Bewegte Tage im Leben einer Künstlerin


© Gobierno de Canarias

Eine ehrenvolle Aufgabe und eine verdiente Ehrung

Seit fast vierzig Jahren lebt und arbeitet die Künstlerin Vicki Penfold in Puerto de la Cruz und ist seit langer Zeit eng mit der kulturellen Szene der Insel verbunden. Sie ist Mitglied der königlichen Gesellschaft der Kunst in London, der Akademie der schönen Künste der Kanaren und anderer Künstlerzirkel und wurde für ihr künstlerisches Schaffen mit verschiedenen Preisen und Ehrenmedaillen ausgezeichnet. Und seit einigen Jahren ist sie Ehrenbürgerin von Puerto de la Cruz.

In ihrem Atelier oberhalb der Touristenstadt, wo sie noch immer malt und modelliert, steht Kunstfreunden allwöchentlich die Tür offen. Dort können sie nicht nur ihre Bilder und Skulpturen sondern auch eine umfangreiche Kunst-Bibliothek kennen lernen.

Ende vergangenen Jahres, nur wenige Wochen vor ihrem neunzigsten Geburtstag, wurde noch einmal eine echte künstlerische Herausforderung an sie herangetragen, die sie ohne zu zögern annahm und die ihr im wahrsten Sinne des Wortes Anerkennung von höchster Stelle einbrachte.

Alles begann mit einem Zufall. Ein hoher Beamter des Präsidentschaftsressorts der kanarischen Regierung besuchte Vicki Penfold in ihrem Atelier weil er sich ein Bild für sein Privathaus ansehen wollte. Plötzlich blieb er wie elektrisiert vor dem Bronzekopf eines kleinen Kindes stehen, den die Künstlerin vom Enkel eines Freundes angefertigt hatte. Ihm war eine Idee gekommen, die vom selben Moment an wie ein Staatsgeheimnis gehütet wurde: Das Gastgeschenk für das spanische Königspaar, dessen Besuch in etwa vier Wochen bevorstand, war gefunden – ein Bronzekopf von Leonor, der jüngsten Enkelin des Königspaares. „Nur vier Wochen, das ist sehr wenig Zeit“, versuchte Vicki Penfold einzuwenden, doch der Regierungsvertreter ließ sich von seiner Idee nicht mehr abbringen.

„Ich begann sofort in aller Heimlichkeit mit der Arbeit und ständig brachte man mir neue Fotos von der kleinen Infantin, in allen Alterstufen und Szenen. Da es eine Überraschung werden sollte, konnte man ja nicht offiziell Fotos aus dem Königshaus anfordern. Überhaupt ist es für mich noch immer ein Rätsel, dass die ganze Sache bis zum Schluss geheim geblieben ist“, erzählte die Künstlerin dem Wochenblatt beim Besuch in ihrem Atelier.

Um den Zeitplan zu erfüllen arbeitete sie zeitweise sogar während der Nachtstunden auf ihrer Terrasse. Schließlich waren Modell und Form fertig gestellt und die Gießerei konnte mit der Arbeit beginnen. Wie immer ist es ein spannender Moment, wenn das Kunstwerk aus der Form genommen wird. Aber es war sehr gut gelungen – die Künstlerin war zufrieden und ihre Auftraggeber auch. Und die Arbeit war rechtzeitig fertig geworden.

Wie das Wochenblatt bereits berichtete, wurde das Geschenk der kanarischen Regierung im Rahmen eines Gala-Essens überreicht, das Präsident Adán Martín zu Ehren des Königspaares gab. Voller Freude umarmten und küssten Königin Sofia und König Juan Carlos die Künstlerin, als die Bronzeskulptur enthüllt wurde.

Inzwischen hat Vicki Penfold auf Wunsch der Königin ein Fotoalbum zusammengestellt, wo der gesamte Werdegang des Kunstwerkes vom Modell bis zum fertigen Guss in Bildern festgehalten wurde. Ein Dankschreiben des Königshauses ist inzwischen bei ihr eingetroffen.

Eine weitere Ehrung in Anerkennung ihres künstlerischen Schaffens wurde Vicki Penfold in den letzten Tagen zuteil. Das Kulturressort der kanarischen Regierung hat ein Buch über ihr Leben und ihr Arbeiten herausgebracht, das am 9. Januar offiziell vorgestellt worden ist. Insgesamt vierzig Bände über auf den Kanaren arbeitende Künstler umfasst diese Reihe. „Meines ist das vierzigste und letzte Buch, das herausgegeben wird, denn die Reihe wird damit beendet. Und wenn mich nicht alles täuscht, sind lediglich zwei Künstlerinnen dabei und ich bin die einzige Ausländerin, deren Lebenswerk auf diese Weise gewürdigt wird“, erklärte sie stolz beim Abschied.

Das Wochenblatt gratuliert ganz herzlich und wünscht noch viele Jahre erfolgreichen Schaffens.




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