Bienenhonig – vielfältig wie die Insel selbst


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Imkerei auf Teneriffa

Als Insel, die mit dem Vulkan Teide den höchsten Berg Spaniens ihr eigen nennt, verfügt Teneriffa über eine vielfältige Orografie, die unzählige verschiedene Landschaftsformen sehr unterschiedlicher Beschaffenheit, in verschiedenen Höhenlagen mit vielfältiger Pflanzenwelt und mit unterschiedlicher Mikro-Klimatologie aufweist. Dies hat ihr auch die Bezeichnung „kleiner Kontinent“ eingetragen.

Durch die Insellage verfügt sie ebenso wie ihre Schwesterinseln über eine Pflanzenwelt, in der sich viele nur hier vorkommende Arten entwickelt haben. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in der einheimischen Imkerei wider, die auf engstem Raum erstaunlich viele verschiedene Honigsorten hervorbringt.

Blütenhonig

Zum einen gibt es den Honig, dessen Nektar nicht vorherrschend von einer Blütenpflanzenart stammt und einfach „Miel de Flores“, Blütenhonig, oder „Milflores“ genannt wird. Hier unterscheidet man zwischen den Honigsorten dreier verschiedener Höhenlagen.

Der „Miel de Cumbre“ ist der Honig, der oberhalb von 1.200 Metern Höhe produziert wird, also größtenteils im Teide-Nationalpark. Hier wachsen vor allem endemische Pflanzen wie der Teideginster (Retama blanca del Teide), die Rote Tajinaste (Wildprets Natternkopf), der Strohblumen-Eberwurz (Malpica) und der Behaarte Federkopf (Rosalillo de Cumbre). Der Honig, der daraus gewonnen wird, ist klar bis mittelbraun und von mildem Geschmack.

„Miel de Monte“ heißt der Honig, der in Höhenlagen zwischen 450 und 1.200 Metern gewonnen wird. In der dortigen Vegetation herrschen Ginster, Heidekraut, Natternkopfgewächse, Thymian, Oregano, Fenchel, Kastanien und Eukalyptus vor. Der Honig aus diesen Regionen ist dunkelfarbig, nuancenreich und im Geschmack von mittlerer bis hoher Intensität bis hin zu einem kräftigen, herben, im Nachgeschmack etwas bitteren Honig.

Von der Küste, von Standorten unter 450 Metern Höhe, stammt der „Miel de Costa“. Die Bienenweiden hier sind Avocado- und Obstbäume sowie die Tabaiba (Dunkelpurpurrote Wolfsmilch), Eiskraut, Kleinien, Pendelstroh (Balo) und Agaven. Küstenhonig ist meist von heller Farbe, neigt zur Kristallisation und schmeckt blumig-lieblich.

Honigsorten aus endemischen Pflanzenarten

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Sorten, die überwiegend von einer einzigen Pflanzenart gesammelt wurden. Einige davon sind auf der Insel bzw. den Kanaren endemisch und damit einzigartig in der Welt.

Nur auf den Kanaren gibt es beispielsweise den Tajinaste-Honig, „Miel de Tajinaste“, der von einem Natternkopfgewächs stammt. Die Rote Tajinaste kommt nur in den Kraterebenen des Teide sowie des Taburiente auf La Palma vor. Andere Unterarten wachsen in allen Höhenlagen von der Küste bis zum Bergrücken Teneriffas. Dieser Honig wird im Frühling und Sommer gesammelt. Er ist weißgelb, hat einen milden Geschmack und neigt zur Kristallisierung, was ihm eine gute Streichfähigkeit verleiht.

Der Honig der „Retama del Teide“ kann ebenfalls nur auf dem Teide und auf La Palma gewonnen werden. Der im Deutschen Teideginster genannte Strauch wächst in Höhenlagen über 1.700 Meter. Weniger häufig findet man Honig des Strohblumen-Eberwurz (Miel de Malpica), einen cremigen, perlmuttfarbenen, mild-fruchtigen Honig vom Teide, ebenso wie den Honig des Zwergginsters (Miel de Escobón), der klar-goldfarben und deutlich blumig ist. Beide gibt es ebenfalls nur auf den Kanarischen Inseln.

Große Sortenvielfalt

Sorten von nicht endemischen Pflanzen, die öfter angeboten werden, sind der Kastanienhonig (Miel de Castaño) und Miel de Relinchón (Gewöhnlicher Grausenf). Ersterer ist von dunkler Farbe und hat einen intensiven, typischen, herb-würzigen Geschmack, der ins Bittere gehen kann. Letzterer ist intensiv-gelb, kristallisiert und schmeckt leicht fruchtig.

Weiterhin gibt es Miel de Brezo (Baumheide, dunkelrotbraun, erdig und leicht harzig im Geschmack), Aguacate (Avocado, dunkelbernsteinfarben, Aroma reifer Früchte und Karamell), Barrilla (Eiskraut, von heller Farbe, cremig, erinnert an Toffee), Hinojo (Fenchel, dunkelbernsteinfarben, einzigartiger Geschmack, würzig mit lakritzartigem Einschlag), Pitera (Agave, bernsteinfarben, starkes, gewöhnungsbedürftiges Aroma), Tedera (Asphaltklee, hellgelb, pflanzlich-fruchtig, erinnert an Kokos) und Escobón (Zwergginster, hell-bernsteinfarben, blumig-delikates Aroma).

Es liegt auf der Hand, dass die Imkerei auf dem begrenzten Raum der Insel keine Massenproduktion sein kann. Demzufolge sind auch nicht immer alle typischen Honigsorten zu kaufen. Auf den Bauernmärkten kann man fündig werden, in den Läden, die kanarische Spezialitäten verkaufen, und im Shop des Weinmuseums „Casa del Vino“ in El Sauzal nahe der Autobahnauffahrt. Im Honighaus „Casa de la Miel“ auf derselben Finca gibt es ein kleines Honigmuseum und Laboratorien, die den auf der Insel hergestellten Honig, der mit dem Herkunftsnachweis DOP ausgestattet ist, analysieren. Die Registriernummer auf den speziellen Etiketten dieses Honigs kann auf der Website der „Casa de la Miel“ zusammen mit dem Datum der Konsumempfehlung eingegeben und so die „Geschichte“ des betreffenden Honigglases abgerufen werden. Dazu öffnet man die Seite www.casadelamiel.org und klickt im Menü „Mieles de Tenerife“ auf „Trazabilidad“.

Mogelpackungen

Wer auf den Kanaren Honig kauft, muss genau hinsehen, denn es werden traditionell auch einige Produkte mit dem Wort „Miel“ bezeichnet, die mit Bienenhonig nicht das Geringste zu tun haben. Dazu gehören „Miel de Palma“, ein Sirup aus Palmensaft, „Miel de Caña“, Zuckerrohrmelasse, und „Miel de Arce“, Ahornsirup. 

Obwohl die Bezeichnung „Miel“ mittlerweile nur noch für Bienenhonig gebraucht werden darf, wird diese Regelung oft umgangen, indem auf dem Etikett die heute zulässige Bezeichnung steht, beispielsweise „Sirope de Savia de Palmera“, und darunter fettgedruckt geschrieben wird „früher: Miel de Palma“.




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