Rettungsaktion für Grindwal-Säugling


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Das Walbaby wurde von der Seerettung vor La Isleta aufgegabelt

Am zweiten Weihnachtsfeiertag führten die Kräfte an Bord des Seerettungskreuzers „Salvamar Nunki“ eine ungewöhnliche Rettungsaktion durch. Etwa eine Seemeile vor La Isleta sichteten sie ein in den Seilen einer Boje verheddertes Walbaby.

Sie zogen es aus dem Wasser und stellten nur leichte Verletzungen am Maul fest. Schnell fuhr das Rettungsschiff in den Hafen. Umgehend wurde der erfahrene Biologe und Veterinär Pascual Calabuig, der unter anderem für das Zentrum für Wildtiere des Cabildos von Gran Canaria verantwortlich ist, benachrichtigt, der auch sofort im Hafen erschien und den kleinen Patienten in Empfang nahm. Calabuig stellte gleich bei der ersten Inaugenscheinnahme fest, dass es sich um einen Kurzflossen-Grindwal handelte, der nur wenige Tage alt sein konnte.

Das Jungtier wurde nach der Figur aus J. R. R. Tolkiens Roman „Der Herr der Ringe“ auf den Namen Frodo getauft und in einem Meerwasserbecken in der Tierklinik in Taliarte untersucht und gepflegt. Ein ganzes Team von Tierärzten und -pflegern kümmerte sich um den Findling, der eifrig umherschwamm und auch die Milchflaschen akzeptierte. Alle waren zuversichtlich und es wurden bereits Pläne für die Freilassung des Walbabys geschmiedet. Frodo sollte nach Teneriffa gebracht  und im Süden der Insel ausgewildert werden. Pascual Calabuig war sich sicher, dass die in dieser Gegend lebende Grindwalkolonie das Baby aufnehmen würde.

Doch um 04.30 Uhr am 28. Dezember hörte Frodos Herz plötzlich auf zu schlagen. Nachdem der Säugling sich anscheinend so gut erholt hatte, war dies ein großer Schock für alle an der Rettungsaktion Beteiligten.

Der kleine Grindwal ist ein Opfer mehr des menschlichen Einflusses auf die Umwelt. Manuel Arbelo, Spezialist für Nekropsien auf Gran Canaria, führt jeden dritten Meeressäugertod auf den Einfluss des Menschen zurück.

Die Wissenschaftler stellen sich nun außerdem die Frage, was mit Frodos Mutter geschehen sein mag. Erfahrungsberichte belegen, dass Walmütter gesunde Kälber nur in Ausnahmesituationen zurücklassen. Sogar tote Walbabys werden von ihren Müttern noch im Maul über Tage mitgeschleppt.




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