Anaga – grüne Perle Teneriffas


© Moisés Pérez

Die UNESCO hat dem Anaga-Massiv den Biosphärenreservat-Status zuerkannt

Der Internationale Koordinierungsrat des UNESCO-Programms „Der Mensch und die Biosphäre“ hat am 9. Juni 2015 auf seiner 27. Tagung in Paris 20 neue Biosphärenreservate anerkannt. Darunter sind zwei Gebiete in Spanien: Die Iberica-Hochebene in Spanien/Portugal und das Anaga-Massiv auf Teneriffa.

Der 9. Juni wurde von den für die Kandidatur Anagas verantwortlichen Gemeinden Santa Cruz de Tenerife, La Laguna und Tegueste sowie dem Cabildo mit Spannung erwartet. Eigentlich stand der Ernennung nichts mehr im Wege, dennoch erfolgte ein allgemeines Aufatmen, als der Internationale Koordinierungsrat des MAB-Programms seine Entscheidung bekannt gab: Das Anagamassiv ist UNESCO-Biosphärenreservat.

Teneriffas Cabildo-Präsident Carlos Alonso, der zusammen mit der Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Rats des MAB-Programms, Marisa Tejedor, und einem Vertreter der Stadt La Laguna nach Paris gereist war und dort das Exposé Anaga vorstellte, erklärte: „Das Anaga-Massiv ist ein Ort unvergleichlicher Schönheit, ein Ort, an dem der Mensch und das Land im Respekt vor der Natur vereint sind“.

Die UNESCO schreibt über die Anerkennung des Anaga-Massivs:

„Im Nordosten der Insel Teneriffa liegt das Biosphärenreservat Anaga-Massiv. Das Gebiet weist eine hohe Vielfalt von Reptilien, Vögeln, Fischen und besonders bei wirbellosen Tieren mit 1.900 Arten auf. Geologisch ist das Massiv einer der ältesten Bereiche der vulkanischen Insel, einige der Felsen sind über sieben Millionen Jahre alt.

Insgesamt leben mehr als 22.000 Menschen in diesem Inselgebiet. Traditionell waren die wichtigsten Einnahmequellen Landwirtschaft, Viehzucht, insbesondere die Ziegenzucht, Forstwirtschaft und Fischerei. Mit der Entwicklung des Tourismus und der Schließung zahlreicher Schulen in den 1960er-Jahren zogen jedoch viele Inselbewohner vom Land in die Gegend um die Städte Santa Cruz und La Laguna. Die Gründung des Biosphärenreservats soll vor allem dazu beitragen, das kulturelle Erbe der Region zu fördern und den nachhaltigen Tourismus zu entwickeln.“

Teneriffa war bislang die einzige Kanareninsel, auf der die Sonderorganisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur noch kein Biosphärenreservat ausgewiesen hatte.

Die Liste der kanarischen UNESCO-Biosphärenreservate umfasst La Palma (Erklärung des Gebiets El Canal y Los Tiles im Jahr 1983, 2002 erweitert auf die gesamte Insel), Lanzarote (Erklärung 1993), El Hierro (seit 2000), Gran Canaria (Erklärung 2005, umfasst etwa ein Drittel der Inselfläche und beinhaltet Gebiete der Gemeinden San Bartolomé de Tirajana, Agaete, Mogán und einen kleinen Bereich von Vega de San Mateo, der innerhalb des Parque Rural de El Nublo liegt), Fuerteventura (Erklärung 2009), La Gomera (Erklärung 2012) und nun Macizo de Anaga auf Teneriffa (2015).

Mensch und Biosphäre

Im Mittelpunkt des Programms Mensch und Biosphäre (Man and Biosphere, MAB) der UNESCO steht die Frage „Wie können Mensch und Natur einträchtig zusammen leben?“ Die Antwort darauf findet man im Weltnetz der Biosphärenreservate, einem globalen Verbund von 651 international repräsentativen Modellregionen in 120 Ländern, die diesen UNESCO-Titel tragen. Diese Gebiete gelten als Vorbilder für das Zusammenspiel von Mensch und Natur.

Der Titel Biosphärenreservat verpflichtet zu einer nachhaltigen Entwicklung, bei der die Bewahrung der Tradition und der natürlichen Ressourcen im Vordergrund stehen.

Das Anaga-Massiv hat sich eine Ursprünglichkeit erhalten, die man sonst in weiten Teilen Teneriffas vergeblich sucht. 1994 wurde das Anaga-Massiv zum Landschaftspark erklärt. Höchster Berg ist der Cruz de Taborno mit 1.024 m. Auf dem Massiv, das durch Nebel und Regen die feuchteste Region der Insel ist, wächst der Lorbeerwald Las Mercedes.

Das Anaga-Massiv erstreckt sich über 48.727 Hektar, davon 15.489 an Land und 33.238 Küstengewässer. Durch die relative Abgeschiedenheit konnten über die Jahrhunderte traditionelle Rebsorten, Kartoffeln und andere Agrarprodukte erhalten bleiben.

Ein Qualitätssiegel, das Vorteile verschafft

„Ein Qualitätssiegel“, so beschrieb die Umweltdezernentin der Stadt Santa Cruz, Yuri Mas, den Titel Biosphärenreservat und zählte einige Vorteile auf, die die Ernennung mit sich bringt, wie die Möglichkeit, Gelder aus dem EU-Regionalfonds EFRE zu beantragen. Konkret könnten sich diese Investitionen dann in Verbesserungen des Kanalisationssystems, Verschönerungsmaßnahmen an der Küste oder den Bau von Kläranlagen zeigen. Durchaus positiv wertet Yuri Mas die Tatsache, dass durch jährliche Gutachten und Prüfungen über die Beibehaltung des Titels entschieden wird, denn auf diese Weise wird sichergestellt, dass die Entwicklungspläne in den Biosphärenreservaten auch wirklich umgesetzt werden. Im Rahmen des Aktionsplans für das Biosphärenreservat Anaga steht die Verbesserung der Lebensqualität der Bewohner der kleinen Ortschaften wie Carboneras, El Batán oder Chinamada an erster Stelle.




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