Adán Martín gestorben


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Trauer auf den Kanaren:

Auf dem Archipel herrscht tiefe Trauer. Adán Martín Menis, kanarischer Regierungspräsident a.D. erlag am 10. Oktober im Alter von 66 Jahren einem langjährigen Krebsleiden. Fast zwölf Jahre lang hatte Martín gegen die Krankheit gekämpft. Zwei Tage vor seinem Tod wurde über die Inselpresse bekannt, dass sich der ehemalige Regierungschef im Endstadium befinde.

Der CC-Politiker und Mitbegründer der unabhängigen Partei ATI (Agrupación Tinerfeña Independientes) genoss in politischen Kreisen hohes Ansehen. In zahlreichen Nachrufen wird er unter anderem als zielstrebig, besonnen, geradlinig und fleißig beschrieben. Soziale Gerechtigkeit war ihm äußerst wichtig, und er war ein leidenschaftlicher Verfechter der Interessen des Archipels in Madrid. Die Regionalregierung ordnete eine dreitägige Trauer an. Gleichzeitig wurde entschieden, den ehemaligen Regierungspräsidenten für seine politischen Verdienste posthum mit der Goldmedaille – der höchsten Auszeichnung der kanarischen Regierung – zu ehren.

Mit Adán Martín stirbt der erste Ex-Präsident einer autonomen Region in Spanien. Die Beisetzung fand am 11. Oktober auf Teneriffa statt. Mehrere hundert Menschen – darunter viele Personen des öffentlichen Lebens – begaben sich an diesem regnerischen Tag nach Santa Cruz, um dem Präsidenten a.D. die letzte Ehre zu erweisen. Die aufrichtige Anteilnahme zeugt von der Verehrung von Seiten seiner  Kollegen und der Bevölkerung, die ihn auch für seinen diskreten aber hartnäckigen Kampf gegen die Krankheit bewunderten.

„Für Adán waren alle Menschen wichtig, und deshalb nahm er sich auch für jeden Zeit, der mit im reden wollte, weshalb er zu offiziellen Anlässen grundsätzlich zu spät kam“, sagte ein ehemaliger Bodyguard des Ex-Präsidenten einem EFE-Reporter vor dem Eingang zum kanarischen Regierungssitz in Santa Cruz, wo der Sarg aufgebahrt war. Mehrere hundert Menschen kamen, um vor dem geschlossenen und mit der kanarischen Flagge geschmückten Sarg Abschied von Martín zu nehmen. Politische Kontrahenten ließen ihre Differenzen beiseite, um einem „beispielhaften Mann“ die letzte Ehre zu erweisen. Politiker verschiedener Parteien, Unternehmer und Gewerkschaftsvertreter traten an diesem Tag als gemeinsame Freunde des Verstorbenen an seinen Sarg. Es fiel der Satz: „So sollten wir immer in schweren Zeiten zusammenhalten“.

Die Aufmerksamkeit der Trauergäste richtete sich vor allem auf die Witwe, Pilar Parejo. Sie und Adán Martín galten als die „große Liebe“ in der kanarischen Politszene. Im Januar dieses Jahres hatten sie endlich geheiratet. Eingeweihte berichten von einem unschlagbaren Gespann – beide erfolgreiche Inselpolitiker, beide ein Beispiel für Fleiß und Einsatz im Dienst der Bürger. Nach und nach kondolierten die Trauergäste einer sichtlich mitgenommenen und gerührten Pilar Parejo und den beiden erwachsenen Söhnen von Adán Martín aus seiner ersten Ehe. Auch Parejos Söhne aus erster Ehe waren da, um ihrer Mutter in diesem schweren Moment beizustehen.

Die kanarischen Präsidenten a.D. Jerónimo Saavedra, Lorenzo Olarte, Román Rodríguez und Manuel Hermoso – enger Freund des Verstorbenen – kamen, um Abschied zu nehmen. Von Seiten der spanischen Regierung nahm Bildungsminister Ángel Gabilondo an den Trauerfeierlichkeiten teil.

Fast wie ein Staatsbegräbnis

So sehr auch eine Idealisierung des Verstorbenen normal ist, so ehrlich können im Falle von Adán Martín Lob und Verehrung eingestuft werden. Sämtliche politischen Persönlichkeiten, die ihre Anteilnahme öffentlich bekundeten hoben den aufopfernden, fleißigen Einsatz von Adán Martín in jedem der von ihm ausgeübten Ämter hervor. Martín wird als Gutmensch, moralisch integerer Politiker und aufrechter Canario in die Geschichte des Archipels eingehen. Sein Einsatz für die kanarischen Interessen und seine Bemühungen, um aus den sieben Inseln eine Einheit zu machen, werden unvergessen bleiben.

Gegen drei Uhr nachmittags wurde der Sarg von Mitgliedern verschiedener Polizeieinheiten aus dem Regierungsgebäude getragen. Beim Durchschreiten des Hauptportals erklang die Regionalhymne, gespielt von der städtischen Sinfoniekapelle. Danach gab es den letzten großen Applaus für den Präsidenten.

Der Trauerzug führte dann zur Kirche La Concepción, wo Bischof Bernardo Álvarez den Trauergottesdienst hielt.

Mehrere Fahrzeuge waren notwendig, um die unzähligen Blumenkränze zum Friedhof Santa Lastenia zu bringen, wo Adán Martín schließlich im engsten Freundes- und Familienkreis beigesetzt wurde.

Am 20. Oktober wird in der Santa Ana-Kirche in Las Palmas de Gran Canaria eine zweite Trauerfeier stattfinden.

Höchste Ehrung für sein politisches Werk und persönliche Worte eines Freundes

Drei offizielle Trauertage wurden von der kanarischen Regierung nach dem Ableben von Adán Martín angeordnet. Regierungschef und Parteikollege Paulino Rivero veranlasste, dass alle Fahnen auf Halbmast gesetzt wurden. In einer eilig einberufenen Sondersitzung wurde vom Regierungsrat beschlossen, den Politiker für sein Werk posthum mit der Goldmedaille der autonomen Regierung der Kanaren auszuzeichnen.

Außerdem wurde ihm auf Inselebene vom Cabildo die Insel-Goldmedaille zuerkannt, ein Symbol der Anerkennung für seine beispielhafte und richtungsweisende Amtsausübung. Sein Nachfolger im Cabildo von Teneriffa, Inselpräsident Ricardo Melchior, überreichte die Auszeichnung. Melchior drückte seinen Schmerz und seine Trauer über den Verlust eines Freundes so aus: „Es geht ein Freund, den ich sehr geschätzt habe und durch den ich zur Politik kam. Wir waren beide Wirtschaftsingenieure, und immer wenn wir uns trafen, konnten wir es nicht lassen, über die Insel und ihre Zukunft zu sprechen. Wir taten es mit Besorgnis und Verantwortung für die Zukunft dieses Landes. Adán war immer in seine Heimat verliebt und hatte eine Zukunftsvision und eine Strategie – in seinem Kopf schmiedete er ununterbrochen Pläne. 1987 bot er mir an, mich an seiner Seite für ein Amt im Cabildo aufstellen zu lassen, woran ich damals noch keinen Gedanken verschwendet hatte. Er überzeugte mich und ich arbeitete an seiner Seite von 1987 bis 1999 [in dieser Zeit war Adán Martín Cabildo-Präsident, d. Red.] Ich war Vizepräsident und hatte sein volles Vertrauen. Ich habe sehr viel von Adán gelernt, und obwohl wir beide vom Charakter her sehr unterschiedlich waren, ergänzten wir uns hervorragend und arbeiteten Seite an Seite. Ich sage Ihnen nichts Neues wenn ich berichte, dass Adán immer äußerst fleißig und voller Kampfgeist war. In den letzten 12 Jahren seines Lebens hat er eine bewundernswerte Courage bewiesen und mit bewundernswürdiger Tapferkeit gekämpft“, soweit Melchior gegenüber Europa Press.

„Graue Zelle“

„Nube Gris“ (zu Deutsch graue Zelle) wurde Adán Martín zugleich liebevoll und bewundernd von engsten Freunden und Vertrauten genannt. Sein enormes Denkvermögen und seine Intelligenz wurden allgemein bewundert, ebenso wie seine Geradlinigkeit. Sein guter Freund Miguel Zerolo, amtierender Bürgermeister von Santa Cruz, erinnert sich in einem Nachruf: „Adán vermittelte den Eindruck, dass nicht einmal eine Betonmauer ein Hindernis darstellen könnte, wenn er die Absicht hatte, auf die andere Seite zu gelangen. Er war nie ein Politiker im schlechten Sinne. Er musste erst politisches Geschick lernen, denn diese Software wurde bei ihm nicht mitgeliefert. Er hatte zu fast allem eine klare Meinung, und es war schwierig bis unmöglich seine Einstellung zu ändern, egal wie lange man mit ihm diskutierte. Er war hart wie Granit, wenn er seine Vorstellungen verteidigte. Und trotz alledem war er ein wunderbarer Vizebürgermeister, ein unvergleichlicher Cabildo-Präsident und ein Regierungspräsident, den nicht einmal die Krankheit umhauen konnte, die ihm während seiner Amtszeit diagnostiziert wurde.“

Kurzbiografie

Adán Martín wurde am 19. Oktober 1943 in Santa Cruz de Tenerife geboren. Er studierte in Barcelona Wirtschaftsingenieurwesen und machte anschließend einen Abschluss an der Wirtschaftshochschule ESAE. Danach arbeitete er mehrere Jahre für Chrysler in England. Seine politische Karriere in der Heimat begann er 1979, als er in den Stadtrat von Santa Cruz de Tenerife gewählt wurde, wo er Vizebürgermeister wurde. Von 1987 bis 1999 war er Präsident des Cabildos von Teneriffa und später Vizepräsident und Leiter des Wirtschaftsressorts der kanarischen Regierung, bevor er 2003 für eine Legislaturperiode Regierungspräsident wurde. 2007 zog er sich ganz aus der Politik zurück.

Er hinterlässt zwei Söhne aus erster Ehe. Im Januar dieses Jahres hatte er seine langjährige Lebensgefährtin und ehemalige Tourismus-Vizeministerin der Kanaren, Pilar Parejo, geheiratet.




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