Tödlicher Hitzesonntag


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Zwei Touristen starben auf Gran Canaria an einem Tag, an dem das Thermometer die 40-Grad-Grenze überschritt

Zwei betagte Touristen starben am 13. Mai auf Gran Canaria. Um die Mittagszeit erlitt eine 78-jährige Touristin während eines Wanderausflugs im Barranquillo de Andrés in Mogán einen Hitzschlag, der zu einem Herzstillstand führte.

Die herbeigerufenen Rettungskräfte konnten bei ihr nur noch den Tod feststellen, während sie eine andere 66-jährige Teilnehmerin der Wandertour, die ebenfalls einen Hitzschlag erlitten hatte, wiederbeleben konnten. Die Touristin wurde per Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gebracht. Ihr Zustand wurde als kritisch beschrieben. Mit Atemnot wurde auch eine 65-jährige Wanderin dieser Gruppe in kritischem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert.

Vier weitere Ausflügler im Alter zischen 61 und 69 Jahren benötigten ärztliche Betreuung wegen diverser durch die Hitze hervorgerufener Beschwerden.

Scheinbar waren die sieben britischen Urlauber mit einem auf Wanderreisen spezialisierten Veranstalter auf die Insel gereist. Mit einem Minibus wurden sie an diesem Vormittag nach Barranquillo de Andrés gebracht, von wo aus der Wanderführer, ebenfalls aus Großbritannien, eine etwa zweistündige Tour bis zum Staudamm Salto del Perro geplant hatte.  

Grober Leichtsinn

Der Vorsitzende des Tourismus-Unternehmerverbandes von Las Palmas, Fernando Fraile, äußerte noch am selben Tag sein Bedauern über den Tod der Touristin und bezeichnete es als „unerhört“, dass der Reiseveranstalter den Wanderausflug nicht abgebrochen beziehungsweise angesichts der hohen Temperaturen abgesagt hatte. Er erinnerte daran, dass sämtliche Reiseveranstalter über Wetterwarnungen im Bilde sind, obschon an diesem Hitzesonntag wohl angesichts der extremen Hitze keine zusätzliche Warnung notwendig gewesen sei. Dennoch hatte die kanarische Regierung bereits am Tag davor die Warnstufe Orange ausgerufen.

Der Reiseveranstalter hatte die Wandergruppe britischer Touristen zwischen 61 und 78 Jahren allen Warnungen zum Trotz losgeschickt. An einem Tag, an dem das Thermometer schon vormittags auf über 34 Grad Celsius kletterte, und die Hitzewarnung vor allem für die Höhenlagen der östlichen Inseln galt, erscheint dies als glatter Wahnsinn. Grundsätzlich lauten die Empfehlungen bei Hitzewellen: keine körperlichen Anstrengungen, kein Sport im Freien – vor allem nicht zur Mittagszeit. Feuerwehrleute, die an der Bergungsaktion der Touristinnen beteiligt waren, berichteten, dass in den mittleren Höhenlagen von San Bartolomé de Tirajana und Mogán bis zu 44 Grad Celsius gemessen wurden. In dem Gebiet, in dem die Wanderer unterwegs waren, seien es zum Zeitpunkt des Unglücks etwa 40 Grad gewesen. Medienberichten zufolge sollen die Teilnehmer der Wanderung zum Teil nicht einmal mit dem nötigsten Sonnschutz wie Mützen ausgerüstet gewesen sein.

Fataler Sturz

Unterdessen war weiter im Norden der Insel, bei Moya, ein irisches Ehepaar ebenfalls auf Wandertour. Dabei stürzte der 74-jährige Mann einen Abhang hinunter. Die Rettung gestaltete sich zunächst wegen der Hanglage schwierig. Ein Rettungssanitäter musste sich vom Hubschrauber aus zu dem Schwerverletzten abseilen, der auf eine Bahre geschnallt hochgezogen wurde. Bei der Landung auf dem Fußballplatz von Moya stellte der Notarzt den Tod des Verunglückten fest.

Heißester Mai

Am 16. Mai hatten sich die Temperaturen wieder im Normalbereich eingependelt und das staatliche Wetteramt Aemet gab Entwarnung. Die Hitzewelle machte den Mai 2012 zu einem der heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen auf den Kanaren. Die warme Luft aus Afrika sorgte dafür, dass zwischen dem 12. und 16. Mai auf den östlichen Inseln Werte von 34 bis 40 Grad registriert wurden. Auch auf den anderen Inseln wurde die 30-Grad-Grenze überschritten. Die kanarische Regierung hatte während der Hitzewelle die „Warnstufe Orange“ ausgerufen.

An verschiedenen Stellen der kanarischen Küste wurden Badegäste während der heißen Tage von Quallen geplagt. Am Strand Las Canteras in Las Palmas de Gran Canaria erlitten am Sonntag, dem 13. Mai bis zu 70 Personen, die bei den schweißtreibenden Temperaturen trotz Quallenwarnung Erfrischung im Meer suchten, Verbrennungen. Es wurden über zwei Tonnen Feuerquallen (Pelagia noctiluca) vom Strand entfernt, die von der Flut angeschwemmt worden waren.

Vereinzelt kam es durch die extremen Temperaturen auf den Inseln auch zu kleineren Bränden, die jedoch schnell gelöscht werden konnten.

In Los Realejos auf Teneriffa konnte die Brandschutzeinheit des Cabildos in den frühen Morgenstunden des 13. Mai ein Feuer im Gebiet von El Cabezón unter Kontrolle bringen. Wie die Nachrichtenagentur Europa Press mitteilte, war ein 16.000 Quadratmeter großes Kiefern- und Ginstergebiet betroffen.




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