Auf dem Kreuzweg quer durch Europa


© Daniel Schwenderer

Auf Teneriffa schöpft Benedikt Pancur neue Kraft für seinen weiteren Weg

Er wünscht sich, dass ein Dach über dem Kopf zu haben in der EU zu einem Menschenrecht erklärt wird. Der Kampf für die Menschenrechte und seine Rechte als Europäer und sein unerschütterlicher Glaube an Gott treiben Benedikt Pancur an. Der drahtige, kleine Mann mit den freundlichen Augen strahlt Lebensfreude aus, als er in der Wochenblatt-Redaktion erscheint und uns seine Geschichte erzählt.

Der 63 Jahre alte Slowene und ehemaliger Publizist ist seit Jahren heimatlos. Bis vor vier Jahren lebte er in Slowenien und hatte dort eine Familie und ein Firma mit fünf Mitarbeitern. Als freier Publizist schrieb er kritisch über die politische Lage in seinem Land, was ihm zum Verhängnis wurde. „Sie haben mir alles genommen, meinen Beruf, meine Unterlagen, meine Heimat.“ Nachdem er alles verloren hatte, fiel an der Belastung auch seine Familie auseinander. Seine Frau trennte sich von ihm, sein Sohn studiert heute in Wien. Benedikt Pancur will mit seiner erstaunlichen Reise durch Europa die europäischen Institutionen auf sich aufmerksam machen und erreichen, dass sein Heimatland den ihm zugefügten Schaden – zumindest den finanziellen – wieder gut macht. Mit dieser Absicht wanderte Pancur quer durch Europa und schaffte es bis nach Brüssel, wo er tatsächlich sein Anliegen beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte vortragen durfte. Dass er dies nicht aus eigener Kraft sondern dank Gottes Hilfe geschafft hat, ist für Benedikt Pancur selbstverständlich. So führte sein Weg nach Brüssel auch direkt nach Rom. Mit seinem 12 kg schweren Holzkreuz auf der Schulter, praktisch ohne Geld, legte er mehrere Dutzend Kilometer am Tag zurück. Er lebt von dem, was ihm die Leute auf dem Weg geben, mal ein paar Euro für eine Jugendherberge, mal eine Flasche Wasser oder etwas zu essen.

„Allen Menschen ist der Glaube an Gott ins Herz gesät. Es lügen jene, die da sagen, dass sie nicht an die Existenz Gottes glauben; denn in der Nacht und wenn sie alleine sind, zweifeln sie.“ Mit diesem Zitat des römischen Dich-ters und Philosophen Seneca im Sinn war Pancur durch Europa unterwegs, lief zu Fuß quer durch sieben Staaten von Brüssel nach Rom. „Die positiven Menschen sind mir nachgelaufen und haben mir ihre Herzen geöffnet. So viele schöne Erlebnisse wie auf diesem Weg habe ich vorher in meinem ganzen Leben nicht erlebt“, schwärmt er. Jeder neue Tag und jede Begegnung mit Menschen ist ein Geschenk für ihn.

Im Sommer 2007 erreichte er Rom. „Am 27. Juni um 10.30 Uhr wurde ich in einer Audienz vom Heiligen Vater Benedikt XVI im Petersdom empfangen, unter Nummer 08756. Mein Kreuz durfte aus Sicherheitsgründen nicht mit und wurde unter Nummer 55 in der Garderobe aufbewahrt“, berichtet er. Pancur schwärmt von Rom: „Rom ist, wie man sagt eine ewige Stadt und man hat viel zu sehen. Damals war es sehr heiß, so das der Heilige Vater die persönlichen Audienzen abgesagt hat. Da kommen die Gläubigen aus aller Welt. Da hörte man alle Sprachen der Welt. Ich hab’ auch Radio Vatikan besucht, und auch für Deutschsprechende einen Gruß bestellt.“

Auf Teneriffa habe er vor dieser Reise Kraft und positive Energie geschöpft, und dies sei auch der Grund seiner Wiederkehr auf die Insel. Hier hat der bescheidene Mann Gastfreundschaft erfahren. Er hat ein Quartier im Süden der Insel bekommen, in einer Urbanisation, in der viele Deutsche wohnen, die ihn mit offenen Armen empfangen haben. Pancur: „Ich habe viele neue Freunde gefunden.“ Auf Teneriffa hat er Anfang Januar seinen Marathonmarsch fortgesetzt: Von Garachico über den Teide-Nationalpark nach Candelaria. Vielleicht ist der eine oder andere Leser dem Wanderer auf dem Kreuzweg tatsächlich dieser Tage begegnet.

Nach seinem Zwischenstopp auf den Kanaren will Pancur erneut nach Straßburg reisen, um dort für die Menschenrechte einzutreten. Dass Slowenien die EU-Ratspräsidentschaft übernommen hat, kommt Benedikt Pancurs Sache entgegen, denn so ist die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf das kleine Land gerichtet. „In Slowenien werden EU-Abkommen einfach ignoriert. Ich wurde gerichtlich mitten im tiefen Winter auf die Straße geworfen“. Benedikt Pancur wird weiter unermüdlich für seine Rechte als Mensch, als Europäer kämpfen.

Über seine selbstauferlegte Aufgabe und seine Erfahrungen auf dem Weg möchte Benedikt Pancur in einem Buch berichten. Wie er selbst zugibt, ist er ein Mann der Gefühle und weniger ein Mann der Worte, weshalb ihm das Niederschreiben seiner Gedanken und Erlebnisse nicht allzu leicht fällt. Deswegen sucht er jemanden, der ihm hilft ein Manuskript zu verfassen. Ebenso ist er auf der Suche nach einem Sponsor für sein Buch.

Unter der E-Mail-Adresse BendiktII@gmail.com ist Bendikt Pancur zu erreichen.




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