Bischofsresidenz in La Laguna bei Brandkatastrophe zerstört


© Moisés Pérez

Das Gebäude aus dem 17. Jahrhundert brannte komplett aus • Wertvolle Dokumente, Archive, Kunstwerke und die komplette Bibliothek gingen verloren

Der 23. Januar 2006 wird als schwarzer Tag in die Geschichte La Lagunas eingehen. Trauer herrscht in der Universitätsstadt, die von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt worden ist. Das ehemalige Haus der Grafen von Salazar, heute Sitz des Bistums von Teneriffa, wurde Opfer eines verheerenden Brandes und ist nahezu komplett zerstört.

Gegen 11.55 Uhr hallten die ersten panischen Rufe durch das Gebäude: „Feuer, Feuer!“ Im Nebenzimmer des Bischofsbüros stand ein Bücherregal in Flammen und der persönliche Sekretär von Bischof Bernardo Álvarez schlug Alarm. Brandursache war vermutlich ein Kurzschluss. Alle Personen, die sich in der Bischofsresidenz befanden, konnten das Gebäude rechtzeitig verlassen.

Wenige Minuten später waren die ersten Einheiten der Feuerwehr mit Löschwagen und Wasserspritzen zur Stelle. Mehrere Tankfahrzeuge und Löschzüge aus anderen Gemeinden rückten nach. Doch das Schicksal des historischen Gemäuers schien schon zu diesem Zeitpunkt besiegelt. Hilflos und mit Ensetzen musste Bischof Bernardo Álvarez, erst seit September 2005 im Amt, zusehen, wie das historische Palais vor seinen Augen zerstört wurde. Die Flammen loderten im Dachstuhl. Das wunderschöne Interieur des Gebäudes, fast gänzlich aus Tea-Holz – Decken, Böden und Balkone – wurde der Bischofsresidenz zum Verhängnis. Begünstigt wurden die Flammen durch das edle Holz aus den kanarischen Kiefern, „das ein Harz mit einer brandbeschleunigenden Wirkung ausscheidet“, wie der Chef der Feuerwehr, Salvador Reyes, erklärte. „Es brannte als wäre es Benzin“, so prägnant fasste der Chef des Feuerwehrkorps die vier Stunden zusammen, in denen die Feuerkatastrophe das Haus Salazar in Schutt und Asche legte. Innerhalb kürzester Zeit hatte das Flammenmeer den ersten Stock des Gebäudes zerstört; Archive, Bibliothek, Kunstschätze, darunter auch eine Privatsammlung, die Bischof Bernardo Àlvarez dem Bistum überlassen hatte, wurden zerstört und machen den Brand zu einem Desaster für den Kunstschatz La Lagunas und ganz Teneriffas.

Obwohl bis zu 58 Feuerwehrmänner, entsprechend viele Löschfahrzeuge und sogar Löschhubschrauber im Einsatz waren, brannte das Gebäude bis auf die Fassade nieder. Offiziellen Angaben zufolge wurde die Bischofsresidenz „fast zu hundert Prozent“ vernichtet. „Das obere Stockwerk ist vollkommen verbrannt, während im Erdgeschoss 95% der Struktur beschädigt sind“, erstattete Salvador Reyes Bericht. Nur die Räumlicheiten im Keller seien verschont geblieben.

Nachdem der Kampf gegen das Feuer in der Bischofsresidenz verloren war, galt es, eine Ausbreitung des Brandes auf angrenzende Gebäude, wie das der Universität UNED und die Priesterresidenz zu vermeiden. Die Löschhubschrauber hielten die Dächer dieser Gebäude feucht, und in der Umgebung hatte sich eine Gruppe von Nonnen versammelt, die ein Stoßgebet sprachen – doch der ersehnte Regen blieb aus.

Unter der Bevölkerung  herrschte Traurigkeit und Bestürzung. Doch es wurden auch Stimmen laut, die den Einsatz der Feuerwehr beanstandeten. Einige fragten sich, warum so lange gewartet wurde, um die Löschhubschrauber anzufordern, die letztendlich 28 Wasserladungen über die Dächer ergossen und vielleicht bei einem schnelleren Eingreifen entscheidend für den Erhalt des Gebäudes gewesen wären. Andere berichteten, dass die Schlauchkupplungen der Löschgeräte nicht passten und auf „Adapter“ der Feuerwehr aus Santa Cruz gewartet werden musste. Nicht zu vergessen: der schlechte Wasserdruck, weshalb große Tankwagen von Teidagua herbeigerufen werden mussten, die in den engen Straßen La Lagunas nur mit Schwierigkeiten manövriert werden konnten. Und last but not least wurde mit großem Bedauern festgestellt, dass die Casa Salazar nicht über eine Brandschutzanlage verfügte. Pläne für eine solche Installation existierten angeblich und sollten „in Kürze“ umgesetzt werden…

Unwiederbringlicher Verlust

Wertvolle Kunstobjekte wurden Opfer der Feuersbrunst

Das Haus Salazar, ein Gebäude aus dem Jahr 1664, zählte zu den bedeutendsten architektonischen Schätzen La Lagunas und seine barocke Fassade gilt als eine der schönsten der Kanaren. In seinem Inneren haben die Flammen wertvolle Kunstobjekte zunichte gemacht. „Was das Feuer zerstört hat, kann von Menschenhand nie wieder hergestellt werden“, beklagte ein untröstliches Mitglied der Kommission für den Erhalt des Kulturerbes. In den Räumlichkeiten der Bischofsresidenz schmückten Werke berühmter einheimischer und auswärtiger Künstler die Wände, darunter Portraits aller Bischofe der Diözese Teneriffa. Besonders bitter ist der Verlust zweier Heiligenbilder von Antonio María Maragliano aus dem 18. Jahrhundert, die 1964 bei dem verheerenden Brand in der Kirche San Agustín gerettet werden konnten und seither im Bischofspalais untergebracht waren. Barocke Spiegel, wertvolle Einrichtungsgegenstände, darunter viele Einzelstücke, und natürlich die kostbare Holzdecke im Mudejarstil  stellen unwiederbringliche Verluste dar. Das historische Archiv wurde zum Glück im letzten Jahr in die Calle Anchieta gebracht, wo es in Sicherheit war. Verloren gingen hingegen alle nach 1900 datierten Dokumente.

Regierung, Cabildo und Gemeinde verpflichten sich zum Wiederaufbau in drei Jahren

Noch am selben Tag gaben Vertreter der Inselregierung, des Cabildos von Teneriffa und  Bürgermeisterin Ana Oramas in einer eilends einberufenen Pressekonferenz ihren gemeinsam gefassten Entschluss bekannt, umgehend mit dem Wiederaufbau des Gebäudes zu beginnen. In drei Jahren, kündigten sie an, soll der Bischofssitz wieder stehen. Fachleute werden das Gebäude in den nächsten Tagen untersuchen und festlegen, welche Maßnahmen für den Wiederaufbau zu treffen sind, verkündete Ana Oramas.

Spendenkonto eingerichtet

Die Tageszeitung EL DÍA und die Unternehmensgruppe Cointe haben umgehend reagiert und ein Spendenkonto bei der Sparkasse CajaCanarias eingerichtet, um den Wiederaufbau des Obispado zu unterstützen. Beide Urheber der Initiative haben jeweils 60.000 Euro auf das Spendenkonto eingezahlt. Das Bauunternehmen Farragú ist dem Beispiel gefolgt und hat ebenfalls 60.000 Euro locker gemacht. Und auch Santa Cruz’ Bürgermeister Miguel Zerolo hat bereits angekündigt, in der nächsten Ratssitzung über einen entsprechenden Beitrag zu beraten.

Mit diesem Startkapital hoffen die Initiatoren, weitere Spender zu animieren. Angesprochen sind sowohl Unternehmer als auch Privatleute, die ihren persönlichen kleinen Beitrag leisten wollen, um einen Teil der Geschichte von La Laguna zu rekonstruieren.

Spendenkonto bei CajaCanarias: 2065 0150 0130 0002 9295.




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