Barranco geschlossen


Nach tödlichem Unfall ist die Zukunft ungewiss

Zwei Wochen nach dem schrecklichen Unglück im Barranco del Infierno, bei dem eine deutsche Urlauberin ums Leben kam, ist die Ursache für den Erdrutsch bzw. Steinschlag noch immer unklar. Zwar werde davon ausgegangen, dass die Regenfälle der Tage zuvor eine Rolle spielten, doch es könne auch noch andere Einflüsse gegeben haben, verlautete aus dem Cabildo.

Am 26. Oktober wurde eine 62-jährige deutsche Urlauberin, die in Begleitung von Freunden durch die Schlucht wanderte, von einem herabfallenden Steinbrocken tödlich verletzt. Der Erdrutsch ereignete sich am Ende der Schlucht an der linken Flanke. Drei weitere Wanderer erlitten nur leichte Verletzungen (das Wochenblatt berichtete). Seither ist der Barranco für Besucher gesperrt.

Teneriffas Cabildo-Präsident Carlos Alonso äußerte sich bestürzt über den Vorfall und sprach den Angehörigen der Verunglückten sein Beileid aus. Das Cabildo stehe ihnen für jede Hilfe zur Verfügung, erklärte er. Gleichzeitig rief er zu „Besonnenheit“ in diesem Fall auf und teilte mit, dass die Schlucht vorerst und für unbestimmte Zeit für Besucher geschlossen bleiben wird. Erst wenn eine umfassende Untersuchung der Ursachen erfolgt sei und die Sicherheitsverhältnisse verantwortet werden könnten, werde eine Wiedereröffnung erfolgen. 

Am Unglückstag wurde die Schlucht inspiziert 

Der Leiter des Umweltressorts des Cabildos, José Antonio Valbuena, versicherte seinerseits, dass der Barranco am Montag, dem 26. Oktober erst nach der vorschriftsmäßigen täglichen Inspizierung des Geländes für Besucher geöffnet wurde. Es hätte keinen Grund gegeben, die Schlucht an diesem Tag nicht zu öffnen, versicherte er. Die Tage zuvor war die Schlucht allerdings wegen der Wetterverhältnisse geschlossen geblieben. „Wir werden erst wieder öffnen, wenn wir gewährleisten können, dass die Sicherheitsbedingungen ein Risiko weitestgehend eingrenzen“, erklärte Valbuena.

Die „Höllenschlucht“ Barranco del Infierno war erst im Mai dieses Jahres nach fast fünfjähriger Schließung wieder für Besucher geöffnet worden. Auch die Sperrung im Jahr 2010 war wegen eines tödlichen Unfalls erfolgt. Damals wurde ein deutscher Wanderer tödlich von einem herabfallenden Stein verletzt. Seit der Wiedereröffnung im Frühling 2015 galt eine Helmpflicht.

Besucher der Website barrancodelinfierno.es erhalten dort nun die Auskunft: „Wir bedauern zutiefst den Unfall vom 26/10/15. Der Barranco del Infierno bleibt vorübergehend geschlossen.“

Jahrzehntelang war die Schlucht eine der meistbesuchten natürlichen Sehenswürdigkeiten der Insel.

Die Wanderung beginnt auf einer Höhe von 350 m. ü. M. und schlängelt sich bergauf immer tiefer in die Schlucht hinein. Auf dem Weg zum Ziel – dem Wasserfall am Ende des Barrancos – durchläuft man ganz unterschiedliche Vegetationszonen. Während man in die Schlucht vordringt und der Weg ansteigt, verändert sich auch die Temperatur. In den tiefer gelegenen Gebieten finden sich typische Gewächse wie Kanaren-Wolfsmilch und andere Wolfsmilchgewächse, in den etwas höher gelegenen Gebieten wachsen wilder Jasmin, Atlantische Pistazien, Drachenbäume und Palmengewächse. Weiter oben dominieren die Kanarischen Kiefern die Landschaft, in der sich auch Ginsterbüsche finden.

Zahlreiche Vogelarten haben die Schlucht zu ihrer Heimat erkoren, darunter Greifvögel wie Turmfalken und Sperber, aber auch die Waldohreule gehört zu den Bewohnern des Barrancos und trägt zum Naturerlebnis bei. 

Die Wiedereröffnung der Schlucht war von Wanderern lange herbeigesehnt worden, und auch für die Restaurants und Bars in der Nähe, für die die Ausgaben der Besucher eine wichtige Einnahmequelle sind, ist die erneute Schließung auf unbestimmte Zeit eine außerordentlich schlechte Nachricht. 




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