Brechnuss bringt Benzin


Hilfsprogramm: Biodiesel für Senegal

Senegal ist rund 1.500 Kilometer oder ca. 850 Seemeilen von den Kanaren entfernt. Keine große Strecke also. Noch kleiner wird die Entfernung durch die menschliche Problematik der Flüchtlinge, die immer wieder auf der Suche nach einem besseren Leben in winzigen Booten zusammenge­pfercht die lebensgefährliche Überfahrt wagen.

Lebensgefährlich, weil der Atlantik tückisch sein kann und die Boote meist nicht ausreichend verproviantiert sind.

In diesem Kontext ist das Hilfsprogramm zu sehen, das nun von Teneriffas Cabildo aus an den Start geht. In Senegal soll künftig großflächig die Jatropha curcas, besser bekannt als Purgier- oder Brechnuss, zur Biodieselgewinnung angebaut werden. Senegal soll damit eine gewisse Unabhängigkeit in Sachen Energieversorgung erlangen.

„Senegal hat keine fossilen Brennstoffvorkommen und ist relativ windarm, so dass Windgeneratoren dort eine Fehlinvestition wären“, so José Luis Savoie von der Agrarindustrieabteilung im Cabildo. Hinzu komme die zunehmende Verkarstung des Bodens im Land, der entgegengewirkt werden müsse.

Eine ideale Lösung

Tatsächlich entpuppt sich die Brechnuss bei näherem Hinsehen in mehrfacher Hinsicht als ideale Lösung für die Energieversorgung des Landes. Sie ist aufgrund ihrer toxischen Komponenten für den menschlichen Verzehr ungeeignet, so dass sich die Frage „Tank oder Teller?“ gar nicht erst stellt. In tropischen Ländern heimisch, kann dieses Sukkulentengewächs sich bes­tens im heißen Klima Senegals entwickeln. Sie ist überaus genügsam und kann in den verkarsteten Gebieten an­-­gebaut werden, die für den Ackerbau ungeeignet sind. Somit beansprucht sie kein wertvolles Land, sondern wirkt zudem dem Verkarstungsprozess entgegen.

Das Cabildo treibt das Hilfsprojekt auf drei Linien voran. Zunächst ist Cultesa auf Teneriffa damit befasst, in vitro Setzlinge zu züchten. Andererseits wird auch die konventionelle Anbaumethode betrieben, um baldmöglichst in Senegal mit dem Anbau beginnen zu können. Drittens werden in Senegal Kurse gehalten, um der Bevölkerung Anbau, Ernte und Verarbeitung beizubringen. Das erste Gewächshaus im Norden von Dakar soll noch vor Jahresende fertiggestellt sein. Es ist 5.000 qm groß und kann 1,5 bis 2 Millionen Setzlinge im Jahr liefern. Der Anbau wird dann vorzugsweise im Norden und Nord­osten des Landes stattfinden, quasi an der Grenze nach Mauretanien.

Hilfe zur Selbsthilfe

„In zwei Jahren wird die volle Leistungsstärke erreicht sein“, freut sich Savoie dann auch. Mit der Fertigstellung des Gewächshauses und der Ausbildung der Bauern wird die Arbeit des Cabildos beendet sein. Ab dann wird Senegal das Projekt in Eigenregie übernehmen.

Geplant ist, dass die Setzlinge an Familienverbände verteilt werden, wobei rund fünf Hektar Anbaufläche pro Familie kalkuliert sind. Das ergibt schätzungsweise einen Ertrag von 7.500 Litern Biodiesel und damit eine gute Einnahmequelle. In Senegal sollen mehrere Raffinerien entstehen, in denen die geernteten Nüsse dann kaltgepresst zu Treibstoff verarbeitet werden.

Von Cabildo-Seite werden rund 380.000 Euro in dieses Programm investiert. Es ist nicht das erste Hilfsprogramm für Senegal. Seit die spanische Regierung 1998 das Internationale Kooperationsprogramm verabschiedet hat, werden einige afrikanische Staaten be­­-güns­­­tigt, vorrangig Senegal.




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