Achter Todesfall rückt Obdachlosigkeit erneut in den Fokus


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Ein Obdachloser starb beim Brand seiner Lagerstätte

Am frühen Morgen des 4. November starb ein Obdachloser in seiner Lagerstätte in Santa Cruz, die in Brand geraten war. Der achte Todesfall unter den Obdachlosen von Teneriffas Hauptstadt rückte deren Not erneut in den Fokus.

Während die Organisation für die Würde der Obdachlosen (Plataforma por la Dignidad de las Personas sin Hogar) dem Rathaus mangelndes Interesse und schlechte Zustände im Obdachlosenheim vorwirft, bemüht sich die Gemeinde um eine bessere Koordination der zuständigen Stellen.

Ausgegrenzt

Der 43 Jahre alte und aus Katalonien stammende Alonso G.F. hauste in einem selbstgezimmerten Verschlag bei der Ringkampfarena „Pancho Camurria“. Auf einem angrenzenden brachliegenden Gelände haben sich die Obdachlosen so gut wie möglich eingerichtet. Die aus Holzbrettern, Metallplatten und Ähnlichem behelfsmäßig errichteten Lagerstätten reihen sich an einer Aluminiumwand aneinander; an dem einen Ende des Geländes wurde eine Stelle zur Verrichtung der Notdurft bestimmt, an dem anderen Ende zünden die Menschen Feuer zum Kochen an. Selbst einen Gemeinschaftsmülleimer haben die Obdachlosen aufgestellt, der sogar von der Stadt geleert wird, fließendes Wasser und Strom gibt es allerdings nicht. Nur die Organisation für die Würde der Obdachlosen interessiert sich für die Not und Sorgen der hier mehr schlecht als recht überlebenden Menschen. Am Morgen des 4. November ging die Lagerstätte von Alonso G.F. aus ungeklärten Gründen in Flammen auf und brannte vollständig nieder. Der alkoholabhängige Mann, der von einem Mitglied der Organisation als „wundervolle Person“ beschrieben wird, starb in den Flammen.

500 Obdachlose in Santa Cruz

Nach Schätzungen von Caritas leben circa 500 Menschen in Teneriffas Hauptstadt auf der Straße. Das Obdachlosenheim – das einzige der Provinz Santa Cruz de Tenerife [Teneriffa, El Hierro, La Gomera und La Palma] – verfügt nur über 100 Plätze. Der mobile Sozialtrupp (UMA) kümmert sich um circa 30 Wohnungslose. Im Laufe dieses Jahres sind bereits acht Menschen in dieser Lage in Santa Cruz gestorben, verwahrlost und einsam.

Die Plattform für die Würde der Obdachlosen kümmert sich um diese Menschen, versucht zu helfen. Die Organisation, die aus Freiwilligen besteht, verfolgt klare Ziele: „Die Realität der Obdachlosen ans Tageslicht bringen, die Verantwortlichen zur Rede stellen, Aktionen und Projekte planen und umzusetzen, die Lebensqualität verbessern, eine bessere Versorgung einfordern und die Gesellschaft auf ein großes Problem hinweisen, das gerade in der derzeit schlechten Lage jedem widerfahren kann“.

Schon mehrmals prangerte die Organisation das Fehlen finanzieller Mittel und politischen Willens an. Nun reichte die Organisation einen Bericht über Mängel im Obdachlosenheim Santa Cruz, das von einer Privatfirma betrieben wird, beim Rathaus ein. Eloy Cuadra, Sprecher der Organisation, berichtete empört, dass freiwillige Helfer aufgrund der geäußerten Kritik sogar schon bedroht worden seien.

José Manuel Arocha, Stadtrat für Soziales, versicherte, die sozialen Dienste der Stadt würden sich um alle Obdachlosen kümmern. Die Lösung liege nicht in der Vergrößerung des Heims, vielmehr müsste die Koordination zwischen den einzelnen Behörden verbessert werden, denn viele der heute auf der Straße lebenden Menschen bräuchten keinen Platz im Obdachlosenheim, sondern in einem Seniorenheim oder die Versorgung und Pflege in einem Krankenhaus.

Außerdem wurde im Rathaus beschlossen, zehn Wohnungen zu sanieren, um Familien, die sich in der Gefahr sozialer Ausgrenzung befinden, dort unterzubringen.




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