Sex in den Dünen


© Moisés Pérez

Gran Canaria im Fernsehen als Sexinsel gebranntmarkt

„Das ist kein Fernsehjournalismus, sondern Pornographie“, urteilte Gran Canarias Tourismusminister Roberto Moreno über die beiden TV-Sendungen, die sich dem gleichen Thema gewidmet hatten: Sexspiele in den berühmten Dünen von Maspalomas. Beide Ausstrahlungen haben Furore gemacht, besonders auf Gran Canaria, wo die Politiker gleich einen Krisenstab zusammengetrommelt haben.

Moreno klagt dann auch an: „Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet die Dünen von Maspalomas, die wir in jeder Tourismuspromotion als Aushängeschild verwenden, öffentlich so billig herabgewürdigt wurden – und das gleich innerhalb eines Monats von zwei Sendern mit nationaler Reichweite. Die Absicht, die dahinter steckt, ist eine klare Rufschädigung unseres Tourismus.“

Aus dem Rathaus von San Bartolomé de Tirajana verlautet, man überlege, Klage gegen die TV-Sender einzureichen. Ebenso wurde die Anregung laut, ausgeschilderte Spazierwege mit Aussichtspunkten im Dünengebiet anzulegen, um den Sex-Spielen ein Ende zu bereiten.

Nachdem die Angelegenheit immer höhere Wellen schlug, sah sich sogar Kanaren-Chef Paulino Rivero zu einer Stellungnahme gezwungen. „Ich glaube, dass wir so viele wichtige Dinge haben, auf deren Bewerbung wir uns konzentrieren müssen, dass Angelegenheiten, die nichts mit den essenziellen Vorzügen Gran Canarias zu tun haben, nicht der Rede wert sind“, sagte er und erklärte damit das Thema für erledigt.

Was das Fernsehen ausstrahlte

Die erste Sendung erfolgte im Programm „Arena Mix“ (Antena 3), die zweite im Programm „La Noria“ (Telecinco). Während „Arena Mix“ gern den Akzent auf sexuelle Aspekte setzt, ist „La Noria“ ein seichtes Programm mit größerer Themen-Bandbreite. In beiden Ausstrahlungen wurden Menschen in den Dünen von Maspalomas gezeigt, die sich unterschiedlichsten Sex-Praktiken widmeten, offensichtlich vorzugsweise Homosexuelle. Wie „La Noria“-Moderator Jordi González betonte, sollen die Aufnahmen nachmittags mit versteckter Kamera gemacht worden sein. In der Sendung mimte González Überraschung, während der Film eingespielt wurde und äußerte dazu, dass in Spanien Sex in der Öffentlichkeit nicht verboten sei, solange keine Minderjährigen anwesend sind.

Die in der anschließenden Gesprächsrunde anwesende spanische „Prominenz“ – Belén Esteban (berühmt geworden durch ihre Liaison mit dem Stierkämpfer Jesulín de Ubrique), der Schlagersänger Enrique del Pozo und „El yoyas“ (berühmt geworden, weil er aus der Big-Brother-Show flog) – äußerte sich unterschiedlich dazu. Del Pozo meinte, er kenne Maspalomas sehr gut, und die Filmszenen stammten aus abgelegenen Winkeln der Dünen. Belén Esteban forderte ein Verbot für derartige Aktivitäten in der Öffentlichkeit, die sie als „ekelhafte Sauerei“ bezeichnete. Und der ebenfalls teilnehmende Künstler Juan Adriansens bezeichnete die unfreiwilligen Akteure des Films schlichtweg als „Bekloppte“.

Weiter hieß es in der Sendung, in den Dünen gebe es verschiedene Sex-Bereiche, demzufolge auch für Hetero-sexuelle und für die Prostitution.

Noch während der Sendung gingen zahlreiche Protestanrufe von Gran Canaria ein. Die Zuschauer waren sichtlich empört über die Inhalte des Programms.

Die Zeitung Canarias7 berichtete Tage später, dass der Bericht über das „Sexparadies in den Dünen von Maspalomas“ im Programm „La Noria“ von 1.528.000 Zuschauern gesehen wurde.

Proteste gab es auch vonseiten der Gemeinschaft der Homosexuellen auf Gran Canaria, die den Inhalt des TV-Programms kritisierten und daran erinnerten, dass Gran Canaria erheblich vom Gay-Tourismus profitiert. „Sie wollen unbedingt das Negative in den Vordergrund stellen und erreichen damit, dass Gays wie Kriminielle dargestellt werden“, regte sich zum Beispiel Agustín Méndez auf, Verwalter des Centro Comercial Jumbo, das seit Jahren das größte Angebot an Gay-Bars und -Lokalen auf der Insel bietet.




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