Avantgardistisches Motiv für La Orotavas Sandteppich


© Ayto. La Orotava

Auf dem Rathausplatz haben die Künstler mit der Anfertigung des riesigen Lavasandbildes begonnen

In La Orotava laufen bereits wieder die Vorbereitungen für die „Fiestas del Corpus Cristi“, das Fronleichnamsfest. Auf dem Rathausplatz haben die Künstler, die „Alfombristas“, mit der Anfertigung des knapp 1.000 qm großen Lavasandbildes begonnen, das bis zum 22. Juni fertig sein muss.

Der Lavasand in den verschiedensten Farbtönen die die Natur hervorbringt, wird aus der Vulkanlandschaft der Cañadas del Teide herangeschafft – ein Privileg, das nur La Orotava genießt. Etwa 2,5 Tonnen Lavakörner werden benötigt. An dem vergänglichen Kunstwerk, das nur kurze Zeit vollständig zu bewundern ist, arbeiten über zwanzig Teppichkünstler, jeder davon hat seinen eigenen Arbeitsbereich. Der große Lavateppich wird erst unmittelbar vor der Fronleichnamsprozession am 22. Juni fertig, die dann über das Kunstwerk hinwegzieht und es zerstört.

Ende April wurde im Rathaus das avantgardistische Motiv des diesjährigen Sandbildes vorgestellt, das mit Sicherheit in die Geschichte eingehen wird. Bestimmt wird das gewagte Motiv nicht alle  begeistern, da es nicht nur durch seine moderne Gestaltung der Formen hervorsticht. Domingo González Expósito, Leiter der städtischen Kunstschule, schuf das aus Kreisen zusammengesetzte Bild, in dem der Kampf zwischen Gut und Böse interpretiert wird. Die sieben Todsünden, dargestellt durch Fragmente der Werke so berühmter Künstler wie Michelangelo, Tiziano oder Murillo stehen im krassen Gegensatz zu den Tugenden.

In miteinander verbundenen Kreisen stehen sich Hochmut und Bescheidenheit, Habsucht und Großzügigkeit, Fleischeslust und Keuschheit, Zorn und Geduld, Völlerei und Enthaltsamkeit, Neid und Barmherzigkeit, Faulheit und Fleiß gegenüber. In drei besonders großen Kreisen werden die Heilige Jungfrau Maria, der Sohn Gottes und Gott Vater dargestellt, die sich ebenso wie die Tugenden und Todsünden mit ihren Gegensätzen, der Schlange, dem Teufel und dem Goldenen Kalb gegenüber sehen.

Künstler anderer Religionen

Am diesjährigen Sandteppich werden erstmals auch Künstler anderer Religionen mitwirken. Navajo-Indianer aus den USA und tibetische Mönche werden in das Werk mit rein christlichem Hintergrund einige Elemente ihrer Kultur einfließen lassen. Für die Alfombristas aus La Orotava wird es ein besonderes Erlebnis sein, „Kollegen“ aus anderen Ecken der Welt an ihrem Kunstwerk mitwirken zu lassen und ihre Arbeitsweise kennenzulernen. Die Künstler werden ihr Arbeitsmaterial, also den Sand, aus ihrer Heimat mitbringen. So wird das Mandala der tibetischen Mönche aus Sand aus dem Himalaya angefertigt  und die Navajos werden ihr Sandbild mit Flusssand aus Arizona gestalten.

„Das besondere Motiv dieses Jahres wird mehr Arbeitsstunden in Anspruch nehmen und die Künstler stärker fordern, als das traditionelle Triptychon vergangener Jahre“, erklärte Domingo González Expósito. Und Bürgermeister Isaac Valencia lobte den avantgardistischen Entwurf mit den Worten: „Die Leute werden bestimmt darüber reden, doch sie werden den künstlerischen Fortschritt begreifen“.




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