wartezeiten in der Notaufnahme, aber auch die Tatsache, dass am Wochenende keine Aufnahme von Notfallpatienten auf eine Station erfolgen kann, sind dieser Tatsache geschuldet. Das Fachpersonal, die Ärzte, Krankenschwestern und -pfleger, können sich nicht gegen diese Zustände wehren, weil eine große Zahl von ihnen prekär beschäftigt ist – mit zeitlich befristeten Arbeitsverträgen, die nicht verlängert werden, wenn man aufmuckt.

Mónica García sieht die Schuld für die chaotischen Zustände bei der regierenden Coalicón Canaria (CC). Deren Politiker würden lügen, dass sich die Balken biegen, und hätten schließlich schon lange genug Zeit gehabt, das Problem anzugehen. Es könne nicht länger so bleiben, dass immer Geld für den Karneval da sei jedoch nie für Krankenhausbetten. Sie fordert den Rücktritt der kanarischen Gesundheitsministerin Brígida Mendoza und der Direktorin des Gesundheitsdienstes Juana Reyes, die angesichts des Falles Loli so getan hatte, als ob eine Änderung der Prioritäten bei der Reihenfolge der Behandlung der Notfallpatienten das Problem der Überfüllung lösen könnte.

Die Schwestern werben angesichts der Anfang kommenden Jahres anstehenden Kommunalwahlen bei den Oppositionsparteien darum, dass diese die Probleme des Gesundheitswesens in ihrem Wahlkampf aufgreifen.




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