Pfeif mir doch mal was


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Die Kinder von La Gomera werden in der traditionellen Pfeifsprache unterrichtet

Im Zeitalter der Mobiltelefone pfeift allenfalls noch ein Handy, möchte man meinen. Doch auf La Gomera stimmt das nicht ganz. Etwa 1.500 Grundschüler und Schüler der Sekundarstufe werden in diesem Schuljahr die traditionsreiche Pfeifsprache erlernen, mit der sich ihre Vorfahren auf La Gomera verständigten. Alle Schulen der Insel haben das Unterrichtsfach eingeführt, damit diese besondere Kunst erhalten bleibt.

So hat es die Verantwortliche für Bildungsinnovation bei der kanarischen Regierung, Juana del Carmen Alonso, versichert. Dabei sei die praktische und theoretische Ausbildung der Lehrer besonders wichtig, betonte sie, denn die Pädagogen müssen es schaffen, die Kinder zu motivieren, damit sie nach der Primarstufe der Grundschule auch in der Sekundarstufe (bis 12-16 Jahre) weiter Interesse an diesem Unterrichtsfach zeigen, „damit in der Zukunft die ganze Bevölkerung von La Gomera zweisprachig ist“.

Außerdem schlug Alonso vor, die Pfeifsprache auch an Schulen auf anderen Inseln des Archipels anzubieten. Im Mai soll ein Treffen von Schülern aus La Gomera mit Gleichaltrigen von anderen Inseln auf Fuerteventura und Lanzarote stattfinden. Inwieweit sich der „silbo gomero“ einen Platz auf dem Lehrplan schaffen wird, ist noch unklar. Vorerst wurde jedoch schon ein „Schultag der Pfeifsprache“ eingerichtet, der jedes Jahr am 7. Juni gefeiert werden soll.

Die Pfeifsprache von La Gomera, El Silbo, ist etwas ganz besonderes – und das weltweit gesehen. Zwar gibt es andere „Signalsprachen“, wie die berühmten afrikanischen Buschtrommeln oder die Rauchzeichen der Indianer. Doch eine so differenzierte Sprache wie den Silbo nirgendwo.

Der Silbo funktionierte früher besser als heute jedes Funktelefon zur Nachrichtenübermittlung, als die besonders unwegsame und von steilen Schluchten durchzogene Insel noch keine Straßen besaß und Strecken, die in der Luftlinie nur wenige Kilometer betragen, einzig durch mühevolle Kletterei durch die Barrancos bewältigt werden konnten. Die weittragenden Pfiffe waren hingegen klar und deutlich über enorme Strecken hinweg verständlich und ersparten so manchen anstrengenden Weg. Seit 1995 wird El Silbo wieder an den Schulen gelehrt.




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