18 Menschen im Atlantik vermisst

Einige der 406 Menschen, die am 26. Januar die Kanarischen Inseln erreichten. Foto: EFe

Einige der 406 Menschen, die am 26. Januar die Kanarischen Inseln erreichten. Foto: EFe

Neun Insassen des sinkenden Schlauchboots konnten gerettet werden

Lanzarote – Östlich von Lanzarote hat sich am 26. Januar eine neue Migrationstragödie zugetragen. 18 Menschen verloren ihr Leben im Atlantik; neun Personen konnten vor dem Ertrinken gerettet werden.

Die spanische NGO „Caminando Fronteras“ war von Angehörigen der Migranten informiert worden, dass ein Schlauchboot mit 27 Personen an Bord – 19 Männer, sieben Frauen und ein Kind – von Tarfaya (Marokko) aus in Richtung östliche Kanaren aufgebrochen sei. Später meldeten sich die Insassen selbst bei der NGO und setzten einen Notruf ab. Das Schlauchboot war leckgeschlagen. „Wenn ihr nicht kommt, sterben wir. Wir können keine halbe Stunde länger aushalten“, hätte einer der Insassen über ein Handy gefleht, berichtete später die Sprecherin von „Caminando Fronteras“, Helena Maleno, der Nachrichtenagentur EFE. Die Aktivistin kritisierte, dass nicht schneller Rettungsmaßnahmen von den Kanarischen Inseln aus eingeleitet wurden, denn das Schiff der Seenotrettung konnte beim Eintreffen an der Unglücksstelle, 80 Kilometer von Lanzarotes Hauptstadt Arrecife entfernt, nur noch neun Über-lebende des gesunkenen Bootes bergen.

Die Seenotrettung hatte an diesem 26. Januar zahlreiche Einsätze, um Menschen zu retten, die in Booten von Afrika Richtung Kanarische Inseln unterwegs waren. Allein in den frühen Morgenstunden des 26. Januar kamen auf Lanzarote und Fuerteventura 319 Migranten – darunter 59 Frauen und 24 Kinder – an. Im Laufe des Tages trafen dann weitere Flüchtlingsboote ein, sodass allein an diesem Tag insgesamt 409 Menschen in neun Booten die kanarische Küste erreichten.

Als der Notruf des sinkenden Schlauchboots einging, machte sich umgehend das Schiff „Guardamar Calíope“ der Seenotrettung auf den Weg. Dann wurde die Besatzung des Rettungshubschraubers „Helimer 1“ auf Gran Canaria informiert, dieser befand sich jedoch gerade auf dem Rückweg von einem anderen Einsatz 110 Kilometer südlich von Gran Canaria, wo ebenfalls ein Schlauchboot in Not war, und musste zuerst noch auftanken. Auch der Hubschrauber „Helimer 2“, der auf Teneriffa stationiert ist, hätte die Unglücksstelle erst in zwei Stunden erreicht. So war schließlich das Schiff der Seenotrettung schneller vor Ort, aber trotzdem zu spät. 18 Menschen waren zu diesem Zeitpunkt ertrunken.

Elf Tote an jedem Tag

Im vergangenen Jahr starben täglich im Schnitt elf Menschen auf der gefährlichen Atlantikroute der illegalen Migration. Laut der NGO „Caminando Fronteras“ kamen 2021 mindestens 4.016 Menschen auf dieser Route ums Leben.

Gleichlaufend mit der gestiegenen Todesrate hat die Sicherheit und Qualität der Boote, in denen die Migranten sich auf das offene Meer wagen, abgenommen. Dies bestätigte der Delegierte der Zentralregierung, Anselmo Pestana, bereits Ende letzten Jahres. Die Boote seien immer fragiler, oftmals seien es nur einfache Schlauchboote, die mit viel zu viel Gewicht losfahren, sagte Pestana.

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