Alles Gute kommt von oben


Gedanken für mich – Augenblicke für Gott

„Alles Gute kommt von oben!“, das sagen wir schon mal so dahin, ohne groß darüber nachzudenken, was wir eigentlich damit meinen. Ich habe mir sagen lassen, dass es in Rom tatsächlich so ist – zumindest an einer Stelle. Zwar hab ich das selbst so noch nie erlebt, aber andere haben es mir erzählt und ich kann es mir gut vorstellen, weil ich an diesem Ort auch schon gestanden bin.

Da segeln also an Pfingsten Hunderte von Rosenblättern aus der Kuppel im Pantheon in die Kirche hinein. All diese wunderbaren Blütenblätter sollen an den Heiligen Geist erinnern, an die Feuerzungen, wie sie hin und her springen, dabei kaum zu greifen sind und doch lebendig greifbar nahe kommen. Augenfällig und hautnah sollen die Menschen in der Kirche davon berührt werden, was da vor rund zweitausend Jahren in Jerusalem am Pfingsttag geschehen ist: Plötzlich kommt vom Himmel her ein Brausen … der heilige Geist kommt in Feuerzungen über die Apostel und lässt sich auf ihnen nieder. Ein Funke springt über. Die resignierten Freunde Jesu fangen plötzlich wieder Feuer und beginnen begeistert in fremden Sprachen zu reden und die Botschaft Jesu weiter zu erzählen. Obwohl ganz unterschiedliche Nationalitäten unter den Hörerinnen und Hörern waren, konnten alle verstehen, was die Apostel da von sich gaben. Es ist schon wie ein großer Traum, denn wenn man selbst an diesem Platz steht und die vielen japanischen, italienischen, französischen und auch englischen Wortfetzen mitbekommt, dann kann man nachfühlen wie schön es sein muss, wenn man sich sowohl verbal als auch nonverbal einfach verstehen kann. Damals – in Jerusalem – hat es funktioniert.

In diesen Tagen feiern wir Christen auch wieder Pfingsten, den „Geburtstag der Kirche“. Ungefähr zeitgleich mit dem Bau des Pantheons in Rom, hat Jesus Christus eben damals in Jerusalem den Grundstein für seine „lebendige Kirche“ gelegt. Einen ganz besonderen Bau wollte er schaffen, einen Raum, in dem sein Geist nicht nur lebendig ist und wahrgenommen wird, sondern in dem Menschen das spüren und erfahren können, was er durch sein ganzes Leben vermitteln wollte: die Nähe und die Zuwendung Gottes. In einer solchen Atmosphäre, da können verängstigte Menschen neuen Mut schöpfen für die Wegstrecke, die vor ihnen liegt; da können Frauen und Männer, gleich welcher Herkunft und welcher Abstammung, ganz frei und ungezwungen miteinander umgehen, weil Offenheit und Verständnis füreinander der Maßstab allen Redens und Handelns ist; und in einer solchen Atmosphäre, da fühlt sich das sogenannte „schwarze Schaf“ genauso wohl, wie jene, die ständig ihre vermeintlich „weiße Weste“ herauskehren müssen. In dieser Gemeinschaft, in dieser lebendigen Kirche, da soll eine Sprache gesprochen werden, die jede/r versteht: Die Sprache des Herzens und die Sprache der Liebe. Genau das feiern wir Christen an Pfingsten.

Früher war das Pantheon ein heidnischer Tempel. Heute ist es eine christliche Kirche. Ich weiß noch, wie mich diese dicken alten Mauern beeindruckt haben, als ich das erste Mal in dieser Kirche stand. Diese alten dicken Mauern tragen noch heute die große Kuppel, welche von manchen auch liebevoll als „Unvollendete“ bezeichnet wird. Denn geblieben ist in dieser Kuppel ein 9 Meter großes Loch, welches nie zugemauert wurde. Trotzdem steht diese Kirche bis heute. Durch dieses Loch kann man ungehindert in den Himmel schauen – nichts störendes ist dazwischen. Allerdings pfeift einem an manchen Tagen ganz gewaltig der Wind um die Ohren.

Manch einer fragt sich, wenn er in dieser Kirche steht, was denn das Besondere an ihr ist: Die Säulen und Mauern oder eben diese Öffnung, die oben ins Freie führt? Jedenfalls hat das Pantheon bis heute überlebt und es ist für mich ein Bild dafür, dass die Kirche – unsere Kirche – ganz offensichtlich die richtige und ausgewogene Spannung von „Mauer und Öffnung“ braucht.

Am Pfingstfest wird also auch in diesem Jahr in Rom durch diese Öffnung wieder „der Heilige Geist in die Kirche herabkommen.“ Zumindest werden sich die Blütenblätter wieder völlig unberechenbar allüberall dorthin verteilen, wo der Wind sie hinweht. Aber auch, wer nicht in Rom ist, soll und kann davon berührt werden. Denn der Geist Gottes wirkt grenzenlos – weit über diese Mauern hinaus. Er wirkt allüberall dort, wo wir uns offen und ohne Vorbehalte begegnen; ohne Angst, von anderen verletzt zu werden und wo wir mutig und lebendig sind und nicht erstarrt und nur rückwärts gewandt.

So wünsche ich unserer Kirche und uns allen, dass wir offen sind für Gottes guten Geist, der uns helfen will, all die Wände und Mauern zu überwinden, die uns oft einengen oder sprachlos machen. Ihnen allen ein frohes und vor allem Geist-Reiches Pfingstfest!! 

Ihr Bertram Bolz, Diakon

Kath. Touristen- und

Residentenseelsorger

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