Ashotel-Präsident Marichal: „Der Frühling ist vorüber“


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Tourismusgewerbe sorgt sich angesichts der Anhebung von IGIC und Flughafengebühren und der Kürzung des Etats um die Zukunft

Der Hotelverband der Provinz Teneriffa, Ashotel, hat über seinen Vorsitzenden seine Sorge um die Zukunft des Sektors zum Ausdruck gebracht.

In einem Artikel in der Lokalpresse äußerte Jorge Marichal Bedenken an der von der kanarischen Regierung getroffenen Entscheidung, die Inselmehrwertsteuer IGIC von fünf auf sieben Prozent zu erhöhen. Immer wieder habe man bezüglich des Einflusses des Tourismussektors auf die Wirtschaft und den Wohlstand der Inseln den Ausdruck gehört: „Wenn es dem Tourismus gut geht, dann geht es uns allen gut“. Durch Maßnahmen wie die Erhöhung des IGIC werde die Branche jedoch bestraft. Er frage sich, ob die Regierung nicht sieht oder einfach nicht sehen wolle, dass die Verträge mit Reiseveranstaltern ein Jahr im Voraus abgeschlossen werden, wodurch die Steigerung des IGIC erst ab dem Sommer 2013 an die Kunden weitergegeben werden könne. Diese Aussichten machen bei vielen Hoteliers Renovierungs- und Sanierungspläne zunichte, die angesichts des positiven Frühlingsergebnisses in Angriff genommen worden waren. Auch im Personalbereich werde die IGIC-Erhöhung Folgen haben, meint Marichal.

Doch die Erhöhung des IGIC ist nicht die einzige Sorge der Hoteliers. Sämtliche in den letzten Wochen und Monaten beschlossenen Maßnahmen bereiten der Branche Kopfzerbrechen. Das Hotelgewerbe sei entmutigt durch die immer neuen Schwierigkeiten in Form von Verordnungen, Gesetzen oder Änderungen der Haushaltsposten, erklärt der Ashotel-Präsident.

Ein weiteres brenzliges Thema sind die Flughafengebühren. Die Entscheidung der Regierung, die Vergünstigung der Flughafengebühren aufzuheben, ist nach Ansicht von Ashotel ein großer Fehler. „Es wurde argumentiert, dass die Touristen weiterhin kommen würden, weil sie wegen der Unsicherheit in Nordafrika keine Alternativen hätten. Die ersten statistischen Ergebnisse haben bereits ergeben, dass diese Annahme ein Irrtum war“, bedauert Jorge Marichal weiter und erinnerte daran, dass die staatlichen Flughafenbehörde AENA 2010 durch die kanarischen Flughäfen Nettoeinnahmen in Höhe von über 83 Millionen Euro entstanden, die unter anderem zur Finanzierung unrentabler Flughäfen auf dem spanischen Festland eingesetzt wurden, wo in einer Entfernung von weniger als 100 Kilometern alternative Flughäfen sowie gute Zuganbindungen bestehen. Für äußerst fraglich halte er auch die Entscheidung der Ministerin für Bau und Verkehr, 2,5 Milliarden Euro für den Schnellzug AVE in Galicien zu genehmigen, während es noch immer keine Alternative für den verlorengegangenen Anreiz durch die gesenkten Flughafengebühren gibt. Und damit nicht genug. Der Haushaltsposten für die Renovierung touristischer Gebiete habe sich wie durch Hexerei in Luft aufgelöst, obwohl sein Fortbestand zunächst garantiert worden war. Dadurch müsse sich die Tourismusbranche von vielen – teilweise bereits in der Ausführung befindlichen – Projekten verabschieden. An anderen Stellen werde dafür das Geld verschwendet; Beispiele seien die Hotelfachschulenkette HECANSA und die kanarische Polizei.

Mehr deutsche Urlauber

In einem Radiointerview am 14. Mai konnten die Prognosen von Jorge Marichal kaum als aufmunternd für die Branche bezeichnet werden. „Der Sommer sieht sonderbar aus“, sagte er den Reportern von Teide Radio-Onda Cero. Urlauber vom spanischen Festland gebe es jetzt kaum und man erwarte auch im Sommer nicht mehr, der britische Markt sei durch die Rezession betroffen, und auch die Olympischen Sommerspiele in London und die Fußball-Europameisterschaft werden Einfluss auf die Reisetrends der Engländer haben. Vom deutschen Tourismus erwarte man sich im Sommer dafür ein Plus von immerhin zwischen zwei und drei Prozent. Negativ werde sich die kurzfristige Verteuerung der Flugtickets auswirken, und es müsse mit weiteren Preissteigerungen gerechnet werden.

Der Touristiksektor der Inseln befindet sich durch die Erhöhung der Flughafengebühren, den Verlust an Flugverbindungen durch das Aus von Spanair und die Erhöhung der Mehrwertsteuer IGIC in einer schlechten Lage. Allein die Erhöhung des IGIC bedeute für die Branche Verluste in Höhe von 120 Millionen Euro, schätzt Marichal.

Von dem für den 21. Mai angesetzten Gesprächstermin mit Regionalpräsident Paulino Rivero erhoffen sich die Hotelverbände beider Inseln ein offenes Ohr des Regierungschefs. Ihre Bitte lautet, die Erhöhung des IGIC von Juli 2012 auf Januar 2013 zu verschieben. Bislang hat die Regierung dies abgelehnt.




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