Amtsübernahme in den Rathäusern von Teneriffa


© M. Pérez

Das Ergebnis der Wahlen vom 24. Mai bringt auf Gemeindeebene für Teneriffa frischen Wind in viele der 31 Rathäuser der Insel. In anderen Gemeinden bleibt alles beim Alten.

 Im Norden Teneriffas können sich die Konservativen der Partido Popular (PP) über einen Machtgewinn – zu Lasten der kanarischen Nationalisten der Coalición Canaria (CC) – freuen und übernehmen die Führung in Gemeinden wie Puerto de la Cruz, La Victoria de Acentejo und La Guancha. Im Süden der Insel behalten die Sozialisten ihre Vormachtstellung. Sieben von zwölf Gemeinden werden von der PSOE regiert.

Die Koalitionsvorgabe von CC und PSOE auf Regional-, Insel- und Gemeindeebene wurde nicht in allen Gemeinden befolgt.

• Puerto de la Cruz – Für Überraschung sorgte die Einigung zwischen der PP und den Nationalisten von Coalición Canaria (CC) in Puerto de la Cruz, die im letzten Augenblick ein Bündnis schlossen und damit gegen die von oben angeordnete Bündnisvorgabe mit der meistgewählten Partei verstießen. Das Wahlergebnis hatte in Puerto de la Cruz der Partido Popular und den Sozialisten von der PSOE jeweils sieben Sitze im Stadtrat beschert. Ex-Bürgermeisterin Sandra Rodríguez erhielt mit ihrer Partei CC vier Sitze und hatte somit die Entscheidung zu treffen, wen sie unterstützt. Nach ausführlichen Koalitionsverhandlungen kam die Nachricht aus dem Rathaus, dass es zu einer PP-CC-Koalition kommen würde und PP-Kandidat Lope Afonso neuer Bürgermeister wird. Sandra Rodríguez musste ihre Entscheidung mit einer saftigen Rüge von der Parteispitze büßen, rechtfertigte jedoch die Missachtung der Anordnung von oben mit der Erklärung, dass die Kombination CC-PP bereits über gemeinsame Erfahrungen verfüge und auf derselben Linie wie bisher für Puerto de la Cruz weiterarbeiten wolle. Die Sozialisten hätten noch nicht verstanden, wie die Lage der Stadt ist und seien ihrer Meinung nach derzeit nicht fähig, zu regieren.

• La Victoria de Acentejo – Die wohl größte Überraschung gab es in La Victoria, wo die Sozialisten unerwartet PP-Bürgermeisterkandidat José Fermín Correa unterstützten und so das ungewöhnliche Bündnis PP-PSOE zustande kam. Dabei hatte die PP bei den Wahlen lediglich 2 Sitze im Stadtrat erzielt, während CC mit 6 Sitzen die meistgewählte Partei war. Zweitstärkste Kraft wurden die Sozialisten der PSOE mit 5 Sitzen, die mit ihrer überraschenden Entscheidung für die PP als Bündnispartner die stimmenstärkste Partei von Kandidat Haroldo Martín auf wenig demokratische Weise in die Opposition schickt. José Fermín Correa ist neuer Bürgermeister; jetzt gilt es, die Gemeinderessorts unter PP und PSOE aufzuteilen.

• La Guancha – In La Guan­cha übernimmt Antonio Hernández (PP) mit einer Minderheitsregierung das Stadtzepter, will sich in den nächsten Wochen jedoch um eine Einigung mit CC oder PSOE bemühen, um eine stabile Regierung zu bilden.

• Candelaria – In Candelaria blieben die Sozialisten zwar stärkste Kraft, benötigten aber einen Bündnispartner. Eine Koalition mit CC bescherte PSOE-Spitzenkandidatin María Concepción Brito (Mari Brito) schließlich den Bürgermeisterposten, den ihr Vorgänger Gumersindo García nach 14 Jahren räumt.

• Santa Úrsula – Bereits in der Wahlnacht hatte Juan Jorge Afonso von der Partei Alternativa Democrática de Santa Úrsula – Nueva Canarias (ADS-NC) gemeinsam mit AISU-Spitzenkandidat Juan Acosta gefeiert, was ahnen ließ, dass die Verständigung kein Problem sein würde. Der eine Sitz im Stadtrat, den Juan Jorge Afonso für ADS-NC erzielte, reichte für die Koalition mit Agrupación Independiente de Santa Úrsula (AISU), die Juan Acosta zum neuen Bürgermeister macht. Die PP, die mit sieben Sitzen als zweitstärkste Kraft in den Stadtrat gewählt wurde, geht in die Opposition.

• Arona – In Arona fand am 13. Juni die Amtseinführung des sozialistischen Bürgermeisters José Julián Mena statt. Damit wurde in der Gemeinde der zwanzig Jahren andauernden Vorherrschaft der CC ein Ende gesetzt. Die zwölf Sitze der PSOE im Stadtrat reichten Mena allerdings lediglich  für die Bildung einer Minderheitsregierung. Er sei durchaus offen für den Dialog mit den anderen Parteien, ließ Mena bei der Amtseinführung wissen. Deren Unterstützung wird er auch brauchen, wenn er so große Vorhaben umsetzten will wie die angestrebte Neuordnung der Stadt und die Ausarbeitung eines Plans zur Arbeitsplatzbeschaffung. 

• La Laguna – Die einzige Gemeinde auf den Kanarischen Inseln, in der die Zusammenstellung der Stadtverwaltung noch nicht stattgefunden hat, ist La Laguna. Nachdem die PP die Auszählung der Stimmen wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten an mehreren Wahltischen angefochten hatte, wurde die Gemeinderatsbildung auf den 3. Juli vertagt.

Wiederwahl

In sieben Gemeinden haben Bürgermeister ihr zweites Mandat angetreten. In Tacoronte bleibt Álvaro Dávila (CC) weiter am Ruder, in Los Realejos wurde Manuel Domínguez (PP) mit absoluter Mehrheit im Amt bestätigt und bleibt für weitere vier Jahre Bürgermeister. In Garachico wird José Heriberto González (CC) vier weitere Jahre die Geschicke der Stadt leiten, und in El Tanque vertrauen die Bürger Román Martín (PSOE) weitere vier Jahre.

In der Urlauberhochburg Adeje im Süden bleibt PSOE-Bürgermeisterkandidat José Miguel Rodríguez Fraga meistgewählter Kandidat und behält den Posten. Fraga ist seit 1987 ununterbrochen im Amt, und auch 2015 vertrauten ihm die Bürger erneut.

In Arafo bleibt José Juan Lemes im Amt, der seiner bisherigen Partei, der PP, den Rücken gekehrt hat. Mit der von ihm neugegründeten Partei Agrupación Independiente de Arafo (AI-Arafo) erzielte er direkt die absolute Mehrheit. 

Zu den Bürgermeistern, die über zwei Legislaturperioden bzw. länger als acht Jahre im Amt sind und nun wiedergewählt wurden zählen Mariano Pérez (CC), der in El Sauzal mit absoluter Mehrheit sein drittes Mandat antritt, José Manuel Molina (CC) in Tegueste und Santiago Martín (PSOE) in Los Silos. In San Juan de la Rambla, La Orotava und Güímar wurden die Gemeindeverwaltungen wiedergewählt und die bisherigen Bürgermeister Fidela Velázquez (PSOE), Francisco Linares (CC) und Carmen Luisa Castro (PP) bleiben im Amt. Ebenso in Granadilla, wo Jaime González Cejas (PSOE) im Amt bleibt.




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