Añaza lehnt sich auf


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Anwohner beklagen fehlendes Engagement der Stadt Santa Cruz

Den Stadtteil Añaza könnte man als die Bronx von Santa Cruz bezeichnen. In dem am Meer gelegenen Ort ist die Arbeitslosigkeit hoch und Ortskundige wissen schon lange, dass in den Straßen Unsicherheit herrscht.

Doch Añaza ist auch ein Wohnviertel, in dem viele Familien wohnen, denen es immer schlechter geht. Diese haben sich nun zusammengeschlossen und wollen am 29. Juni in einer Demo auf die Straße gehen. Wie Luis Celso, Vorsitzender eines Nachbarschaftsverbands, mitteilte, wollen die Einwohner von Añaza auf die schlimme Lage in ihrem Wohnviertel aufmerksam machen. Derartige Verhältnisse hätte es nicht einmal im Jahr 1936 [Beginn des Bürgerkriegs] gegeben, denn heute müssten viele Menschen in langen Schlangen für eine Tüte Lebensmittel anstehen, erklärte Celso. Mit der Kundgebung wolle man ein stärkeres Engagement der Stadtverwaltung für diesen Bereich von Santa Cruz erreichen, Arbeitsbeschaffung und Ausbildungsmöglichkeiten. Außerdem fordern die Bürger die Eröffnung des bereits fertiggestellten Gesundheitszentrums, um bei Notfällen nicht mehr bis in den Stadtteil Ofra fahren zu müssen. Auch verlangen die Einwohner Añazas Maßnahmen zur Verschönerung der Küste, „denn auch wir sind Zugang zum Meer in Santa Cruz“.

Die Demo wird am 29. Juni vom Einkaufszentrum Santa Cruz durch die Straßen von Añaza bis zum Nachbarschaftsverband 8 de Marzo führen. Luis Celso hofft, dass die neue Stadtverwaltung von Santa Cruz Verbesserungen für Añaza in Angriff nimmt, zeigte sich allerdings wenig zuversichtlich: „Zu Francos Zeiten wurde man festgenommen, wenn man den Mund aufmachte, heute spricht man und keiner hört zu.“

Der Ortsteil Añaza vor den Toren von Santa Cruz existiert seit knapp zwei Jahrzehnten. In vorwiegend Sozialwohnungsbauten leben hier etwa 15.000 Menschen, von denen viele an der Schwelle zur Armut und sozialen Ausgrenzung stehen. Vor wenigen Tagen war die Lebensmittelbank Bancoteide in Añaza im Einsatz und begann mit der Austeilung von 32.000 Kilo Lebensmitteln. Allein in den ersten beiden Tagen wurden Milch, Kekse, Kakao, Reis, Nudeln etc. an etwa 260 Familien verteilt, berichtete Belarmina Martínez von Bancoteide einer Lokalzeitung. Das Ausmaß des Elends habe sie erschüttert. Es sei zugegangen wie in der Bronx, gestand diese Sozialaktivistin, die Añaza seit den 80er Jahren kennt. Geschätzt anhand der Warteschlange vor der Lebensmittelausgabe müssten noch 600 weitere Familien versorgt werden.




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