Bauprojekt Teresitas-Strand völlig verfahren


© Moisés Pérez

Architektenteam meldet sich zu Wort

Die gescheiterte Bauplanung für den Teresitas-Strand (das Wochenblatt berichtete mehrfach, siehe Internet-Archiv) sorgt nun auch für geharnischte Kritik aus dem Lager der betroffenen Architekten.

Der spanische Repräsentant des französischen Stararchitekten Dominique Perrault, Juan Fernández, wandte sich nun an die Presse und nannte das Vorgehen der Stadtverwaltung von Santa Cruz, speziell von Bürgermeister Miguel Zerolo, eine „chapuza“ (Pfusch, Stümperei). Angesichts des Baustopps von 2008 durch die Gerichte wegen zahlreicher Klagen betroffener Anwohner wurde der Architektenvertrag zwar nicht aufgelöst, aber die Stadtverwaltung habe auch praktisch nicht mehr mit den Architekten kommuniziert, außer der gelegentlichen Bitte um pünktliche Ablieferung einzelner Dokumente. Ansonsten habe man keine Vorschläge erhalten, wie die verfahrene Situation gelöst werden könne.

Auch die Situation am Strand selbst sei unglaublich: Der halbfertige Rohbau des Einkaufszentrums, das im Volksmund „Mamotreto“ (alter Schinken, Schwarte) genannt wird, bleibt einfach stehen, und da er nicht auf gerichtlichen Beschluss abgerissen wird, wird er wahrscheinlich „durch sein eigenes Gewicht zusammenfallen“, weil er vor der salzhaltigen Meeresluft nicht ausreichend geschützt wurde.

Fernández meinte, dass die Stadtverwaltung einfach nicht das nötige Niveau habe, um mit internationalen Architekten zusammenzuarbeiten. Perrault und seine Kollegen haben überall auf der Welt Bauvorhaben durchgeführt, aber etwas Derartiges wie in Santa Cruz sei ihnen noch nirgends begegnet. Von Anfang an habe man mit den Daten und Plänen gearbeitet, die das Ayuntamiento zur Verfügung gestellt hatte. Dass die ganze Planung rechtlich nicht durchführbar ist, liege nicht im Verantwortungsbereich der Architekten. Es bleibe nur noch die Hoffnung, dass eine politische Lösung für das Desaster von Teresitas gefunden werde, denn letztendlich gehe es darum, einen „würdigen Strand für die Bürger“ zu schaffen. „Alles andere sind sinnlose Gefechte“, meinte Fernández.

Außerdem stehen noch Zahlungen aus, die den Architekten zustünden. Diese haben 17% des Projektes ausgeführt, eingeschlossen das „Mamotreto“. Ohne den Baustopp wäre das Gebäude in sechs Monaten fertig gewesen. Obwohl anfangs die Stadtverwaltung pünktlich bezahlt habe, seien nun Zahlungen überfällig. Genaue Summen wollte Fernández allerdings nicht mitteilen – noch nicht.




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