Aymara-Indios bauen im Pyramidenpark Güímar Schilfboote nach


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Die Nachbildungen des Floßes Kon-Tiki, des Papyrusbootes RA II und des Schilfbootes Tigris wurden beim Delta-Sturm im November 2005 zerstört

Im Pyramidenpark in Güímar sind Anfang Februar zwei besondere Handwerker eingetroffen. Vom Titicacasee in Bolivien reisten die Eingeborenen des Aymara-Volkes an, um Neuanfertigungen der Nachbildungen der historischen Schilfboote herzustellen, die bei dem Tropensturm Delta im November 2005 zerstört worden waren.

Die heftigen Sturmböen hatten die Zelte, unter denen sich die Boote befanden, zerfetzt und weggerissen. Nachdem nun neue Zelte aufgebaut wurden und eine Natursteinmauer in Zukunft für mehr Schutz sorgen soll, werden die südamerikanischen Schilfbootbauer in den nächsten Wochen neue Nachbildungen des Floßes Kon-Tiki, des Papyrusbootes Ra II und des Schilfbootes Tigris anfertigen, berichtete Alicia Barroso von der Direktion des Pyramidenparks. Während ihres Teneriffaaufenthaltes werden die Aymara auch diverse Reparaturen an der RA II Replik in Originalgröße durchführen, die im Pyramidenpark zu bewundern ist.

Hierfür haben sie in ihrer Heimat eigenhändig Totora-Schilf geschnitten, das schon vor Wochen nach Teneriffa geschickt wurde.

Der Titicacasee wird übrigens heute noch von diesen Schilfbooten der Indios befahren, und die Aymara sind Experten im Bau dieser primitiven aber durchaus seetüchtigen Wasserfahrzeuge. Wer dieser Tage den Pyramidenpark in Güímar besucht, kann den bolivianischen Schiffsbauern bei der Arbeit zusehen.

Die Expeditionen des Seefahrers

Thor Heyerdahl

Geboren in Larvik/Norwegen (1914) zählt Thor Heyerdahl zu den großen Forschern des 20. Jahrhunderts. Als Gründer der Theorie über die Abstammung der ersten Einwohner Polynesiens von den südamerikanischen Indios und nach seiner Expedition zu den Marquesas-Inseln (Polynesien) erlangte er Weltruhm. 1947 segelte Heyerdahl auf dem Floß Kon-Tiki von Peru nach Polynesien. Die 8.000 Kilometer lange Fahrt dauerte 101 Tage. Damit bewies der begeisterte Forscher, dass die präinkaischen Indios an der Küste Südamerikas die ersten Menschen gewesen sein können, die diese Inseln des östlichen Pazifiks mit ihren primitiven Wasserfahrzeugen erreicht und besiedelt hatten.

1970 segelte Heyerdahl von Marokko aus in Richtung Westen, und nach einem zweiten Versuch gelang es ihm, mit dem Papyrusboot Ra II nach 57 Tagen auf dem Meer die Insel Barbados in Amerika zu erreichen. Mit seinen Expeditionen bewies Heyerdahl erneut, dass es möglich war, sowohl den Atlantik als auch den Pazifik zur Zeit der ältesten bekannten Wasserfahrzeuge zu überqueren. Später, 1977, ging er in den Irak, um eine Nachbildung eines alten sumerischen Wasserfahrzeuges zu bauen. Mit zehn Männern aus verschiedenen Ländern unterschiedlicher politischer und religiöser Richtungen segelte er auf der Tigris den gleichnamigen Fluss entlang auf den Persischen Golf und Pakistan zu. Anschließend überquerte er den Indischen Ozean und kam in Djibouti in Afrika bei der Mündung des Roten Meeres an. Ziel dieser Expedition war es zu beweisen, dass die Gründer der Zivilisation in Mesopotamien, im Indus Tal und im Nil-Tal, bereits in prähistorischen Zeiten Seeverbindungen gehabt haben können.

Die Boote, mit denen Thor Heyerdahl seine abenteuerlichen Expeditionen unternahm, wurden Ende der 90er Jahre im von ihm zusammen mit Fred.Olsen gegründeten Pyramidenpark nachgebildet.

Im Museum für Völkerkunde des Pyramidenparks Güímar erfährt der Besucher mehr über die Expeditionen des berühmten norwegischen Forschers. Hauptattraktion des Museums sind allerdings die Stufenpyramiden, über deren Alter und Entstehung es verschiedene Theorien gibt.

Thor Heyerdahl erfuhr von den Pyramiden Teneriffas Anfang der 90er Jahre und war fasziniert von der Ähnlichkeit mit den Pyramiden Südamerikas und mit Stufenpyramiden des alten Ägypten. Heyerdahl ließ sich auf Teneriffa nieder, um sich der eingehenden Studie der hiesigen Pyramiden zu widmen. Finanziell unterstützt durch die norwegische Reederei Fred.Olsen (Gründer Fred Olsen war ein Jugendfreund von Heyerdahl) startete er Pläne für ein Museum rund um den Pyramidenpark, das 1997 eröffnet wurde. Heute ist dieses Völkerkundemuseum ein schönes und interessantes Ausflugsziel, das jedes Jahr von vielen Menschen besucht wird.




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