Bischof als Impfvordrängler in der Kritik

Bernardo Álvarez zählte mit seinen 71 Jahren nicht zu der Risikogruppe, die laut spanischem Impfplan in der ersten Phase immunisiert werden sollte. Foto: moisés pérez

Bernardo Álvarez zählte mit seinen 71 Jahren nicht zu der Risikogruppe, die laut spanischem Impfplan in der ersten Phase immunisiert werden sollte. Foto: moisés pérez

Der Geistliche gab an, in einer Seniorenresidenz für Priester zu wohnen, dabei lebt er allein in einem benachbarten Haus

Teneriffas – Der Bischof der Diözese Teneriffa, Bernardo Álvarez, ist als „Impfvordrängler“ in die Schlagzeilen geraten. Der 71-Jährige hatte sich in die Liste des Priesterwohnheims San Juan de Ávila eintragen und sich dort bereits im Januar gegen das Coronavirus impfen lassen. Davon berichtete zunächst der Radiosender „Cadena Ser“ und nun auch die Zeitung „El Día“, die gar von „Betrug an der Gesundheitsbehörde“ sprach. Dem Zeitungsbericht zufolge gab der Bischof an, in der Seniorenresidenz für Priester in der Calle Anchieta zu wohnen. Infolge des sich daraus ergebenden Kontakts zu den Bewohnern, die als Risikogruppe gelten und laut spanischem Impfplan in der ersten Phase an der Reihe sind, wäre die Impfung des Geistlichen gerechtfertigt gewesen. Doch tatsächlich wohnt der Bischof nicht in dem Wohnheim, sondern in der benachbarten Calle Tabares de Cala in einer eigenen Wohnung. Obwohl die Gebäude über einen gemeinsamen Innenhof verbunden seien, habe der Bischof keinerlei direkten Kontakt zu den Heimbewohnern, versicherte eine Pflegerin auf Nachfrage von „El Día“. Das Bistum dagegen erklärte in einer Mitteilung, dass der Bischof auf der Liste der Impfkandidaten des Wohnheims stand, weil er „häufige Kontakte“ zu den Bewohnern habe und einige Dienste des Heims in Anspruch nehme.
Bernardo Álvarez ist nicht der erste spanische Bischof, der durch eine vorzeitige Impfung in die Kritik geraten ist. Auf Mallorca erhielt Bischof Sebastià Taltavull (73) bereits beide Impfdosen. Auch er wurde zusammen mit den Bewohnern eines Altenheims für Priester geimpft, in dessen Liste er eingetragen war, obwohl er zu keiner der Risikogruppen gehört, die laut Impfplan in der ersten Phase der Impfstrategie an der Reihe waren. Jesús Murgui (74), Bischof der Diözese Orihuela-Alicante, ließ sich ebenfalls in die Impfliste eines Seniorenwohnheims eintragen; die Generalitat Valenciana untersucht den Fall.

Vermeintliche Vordrängler auch in der Politik
Auch in der Politik hat es zahlreiche Fälle von „Vordränglern“ gegeben. Verschiedene ranghohe Politiker in Spanien gehören dazu. Einige, wie der Leiter des Gesundheitsamts der Region Murcia, Manuel Villegas, haben als Folge ihren Hut genommen. Auch auf den Kanaren sind mehrere Politiker durch ihre frühzeitige Impfung in die Kritik geraten. Darunter ist auch Susana Machín, Leiterin des Gesundheitsamts von La Palma, deren Büro sich im Krankenhaus Hospital de Los Dolores befindet. Sie sagte: „Wir erkundigten uns beim kanarischen Gesundheitsdienst, und sie empfahlen, mich auf die Impfliste zu setzen“. Im Krankenhaus seien nicht nur Pfleger und Mediziner geimpft worden, sondern auch Küchenpersonal, Angestellte der Verwaltung und andere Mitarbeiter.

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