La Palma versinkt in schwarzer Asche

Der Friedhof von Los Llanos de Aridane liegt seit Tagen wegen der Nähe eines Lavastroms in der Sperrzone. Foto: alexandre díaz lorenzo / EFE

Der Friedhof von Los Llanos de Aridane liegt seit Tagen wegen der Nähe eines Lavastroms in der Sperrzone. Foto: alexandre díaz lorenzo / EFE

Innenminister Grande-Marlaska nahm an der Sitzung des Vulkan-Sonderausschusses auf der Insel teil

La Palma – 45 Tage nach Beginn der Eruption an der Cumbre Vieja stößt der Vulkan weiter Lava und Asche aus. Während sich das flüssige Gestein immer neue Wege bahnt und mehr und mehr Fläche bedeckt, hat sich eine dicke Ascheschicht über weite Teile der Insel gelegt. Feuerwehrleute und andere Hilfskräfte sind im Dauereinsatz, um die Dächer freizuräumen, bevor sie unter der Aschelast einbrechen.

Am 1. November reiste Innenminister Fernando Grande-Marlaska auf die von dem ­Vulkanausbruch gebeutelte Kanareninsel, um an der täglichen Sitzung des Sonderausschusses für Katastrophenschutz und Notfallhilfe in der Vulkankrise (PEVOLCA) teilzunehmen.

Grande-Marlaska wiederholte auf La Palma das Versprechen von Ministerpräsident Pedro Sánchez, die Insel nicht im Stich zu lassen. Der Notstand auf der Insel werde erst dann enden, wenn für alle Einwohner ein Alltag in angemessener Normalität wieder hergestellt ist, so der Minister.

In der Sitzung berichtete der technische Leiter des PEVOLCA, Miguel Ángel Morcuende, über die Aktivität des Vulkans in den letzten 24 Stunden, während denen eine deutliche Zunahme des austretenden Lavavolumens verzeichnet wurde. Ebenso hat sich die Menge an Asche, die der Vulkan ausstößt, erhöht. Besonders stark von dem Ascheregen betroffen sind Gemeinden im Westen und Nordwesten der Insel. Am schlimmsten, so Morcuende, ist die Lage in Los Llanos de Aridane.

Die regionale Fluggesellschaft Binter sah sich aufgrund der Aschewolke am 1. November gezwungen, die Flugverbindungen nach La Palma erneut einzustellen. Auch am 2. November gab es keine Flüge von und nach La Palma.

Weil die Menschen die Gräber ihrer verstorbenen Angehörigen dieses Jahr zu Allerheiligen nicht mit Blumen schmücken konnten, legten Soldaten der Landstreitkräfte und der Katastrophenschutz-Spezialeinheit der Armee (UME) vor dem Friedhof einen Kranz nieder. Foto: alexandre díaz lorenzo / EFE
Weil die Menschen die Gräber ihrer verstorbenen Angehörigen dieses Jahr zu Allerheiligen nicht mit Blumen schmücken konnten, legten Soldaten der Landstreitkräfte und der Katastrophenschutz-Spezialeinheit der Armee (UME) vor dem Friedhof einen Kranz nieder. Foto: Alexandre Díaz Lorenzo / EFE

Was die Entwicklung der Lavaströme betrifft, so ist der Lavastrom 3 derjenige, der sich am stärksten bewegt hat und im Laufe der Nacht einen Überlauf im Gebiet des Berges von Cogote verursachte und so die Lavastromzone 11 bildete. In der Folge ist die Lava nun etwa 200 Meter von der nach Puerto Naos hinunterführenden, nur in dieser einzigen Richtung benutzten Straße entfernt, was dazu führen könnte, dass diese abgeschnitten wird. In diesem Fall stünde in beiden Richtungen nur die einzige derzeit genutzte, bergauf führende Straße zur Verfügung, was den Einsatz der Fahrzeuge und des an den Entsalzungsanlagen arbeitenden Personals, der Rettungsdienste, sowie der mit den Bewässerungsarbeiten in den landwirtschaftlichen Gebieten beauftragten Personen behindern würde.

Die Lava hat 2.574 Gebäude verschlungen

Das letzte Update des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus zeigt die erschreckenden Ausmaße der Vulkankatastrophe im Südwesten La Palmas: Kalkulationen von Copernicus zufolge sind mittlerweile 975,2 Hektar von Lava bedeckt. Darunter wurden 2.574 Gebäude begraben und weitere 142 sind schwer beschädigt oder einsturzgefährdet (Stand 31.10.2021).

Der Vulkan hat La Palma weiter fest im Griff: Die Einwohner der betroffenen Orte auf La Palma sind seit Wochen damit beschäftigt, Asche von allen Oberflächen zu entfernen. Feuerwehrkräfte und Soldaten der Katastrophenschutz-Spezialeinheit UME sind im Dauereinsatz, um Dächer freizuräumen. Fotos: EFE
Der Vulkan hat La Palma weiter fest im Griff: Die Einwohner der betroffenen Orte auf La Palma sind seit Wochen damit beschäftigt, Asche von allen Oberflächen zu entfernen. Feuerwehrkräfte und Soldaten der Katastrophenschutz-Spezialeinheit UME sind im Dauereinsatz, um Dächer freizuräumen. Fotos: EFE

Die Lava hat sich in den vergangenen zwei Wochen neue Wege gebahnt und fließt über mehrere Ströme Richtung Meer. Mitte Oktober mussten die Anwohner des zu Los Llanos de Aridane gehörenden Ortes La Laguna evakuiert werden, nachdem ein neuer Lavastrom sich in ihre Richtung bewegte. Zehn Tage zuvor hatten Anwohner evakuierter Gebiete noch von La Laguna aus den Vulkan beobachtet, doch am 20. Oktober wurde auch dieser Ort, in dem bis vor Kurzem noch 1.735 Menschen lebten, Opfer des Vulkans. Allein innerhalb von 24 Stunden wurden 61 Wohnhäuser von der meterhohen Mauer aus Lava zum Einsturz gebracht und begraben. Auch die Schule, die Apotheke, Geschäfte, Sportplätze und die Tankstelle existieren nicht mehr. Bis zum 22. Oktober, als sich der Lavastrom verlangsamte und es so aussah, als würde er zum Stillstand kommen, waren 128 Häuser ausgelöscht worden. Während viele evakuierten Menschen bei Angehörigen oder Freunden eingezogen sind, befinden sich immer noch 465 Personen in Hotels, die als Notunterkünfte genutzt werden; 395 Evakuierte sind in einem Hotel in Fuencaliente untergebracht, 70 weitere in einem Hotel in Los Llanos de Aridane.

Mittlerweile sind 282 Hektar landwirtschaftliche Fläche von der Lava bedeckt worden, 158,79 Hektar davon sind Bananenplantagen, 58,76 Hektar Weinberge und 23,82 Hektar Avocadoplantagen.

Der Vulkan hat La Palma weiter fest im Griff: Die Einwohner der betroffenen Orte auf La Palma sind seit Wochen damit beschäftigt, Asche von allen Oberflächen zu entfernen. Feuerwehrkräfte und Soldaten der Katastrophenschutz-Spezialeinheit UME sind im Dauereinsatz, um Dächer freizuräumen. Fotos: EFE
Feuerwehrkräfte und Soldaten der Katastrophenschutz-Spezialeinheit UME sind im Dauereinsatz, um Dächer freizuräumen. Fotos: EFE

Zahl und Intensität der Erdstöße nimmt zu

Der Vulkan lässt die Erde unter La Palma weiter beben. Die unzähligen Erdstöße, die seit ­Beginn der Eruption von ­nationalen geografischen Institut IGN gemessen werden, sind oft von der Bevölkerung zu spüren, obschon es bislang nicht zu Schäden kam. Am 23. Oktober wurde ein sehr starkes Erdbeben registriert. Mit einer Stärke von 4,9 mbLg und einem Epizentrum in 38 Metern Tiefe, ­ereignete es sich um 15.34 Uhr in der Gemeinde Mazo.

Auch in den folgenden Tagen bebte die Erde unter La Palma immer wieder, was von der Bevölkerung in weiten Inselteilen zu spüren war. Am 26. Oktober um 6.05 Uhr erschütterten mehrere starke Beben, unter anderem mit Magnituden von 4,2 und 4,8 mbLg Villa de Mazo.

Das bislang stärkste Beben fand am 30. Oktober um 6.24 Uhr statt und erreichte eine Magnitude von 5 mbLg.

Vulkankegel wieder teilweise eingestürzt und neue Schlote aufgebrochen

Am 24. Oktober meldete die kanarische Regierung einen erneuten Einsturz des Vulkankegels sowie zwei neue Schlote, aus denen Lava in Richtung der beiden Hauptströme fließt. Der technische Direktor des Sonderausschusses für Katastrophenschutz und Notfallhilfe in der Vulkankrise (PEVOLCA), Miguel Ángel Morcuende, informierte zu diesem Zeitpunkt, dass Lava in großer Menge austritt und sich in westlicher Richtung bewegt, wobei die glühende Masse auf der Spur des ersten Lavastroms fließe, der dadurch an Höhe gewinne. An einigen Stellen hat der erstarrte Lavastrom eine Höhe von mehr als 20 Metern erreicht.

Bei Redaktionsschluss am 2. November wurde gewarnt, dass die dichte Aschewolke in den folgenden 36 Stunden auch den Flugverkehr auf Teneriffa, La Gomera und El Hierro beeinträchtigen könnte. Foto: EFE
Bei Redaktionsschluss am 2. November wurde gewarnt, dass die dichte Aschewolke in den folgenden 36 Stunden auch den Flugverkehr auf Teneriffa, La Gomera und El Hierro beeinträchtigen könnte. Foto: EFE


Morcuende: „Das Ende ist noch weit entfernt“

Die Deformation des Geländes rund um den neu entstandenen Vulkankegel mit einer Anhebung der Oberfläche um etwa 10 Zentimeter führt laut ­Experten zu der Annahme, dass das Magmareservoir des Vulkans wohl noch lange nicht ­erschöpft sein wird. Dies bestätigte am 26. Oktober die Direktorin des geografischen Instituts IGN auf den Kanaren, María José Blanco, und fügte hinzu, dass die Zahl der Erdbeben und die gemessenen Schwefeldioxidwerte ebenfalls darauf hindeuten, dass das Ende der Eruption noch nicht nahe ist. „Die Menge an Schwefeldioxid verrät uns, dass das Ende des Notstandes noch weit entfernt ist“, erklärte dazu Miguel Ángel Morcuende.

Bei Redaktionsschluss am 2. November wurde gewarnt, dass die dichte Aschewolke in den folgenden 36 Stunden auch den Flugverkehr auf Teneriffa, La Gomera und El Hierro beeinträchtigen könnte. Foto: EFE
Dichte Aschewolke können den Flugverkehr auch auf Teneriffa, La Gomera und El Hierro beeinträchtigen. Foto: EFE

Hilfe weiter nötig

Im Zuge der fortschreitenden Zerstörung durch den Vulkan, wächst auch die Not der Betroffenen. Rund 2.000 Menschen in der Sperrzone des Vulkans haben ihr Zuhause verloren oder müssen um ihr Haus bangen, während sie selbst längst evakuiert wurden. Einigen blieb nur kurze Zeit, um zu entscheiden, was sie retten.

Um den Menschen auf der Insel zu helfen, hat die Inselverwaltung ein Spendenkonto eingerichtet, auf dem bis 29. Oktober 6,68 Millionen Euro eingegangen waren. Die Nummer des Spendenkontos lautet ES47 2100 9169 0122 0017 9456; bei Überweisungen aus dem Ausland ist außerdem der Swift-Code (BIC) notwendig: CAIXESBBXXX

Bei den Überweisungen sollte als Verwendungszweck „Donación volcán“ angegeben werden.

Spendenaufruf von TUI

Der Reiseveranstalter TUI hat zur Unterstützung von La Palma ebenfalls einen Spendenaufruf gestartet. Dabei fließen 100% jeder Spende direkt in die Nothilfe vor Ort auf La Palma, und jede Spende wird von der TUI Care Foundation verdoppelt, d.h. für jeden gespendeten Euro spendet die TUI Care Foundation ebenfalls einen Euro. Spenden sind über www.tuicarefoundation.com/de möglich.

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