Der Skandalfall Curbelo


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La Gomeras Cabildo-Präsident steht nach einem Zwischenfall in einem Madrider Nachtclub im Fadenkreuz öffentlicher und auch innerparteilicher Kritik

Die kanarische Politszene und vor allem die sozialistische Partei PSOE – auch auf nationaler Ebene – beschäftigt dieser Tage die Frage „schuldig oder nicht schuldig“ im Zusammenhang mit der Verhaftung von Casimiro Curbelo. Der Inselpolitiker ist Senator in Madrid und bei den Wahlen im Mai mit absoluter Mehrheit in seinem Amt als Cabildo-Präsident von La Gomera bestätigt.

Madrid – Besonders großes Interesse an dem Skandal hat natürlich auch die Opposition im Hinblick auf die demnächst anstehenden Parlamentswahlen, und der regionalen wie nationalen Presse kam die Geschichte im Sommerloch gerade recht, um sie breitzutreten.

Der Spitzenpolitiker der kanarischen PSOE hatte nach einer Senatssitzung in Madrid am 13. Juli zusammen mit seinem Sohn dessen Hochschulabschluss mit einem Abendessen und anschließend mit einem Besuch in einem Club gefeiert. Bei dem Nachtclub „Gola Chicas“ soll es sich um ein unter dem Decknamen „Sauna“ getarntes Bordell handeln. Dort sollen Curbelo, sein Sohn und ein Kommilitone gegen drei Uhr morgens gefeiert haben, bis ein Zwischenfall ihren Rausschmiss auslöste. Angeblich war es der Sohn des Politikes, der sich daneben benahm und nach zu reichlichem Alkoholverzehr unverschämt wurde. Über das, was danach geschah gibt es widersprüchliche Berichte. Während sich Casimiro Curbelo als „Opfer“ bezeichnet und sämtliche Vorwürfe entschieden von sich weist, steht seiner Aussage der Bericht der Polizei gegenüber. Nach dem Rausschmiss aus dem Lokal sollen Curbelo und seine jungen Begleiter zum nahegelegenen Kommissariat gegangen sein, um sich über das Etablissement zu beschweren. An diesem Punkt der Geschichte gehen die Versionen stark auseinander; Casimiro Curbelo versichert, von den Beamten schlecht behandelt, gar misshandelt worden zu sein, die Polizisten schrieben indes einen gänzlich anderen Bericht, in dem die Rede von Amtsbeleidigung und einem tätlichen Angriff auf die Beamten ist. Schließlich wurden Casimiro Curbelo und sein Sohn nach einer mehrere Stunden dauernden Festnahme in den frühen Morgenstunden entlassen.

Im Strudel des durch diesen Ausrutscher ausgelösten Skandals steht nun die weitere politische Karriere von Casimiro Curbelo auf dem Spiel. Elena Valenciano, Wahlkampfkoordinatorin Alfredo Pérez Rubalcabas (PSOE), forderte den Rücktritt des Senators und bezeichnete den Vorfall als „bedauernswert und peinlich“. Auf Inselebene fand bislang keine offzielle Stellungnahme der Partei zu dem Zwischenfall im Privatleben von Curbelo statt und regionale Parteikollegen hielten sich mit ihren Äußerungen zurück. Casimiro Curbelo selbst hält zwar an seiner Version fest und beteuert, unschuldig zu sein. „Man hat mich bereits verurteilt, ohne Richter“, erklärte er den Medien. Von seinem Senatssitz trat Curbelo eine Woche nach dem Zwischenfall zurück.




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