Gnadenschuss


© EFE

Das Schicksal einer Ziege erregte die Gemüter

In dem verschlafenen Küs­tenort Vueltas bei Valle Gran Rey hat das Schicksal einer Ziege eine Debatte zwischen Tierfreunden und Behörden entfacht. Anwohner hatten bei der zuständigen Stelle von einer Ziege berichtet, die in der zerklüfteten Felswand des Abhangs von Tegergenche festsaß.

Nachdem das arme Tier bereits seit einer Woche auf dem kleinen Felsvorsprung ausgeharrt hatte, informierten die Anwohner die Nachrichten­agentur EFE, die davon berichtete. Angeblich war die Ziege die Felsen hinabgeklettert, kam dann aber nicht mehr weiter, weil ihr Euter sie beim Springen behinderte. Der Besitzer des Tiers erklärte, dass die Ziege erst kürzlich geworfen hatte und nachdem sie mehrere Tage auf dem Felsvorsprung ohne ihr Junges festsaß ihr Euter übermäßig gefüllt war.

Während die Behörden zu­nächst nichts unternahmen, bemühten sich verschiedene Menschen, denen das Tier leid tat, vergeblich um eine Rettung. Nach Berichten von EFE versuchte ein Ausländer, bis zu dem Tier hinaufzuklettern und musste von einem Hubschrauber gerettet werden. Auch der Besitzer startete einen Versuch, und eine Deutsche versuchte tatsächlich mit einem Eimer Wasser bis zu der Ziege zu kommen.

Nach über einer Woche wurde das Tier schließlich von einem Jäger im Auftrag der Umweltpolizei Seprona erschossen. Wie der kanarische Umweltminister Domingo Berriel erklärte, wurde dem Tier der Gnadenschuss versetzt, um es nicht weiter leiden zu lassen. Außerdem wies er darauf hin, dass es keinen Sinn ergebe, ein enormes Risiko nur für die Rettung eines Schlachttiers einzugehen. Viele Zeugen des Vorfalls bedauerten, dass nicht mehr Anstrengungen unternommen wurden, um der Ziege zu helfen.

Die Tierschutzorganisation Amnistía Animal mit Sitz in Madrid kritisierte die Begründung, dass die Ziege erschossen wurde, weil es sich um ein schwer zugängliches Gelände handelte und bedauerte die Gefühlsarmut der Behörden. „In jedem anderen europäischen Land wäre alles daran gesetzt worden, das Tier lebend zu retten“, versicherte Matilde Cubillo von Amistía Animal.




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