Zehn Flüchtlinge ertranken nur wenige Meter vom Ufer entfernt


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Das nur zwei Meter tiefe Wasser sei „ruhig wie ein Pool“ gewesen, berichtete ein Polizeisprecher

Die Küste Gran Canarias wurde vor wenigen Tagen Schauplatz eines weiteren traurigen Kapitels der Immigrationsproblematik. Zehn Bootsflüchtlinge aus dem Maghreb, die Hälfte davon Jugendliche zwischen 16 und 20 Jahren, ertranken nur wenige Meter vom Ufer entfernt.

Das Drama spielte sich kurz vor sechs Uhr morgens am Strand Risco Verde an der Küste von Agüimes ab. Das Boot lief wenige Meter vom Ufer entfernt auf einen Felsen und die Insassen meinten, bereits Land erreicht zu haben. Als sie von Bord sprangen, war das Wasser rund um den Felsen jedoch etwa zwei Meter tief. Die zwanzig Meter zum Ufer schafften nur sechs der geschwächten Männer. Zwei weitere Überlebende wurden von Polizeibeamten gerettet. Die übrigen zehn Reisegefährten ertranken.

Anwohner, die durch die Schreie aufgeschreckt wurden, hatten die Rettungskräfte alarmiert. Die Männer seien „wie Steine ins Wasser gefallen“, berichtete der Leiter der Tauchstaffel der Guardia Civil, Juan Ortega Machín, nach der Bergung der Leichen und beteuerte, dass am Strand Risco Verde das Meer besonders ruhig – „wie ein Pool“ – ist. Vermutlich konnten die Verunglückten nicht oder nur sehr schlecht schwimmen. Die Erschöpfung nach der tagelangen Überfahrt, die tauben Gliedmaßen und die mit Wasser vollgesogene schwere Kleidung taten ein Übriges.

Der Bürgermeister von Agüimes, Antonio Morales, bedauerte den Tod der illegalen Einwanderer und sprach den Bürgern sein Lob aus, die sich korrekt verhalten und sofort die Rettungskräfte verständigt hatten. „Es ist fürchterlich, dass ein so friedlicher Ort an den die Menschen kommen, um Sport zu treiben oder spazieren zu gehen, zu einem Leichenschauplatz wird“, sagte er.

Als eine „nicht zu duldende Tragödie“ bezeichnete Paulino Rivero den Vorfall.

Der Präsident der kanarischen Regierung forderte ein dringendes Treffen mit Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero, um nach einer Lösung der Zuwanderungsproblematik zu suchen.

Rivero bedauerte, dass der Staat nicht in der Lage ist, die Sicherheit an den Landesgrenzen zu gewährleisten und stellte die Wirksamkeit der bisher getroffenen Maßnahmen in Frage. „Wenn nicht verhindert werden kann, dass weitere Menschen sterben, dann ist das Staatsmodell gescheitert“, urteilte er.




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