Ausschreitungen beim Besuch des Ministers


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Im Vorfeld der Wiedereröffnung der Kathedrale von La Laguna nach ihrer Restaurierung, zu der Spaniens Bildungs- und Kultusminister José Ignacio Wert erwartet wurde, hatten die Jungen Sozialisten, Gewerkschaften und Studentenvertretungen zu einem Protestmarsch gegen den Minister und seine umstrittene Politik aufgerufen.

Die rund 3.000 Demonstranten, welche die Abnahme der Kathedrale durch den unbeliebten Bildungsminister als Affront betrachteten, wollten ursprünglich von der Plaza del Adelantado zur Plaza de La Concepción ziehen, doch endete der Marsch bereits an der abgesperrten Kathedrale, in deren Inneren gerade die Abnahme stattfand. Diverse Protestler warfen die Absperrungen um und trafen dabei einige der über 180 herbeibeorderten Einsatzkräfte. Gegenstände flogen durch die Luft in Richtung der Beamten. Die Polizisten drängten die Demonstranten zurück, teilweise mit Hilfe von Schlagstöcken.

Später hieß es, die Einsatzkräfte wären übertrieben hart gegen die Protestler vorgegangen, was ein Augenzeuge gegenüber dem Wochenblatt abstritt. Die Polizisten hätten vollkommen im Rahmen gehandelt, mit dem Ziel, die Kontrolle über die Situation zu behalten und eine Eskalation zu verhindern.

Zwei Stunden nach dem Beginn des Protestmarsches löste sich die Demonstration langsam auf. Medienberichten zufolge gab es vier Festnahmen und auf beiden Seiten einige Verletzte.

Warum keiner den Minister mag

Neben den erheblichen Kürzungen im Bildungswesen, die zur Streichung von Studienplätzen und Senkung der Stipendien geführt haben, ist der ungeliebte Minister auch verantwortlich für die Bildungsreform, die in Kürze per Gesetz, der sogenannten LOMCE, beschlossen werden soll. Dabei geht es um die Einführung einer Abschlussprüfung nach jedem Bildungsabschnitt, die Auswahl einer berufsausgerichteten Fächerkombination im Alter von 14 Jahren. Ebenso die praktische Abschaffung des Mitbestimmungsrechts von Eltern, Lehrern und Schülern und die Stärkung von Spanisch, Mathematik und Geschichte. Auch die Abschaffung der staatlichen Pflicht zur Reservierung eines Schulplatzes für jedes Kind und die Aufwertung des Faches Religion, welches nun wieder versetzungsrelevant werden soll, sowie die Abschaffung des Faches Bürgerkunde, gehen auf sein Konto.

Zuletzt setzte sich Wert mit den reformkritischsten Regionen – darunter die Kanaren – an einen Tisch. Aufgrund des harten Widerstandes – u.a. halten es die Regionen für unmöglich, bis zum Herbst komplett alle Lehrpläne zu ändern und sämtliche Bücher neu auszuwählen – hat Wert widerwillig eingewilligt, diese Pflicht zumindest erst einmal nur den Grundschulen aufzubürden.




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