Architektur made in Canarias im MoMA


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Das Museum of Modern Art in New York stellt das Projekt der Kirche in Las Chumberas von Fernando Menis aus

Wo man es am wenigsten vermutet, verbirgt sich auf Teneriffa ein architektonisches Meisterwerk, das nun international Anerkennung gefunden hat. Die von Architekt Fernando Menis und seinem Team entworfene Kirche „Iglesia del Santísimo Redentor“ hebt sich von den umliegenden Bauten in La Lagunas Wohnviertel Las Chumberas nahe dem Einkaufszentrum AlCampo deutlich ab.

Dennoch: Wer sich dorthin begibt und nach einer Kirche im traditionellen Sinn mit Glockenturm Ausschau hält, wird sein Ziel vermutlich verfehlen. So leicht gibt sich das Bauwerk nicht als Gotteshaus zu erkennen. Vier Betonblöcke bilden die Kirche des Heiligen Erlösers, die so gar nicht zum Konservativismus der katholischen Kirche zu passen scheint. Einen Kirchturm sucht man vergeblich.

Dieses besondere architektonische Werk ist neuerdings Teil der permanenten Architekturausstellung des Museums of Modern Art (MoMA) in New York. Barry Bergdoll, Leiter und Kurator der Architekturabteilung des MoMA sowie Professor für Kunstgeschichte an der Columbia University, lobte die Fähigkeit von Fernando Menis, über die Führung des Lichts, der Formen und des Raums dem Bauwerk eine enorme Spiritualität zu geben, was für eine kleine Pfarrkirche am Rande des Wachstumsgebiets der Stadt und umgeben von konventionellen Wohnhäusern besonders erstaunlich sei. Außerdem erinnere das Innere der Kirche an die Entstehung der Kanarischen Inseln durch Vulkanausbrüche, was ein gutes Beispiel für Fernando Menis’ Talent sei, die Landschaft, die das Objekt umgibt, zu interpretieren.

Die Entscheidung, dieses Werk von Fernando Menis in die Architekturausstellung des MoMA aufzunehmen, wurde am 11. Februar getroffen, und seither können Museumsbesucher Originalentwürfe und Modelle der „Iglesia del Santísimo Redentor“ bewundern.

Die Kunst, die Stille zu formen

Bei dem Entwurf der Kirche in Las Chumberas legte Fernando Menis großen Wert darauf, dass dieser Ort zum Nachdenken, zur inneren Einkehr einlädt. Die vier Betonblöcke, die das Gebäude bilden, sollen in ihrer Nüchternheit einen Ort der Stille bilden. Das Baumaterial Beton dient der Optimierung der Energieeffizienz und wurde auch wegen der Akustik ausgewählt. Besonders beeindruckend ist das Lichtspiel im Inneren des Gotteshauses. Am Morgen fällt das Licht durch das Kreuz hinter dem Altar ein und beleuchtet so zu Tagesbeginn den Taufstein. Gegen Mittag beleuchten die einfallenden Sonnenstrahlen dann den Altar und wandern weiter zum Beichtstuhl. Auch die übrigen Fensterelemente sind so ausgerichtet, dass dieser Beleuchtungseffekt die Sakramente der Ehe, der Krankensalbung und der Priesterweihe hervorhebt. All diese Elemente zeigen die klaren theologischen Wurzeln dieses Gebäudes auf.  

Fernando Menis ist auf den Kanarischen Inseln längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Auch international hat er sich mit verschiedenen Projekten in der Branche einen Namen gemacht. Mit seinen avantgardistischen Plänen für ein in den Fels und die Landschaft oberhalb der Traumstrände im Süden Fuerteventuras eingefügtes neues Auditorium von Morro Jable nahm er an einer internationalen Wanderausstellung ausgewählter Architekturprojekte Spaniens teil.

Geboren 1951 in Santa Cruz de Tenerife, ist Fernando Menis Architekt und Professor an der neuen Privatuni Universidad Europea de Canarias sowie Vorsitzender des Labors für Innovation in der Architektur, Design und Tourismus auf Teneriffa. Über das Werk von Fernando Menis sagt Berry Bergdoll: „In den letzten drei Jahrzehnten hat Menis architektonische Werke von außerordentlicher Stärke, sowohl in Material als auch in Ausdruck geschaffen. Er ist in der Lage, das Elementarste zu einer überraschend reichen Erfahrung zu machen.“

Zu den bekanntesten von Fernando Menis entworfenen Bauwerken auf den Kanarischen Inseln zählen der Regierungssitz in Santa Cruz de Tenerife und das Kongresszentrum Magma in Costa Adeje.

2004 machte er in Deutschland von sich reden, als das Freibad „Spreebrücke“ eröffnet wurde. An den Plänen für das Freizeitprojekt an der Spree wirkte Menis gemeinsam mit den ebenfalls kanarischen Architekten José María Rodríguez Pastrana und Felipe Artenego und der Berlinerin Susanne Lorenz mit. „Spreebrücke“ ist sozusagen ein schwimmendes Freibad, ein Badeschiff, das durch eine Brücke mit dem Ufer kommuniziert und die Verbundenheit von Stadt und Fluss symbolisiert.

Derzeit bewirbt sich Menis mit seinem Architekturbüro nun auch um das Projekt für den Ausbau des Hafens von Puerto de la Cruz.




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