Bewohner von Las Cuevas protestieren gegen „Monsterbau“


© WB

Bürger fühlen sich von den Stadtvätern im Stich gelassen

Das Bestreben mancher Gemeinden, die Kassen so gut und so schnell wie möglich zu füllen, lässt die Stadtväter oft genug vergessen, dass es ihre vornehmste Pflicht ist, für das Wohl der Bürger Sorge zu tragen. Baulizenzen sind eine besonders lukrative Einnahmequelle. Und so werden die Gesetze und Bebauungsvorschriften manchmal etwas großzügiger ausgelegt, wenn es sich um ein „interessantes“ also einträgliches Bauprojekt handelt.

Das scheint in der Urbanisation Las Cuevas der Fall zu sein, wo sich der Nachbarschaftsverband jetzt an die Öffentlichkeit gewandt hat. Die Stadtverwaltung soll veranlasst werden, ein Reihenhausprojekt auf seine Legalität zu prüfen, das zurzeit in der Urbanisation realisiert wird.

Die Gartenstadt von La Orotava, vor weit mehr als dreißig Jahren konzipiert, besteht heute aus den Urbanisationen Las Cuevas, El Lagar und El Pinalito mit freistehenden Einfamilien-Bungalows, umgeben von privaten Gärten und Grünanlagen. Es handelt sich um eine reine Wohnzone ohne Gewerbetriebe oder Geschäfte.

In einer außerordentlichen Versammlung hat der Nachbarschaftsverband eine dringende Untersuchung des Bauvorhabens „Villas de Pinalito“ verlangt. Eine Anlage von zwölf zweigeschossigen Einfamilien-Reihenhäusern mit Tiefgaragen, die nach der Überzeugung der Anwohner die zulässige Bauhöhe erheblich überschreitet und damit gegen die geltenden Vorschriften verstößt. Desweiteren wird moniert, dass die vorgeschriebenen Schilder mit den das Bauprojekt betreffenden Angaben wie Nummer der Baulizenz, Name von Bauherrn, Bauunternehmen und Architekten, Anzahl der geplanten Häuser oder Wohnungen sowie vorgesehene Bauzeit komplett fehlen. Allerdings wurde ein weithin sichtbares Schild mit den Angaben über das Verkaufsbüro angebracht.

Die Eigentümer der unmittelbar betroffenen Nachbarbungalows haben ihrerseits angekündigt, die Gerichte anzurufen um die Bauarbeiten stoppen zu lassen, bis die Legalität des Projektes geprüft ist.

Die Zone, in der sich ihre Häuser befinden, wurde als geschlossene Gartenstadt (Typografie CJ3 und CJ4) eingestuft, mit Einfamilienhäusern inmitten ihrer Parzelle und mit privaten Gärten. Diese Kategorie unterscheide sich gewaltig von den desproportionierten Reihenhäusern, die jetzt in der unmittelbaren Nachbarschaft errichtet werden, monieren sie.

Diese Bauten entsprechen ihrer Meinung nach in keiner Weise den geltenden Normen und verstoßen gegen die Konstitution und die urbanistischen Gesetze in Europa, die das Recht auf Intimität eines jeden Bürgers garantieren.

Eben so wenig habe man die topografischen Gegebenheiten des Geländes respektiert, denn einige Bungalows sind im wahrsten Sinne des Wortes „untergegangen“, sie liegen hinter den Gebäuden ohne die Möglichkeit, sich durch eine Mauer oder Hecke abzugrenzen. Vor anderen werden wie eine hohe Mauer die zweistöckigen Häuser errichtet, die ihnen nicht nur die Sicht sondern sogar das   Tageslicht nehmen. Hinzu kommt, dass die Balkone und Terrassen der Doppelhäuser in Richtung ihrer Bungalows gebaut werden, was ihnen jegliche Intimität raubt.

Bungalowbesitzer fürchten Wertverlust

ihres Eigentums

„Bei einigen der betroffenen Eigentümer“, so verlautet aus dem Nachbarschaftsverband,  „haben Ärger und Aufregung schon erhebliche Gesundheitsschäden verursacht und andere leiden bereits unter Depressionen“. Allgemein wird befürchtet, dass die umliegenden Häuser durch den „Monsterbau“ erheblich an Wert verlieren.

Inzwischen hat sich ein weiterer Interessenverband zur Verteidigung der Rechte der Anwohner der Urbanisation gegründet, der es sich zum Ziel gesetzt hat, den neuen Bodenordnungsplan der Zone zu korrigieren, der am 29. Juni 2004 im Öffentlichen Anzeiger der Provinz verkündet wurde und zweistöckige Bauweise erlaubt. Die Veränderung der urbanistischen Typologie in einer komplett bebauten Zone ist nach Meinung des Verbandes absolut negativ und nur für neue Urbanisationen sinnvoll. Außerdem müsse befürchtet werden, dass dieses Beispiel Schule macht.

Die Betroffenen beklagen außerdem, dass sie jährlich bis zu 800 Euro Grundsteuer für ihre Häuser zahlen und sich jetzt der Tatsache gegenüber sehen, regelrecht von hohen Häusern zugebaut zu werden, die möglicherweise illegal sind oder dass zumindest die Bauvorschriften „subjektiv“ interpretiert worden sind.

Doch auch die Bautätigkeit selbst belästigt die Anwohner im höchsten Maße. Bagger, Betonmischer und tonnenschwere Lastwagen fahren schon am frühen Morgen laut hupend durch die Straße. Gärten und Autos sind mit Staub bedeckt und Straße und Bürgersteige mit Lehm verschmutzt. Bereits vor Wochen wurde die Asphaltdecke der Calle Holanda aufgehackt, um Rohrleitungen zu der Baustelle zu legen. Seither warten die Anwohner vergeblich, dass die Rinne, nur provisorisch mit Erdreich geschlossen, endlich wieder asphaltiert wird.

Die Sorge um das Wohl der Bürger –

Fehlanzeige!

 Bürgermeister Isaac Valencia hat in einer Pressemitteilung zu den Vorwürfen der Anwohner Stellung genommen und nachdrücklich bestätigt, dass die erteilte Baulizenz absolut korrekt ist und den urbanistischen Vorschriften entspricht. Er hat jedoch zugesagt, genau überprüfen zu lassen, ob die Gebäude in Höhe und Ausführung mit dem genehmigten Projekt übereinstimmen. „Sollte das Gegenteil der Fall sein, werden wir die Konsequenzen ziehen“, sagte er wörtlich.

Er verstehe die Probleme, unter denen einige Bürger zu leiden haben. Das passiere auch in anderen Zonen der Gemeinde, wo Neubauten errichtet werden und nicht nur in La Orotava sondern auch anderenorts.




Über Wochenblatt

Das Wochenblatt erscheint 14-tägig mit aktuellen Meldungen von den Kanaren und dem spanischen Festland. Das Wochenblatt gilt seit nunmehr 36 Jahren als unbestrittener Marktführer der deutschsprachigen Printmedien auf den Kanarischen Inseln.