Bahnstrecke im Norden – noch ein Albtraum für viele Anwohner


© Ayto Orotava

Santa Ursula, La Victoria und La Matanza haben öffentlich die vom Cabildo und der Bahngesellschaft vorgelegten Pläne abgelehnt

Die Veröffentlichung des neuen Gebietsplans für den Bau der Zug­stre­cke in den Norden Teneriffas hat für große Aufregung in weiten Teilen der Bevölkerung der betrof­fenen Gemeinden gesorgt. Auch wenn es sich noch um einen ersten Entwurf handelt, erregt die Zahl der im Zuge des Plans vorge­sehenen Grundstücks­ent­eig­nungen und voraus­sichtlichen Häuser­abrisse die Gemüter.

So zum Beispiel in Santa Ursula, wo viele Hausbesitzer um ihr Eigentum fürchten, weil die zukünftige Zugstrecke durch heute bebaute Gebiete am Rande der Nordautobahn führen soll. Wie eine Bombe schlugen die Pläne in der Gemeinde ein, und obwohl die Bahngesellschaft Metropolitano de Tenerife sogleich eiligst versicherte, dass diese Planung modifiziert werde, um die Zahl der berührten Häuser zu reduzieren, haben sich die Betroffenen nicht wirklich davon überzeugen lassen. Sie bleiben wachsam und trauen den Versprechungen nicht. Die Zusage wollen sie auch lieber schriftlich, denn es steht zu viel auf dem Spiel. Sie wollen neue Pläne, in denen ihre Häuser nicht einer Eisenbahnstrecke weichen müssen.

Zur Glättung der Wogen rief Carlos Alonso, Leiter des Wirtschaftsressorts der Inselverwaltung und Mitglied der Chefetage von Metropolitano, zur Besonnenheit auf und stellte klar, dass noch kaum etwas an den Plänen definitiv ist. Der Entwurf sehe verschiedene Alternativlösungen in vielen Bereichen vor, und weder der Streckenverlauf noch die Haltestellenplanung sei endgültig, beschwichtigte er. Allerdings wies er die Möglichkeit zurück, einen noch größeren Streckenabschnitt unterirdisch verlaufen zu lassen, um weniger Wohngebiete zu berühren. „Etwa 50 % der Strecke führen sowieso schon unterirdisch durch Tunnel, weshalb es nicht möglich ist, weitere Abschnitte unter der Erde zu verlegen. Wir können keine U-Bahn bauen“, so Alonso.

Es gibt Alternativen

Immerhin wurde der im Stadtkern von Santa Ursula vorgesehene Bahnhof bereits verworfen, und Metropolitano de Tenerife plant als Alternative  einen Bahnhof auf der Höhe von La Quinta. Der Streckenverlauf soll also auf der Höhe von Santa Ursula geändert werden. „Warum denn nicht gleich so?“ könnte man sich nun fragen. Trotzdem, unterstreicht Alonso, sei noch nicht entschieden, ob der Bahnhof nun tatsächlich bei La Quinta, in La Victoria oder gar in La Matanza eingeplant wird. Die Gemeinden Santa Ursula, La Victoria und La Matanza sind sich sowohl darüber einig, dass sie eine Bahnstrecke im Norden befürworten, als auch darüber, dass sie den Streckenverlauf, so wie er in der derzeitigen Plänen eingezeichnet ist, ablehnen.

Aber nicht nur in Santa Ursula, La Victoria und La Matanza lehnen sich die Bürger gegen die Pläne von Metropolitano auf. Auch entlang des Streckenabschnitts, der durch La Laguna führt, sind viele Häuser gefährdet. Auf der Höhe des Nordflughafens bei Los Rodeos sollen nach Auskunft des Einwohnerverbands bis zu 100 Häuser der Eisenbahnlinie zum Opfer fallen. La Lagunas Bürgermeister Fernando Clavijo hat sich nun eingeschaltet und den Bürgern versprochen, sich dafür einzusetzen, dass so wenige Grundstücke bzw. Häuser wie möglich betroffen werden.

Der Avance del Plan Territorial Especial del Tren del Norte, zu Deutsch etwa „Entwurf des neuen Gebietsplans für den Bau der Eisenbahnstrecke im Norden“, wurde am 31. Dezember auf der Webseite der Inselverwaltung veröffentlicht und kann dort eingesehen werden (www.tenerife.es/planes). Die erste Phase für Einsprüche läuft bis zum 7. März 2010.

Die vom Cabildo von Teneriffa gemeinsam mit Metropolitano geplante Zugstrecke im Norden Teneriffas soll die Städte Santa Cruz und La Laguna über den Nordflughafen mit dem Orotavatal verbinden. Die Endstation wird voraussichtlich in Los Realejos sein. In den ehrgeizigen Plänen des Cabildos ist zwar die Rede von einer Fertigstellung der Zugstrecke bis zum Jahr 2017. Die Finanzierungsfrage und die zu erwartenden Schwierigkeiten für die endgültige Genehmigung der Baupläne, ganz zu schweigen von der Umsetzung des enormen Bauprojektes – man bedenke nur die Ankündigung, dass die Hälfte der Strecke durch Tunnel führen wird – stellt diese Zeitplanung in Frage. Die Planer rechnen mit sechs Millionen Fahrgästen im Jahr.




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