Schlimmer Waldbrand auf La Gomera


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Cabildo fordert fest stationierten Lösch-Hubschrauber für die Insel

„La Gomera braucht dringend zumindest einen ständig auf der Insel stationierten Lösch-Hubschrauber.“ Das ist die dringendste Forderung, die die dortige Inselverwaltung nach den schlimmen Waldbränden Ende April nun an die kanarische Regierung richtet.

An drei verschiedenen Stellen brachen am 26. April auf La Gomera Brände aus, die sich in Windeseile ausbreiteten. Eine für diese Jahreszeit ungewöhnliche Hitzewelle sowie starker Wind führten dazu, dass die Löschmannschaften erhebliche Schwierigkeiten hatten, die verschiedenen Brandherde in Hermigua, Vallehermoso sowie die kleineren Brände in Las Palmitas in der Gemeinde Agulo zumindest einigerma­ßen unter Kontrolle zu bekommen. Aus Sicherheitsgründen wurden bereits am Samstag über tausend Einwohner der drei betroffenen Gemeinden evakuiert und in Notunterkünften untergebracht. Sowohl in Vallehermoso als auch in Hermigua hatten sich die Flammen bereits gefährlich den bewohnten Gebieten genähert.

Da schnell abzusehen war, dass die Löschmannschaften der Stadtverwaltungen und die Forstarbeiter des Garajonay-Nationalparks allein gegen das Feuer nichts ausrichten konnten, wurden eiligst drei Lösch-Hubschrauber der kanarischen Regierung sowie zahlreiche Lösch-Fahrzeuge und Einsatzkräfte der Feuerwehr von Teneriffa nach La Gomera geschickt. Später gesellten sich zu ihnen noch militärische Einsatzkräfte.

Angesichts des Ausmaßes der Brände hatte die kanarische Regierung auf Antrag von La Gomeras Cabildo-Chef Casimiro Curbelo bereits am Samstagnachmittag das Kommando der Löscharbeiten übernommen. Auch wurde umgehend der Notstand Stufe II des kanarischen Zivilschutz- und Waldbrandbekämpfungsplans erklärt.

Besonders schlimm hatte es die Gemeinde Hermigua getroffen. Ausgebrochen war das Feuer in einem Gebiet bei Valle Alto. Durch den herrschenden Wind breitete es sich an der Stelle nicht nur schnell aus, sondern streute auch weitere Brandherde in der Umgebung. Der Wind war auch dafür verantwortlich, dass die Lösch-Hubschrauber erst am späten Nachmittag zum Einsatz kommen konnten. Ein Großteil der Bevölkerung wurde nach der Evakuierung erst einmal zum Strand von La Caleta gebracht, wo die Menschen ausharren mussten, bis die Notmannschaften überhaupt die Zeit fanden, sie in eine bessere Unterkunft zu bringen. Derweil waren bereits zahlreiche Wohnhäuser den Flammen zum Opfer gefallen.

Nicht ganz so schlimm verhielt es sich in Vallehermoso, wo der erste Brandherd in Macayo entdeckt wurde. Mit heftig läutenden Kirchen­glo­cken wurden die Einwohner aus ihren Häusern geholt, um sie zu evakuieren, als die Flammen sich bereits gefährlich dem Gemeindegebiet näherten.

Während jedoch in Valle-hermoso die verschiedenen Brandherde gegen Abend des 26. April weitgehend unter Kontrolle gebracht werden konnten, verschlimmerte sich die Lage in Hermigua zusehends.

 Die Wetterbedingungen erschwerten den Löschmannschaften die Arbeiten ungemein und die Flammen näherten sich immer mehr dem Garajonay-Nationalpark, die schlimmste Befürchtung von Regierung und Inselverwaltung. Am Sonntagabend war nach Zeitungsberichten bereits ein Gebiet von mehreren hundert Hektar – größtenteils landwirtschaftliche Nutzfläche sowie Berggebiet – von den Flammen verwüstet worden.

Ein plötzlicher Richtungswechsel des Windes sorgte am Montag dafür, dass die eigentlich am Nachmittag des Vortages als unter Kontrolle erklärten schlimmsten Brandherde in Los Aceviños und Los Palmitos erneut belebt wurden. Dank mehrerer Lösch-Hubschrauber und eines -Flugzeuges, die vom spanischen Festland auf die Insel geschickt wurden, konnten zumindest die meisten anderen Brandherde, die an verschiedenen Stellen drohten, auf den Garajonay-Nationalpark überzugreifen, unter Kontrolle gebracht und schließlich gelöscht werden.

Inzwischen waren noch weitere Lösch-Hubschrauber von Teneriffa sowie der ständig auf La Palma stationierte ebenfalls auf La Gomera angekommen. Doch erst mit dem Rückgang der Temperaturen und des Windes am 29. April begannen die Löschmannschaften aufzuatmen.

Gegen Nachmittag dieses Tages war nach dem Regierungsdelegierten der Kanaren, Salvador García, auch Regionalregierungschef Paulino Rivero auf La Gomera eingetroffen, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen und Rettungskräften und Betroffenen Zuspruch zu geben. Ebenfalls am 29. April wurde auch ein erster Verdächtiger verhaftet, der für den Ausbruch des Feuers in Hermigua verantwortlich sein könnte. Es handelt sich um einen 53-jährigen Einwohner der Gemeinde. Allerdings soll er den Brand nicht absichtlich gelegt haben. Ihm wird vielmehr Unvorsichtigkeit vorgeworfen, weil er Gartenabfälle verbrannt hatte.

Am 30. April dann endlich die erlösende Nachricht: Die Brandherde waren weitestgehend gelöscht, zumindest aber gänzlich unter Kontrolle. Cabildo-Chef Curbelo betonte diesbezüglich, wie glücklich er sich schätze, dass keine Menschen zu Schaden gekommen waren und zumindest das Übergreifen des Feuers auf den Garajonay-Nationalpark verhindert werden konnte. Auch bedankte er sich bei allen Einsatzkräften und lobte die gute Zusammenarbeit aller bei der Koordination der Löscharbeiten beteiligten Behörden und Institutionen. Letztendlich fielen insgesamt etwa 500 Hektar den Flammen zum Opfer. Die Sachschäden werden auf über drei Millionen Euro geschätzt.

Der Freude folgte aber auch schnell die Ernüchterung, denn nach dieser schlimmen Erfahrung macht La Gomera jetzt ernst, was die langjährige Forderung betrifft, die Insel zumindest mit einem ständig stationierten Lösch-Hubschrauber auszustatten. Im Rahmen einer außerordentlichen Sitzung hat die Inselverwaltung jetzt beschlossen, der Regionalregierung ein Ultimatum zu stellen: „Entweder wir kriegen einen Hubschrauber, oder wir geben die Kompetenzgewalt in Sachen Waldbrandbekämpfung und -Vorbeugung zurück.“

Solidarität von nebenan

Obwohl angesichts der Wetterverhältnisse auch auf Teneriffa höchste Alarmbereitschaft herrschte, ent­sandte das Cabildo 30 Fachkräfte der Brandschutzeinheit Brifor und der Feuerwehr nach La Gomera und setzte bei den Löscharbeiten auf der kleinen Nachbarinsel auch einen Löschhubschrauber, der seine Basis in La Guancha hat, sowie sieben Fahrzeuge ein.




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