Pescanova will auf Gran Canaria Kraken in Aquakultur züchten

Center Pescanova Fotos: NUEVA PESCANOVA

Center Pescanova Fotos: NUEVA PESCANOVA

Das multinationale Fischereiunternehmen hat vor, eine „Oktopusfarm“ im Hafen von Las Palmas zu bauen

Gran Canaria – Der Fischereikonzern Pescanova mit Sitz im galicischen Vigo will die Oktopus-Zucht kommerziell erfolgreich machen und für 65 Millionen Euro eine Meeresfarm im Hafen von Las Palmas bauen, in der Oktopoden gezüchtet werden sollen.

Der Gemeine Oktopus (Octopus vulgaris) ist weltweit in der Gastronomie begehrt, und der hohe Marktpreis sowie sinkende Fangquoten machen die Zucht der Tiere in Aquakulturen attraktiv. Doch die Delikatesse sträubte sich lange. Oktopusse sind neugierige, intelligente Meeresbewohner, die sich in Gefangenschaft bisher zwar mästen ließen, deren Zucht jedoch nicht gelang.

Paralarve eines im Forschungslabor gezüchteten „pulpo“ nach 55 Tagen Fotos: NUEVA PESCANOVA
Paralarve eines im Forschungslabor gezüchteten „pulpo“ nach 55 Tagen Fotos: NUEVA PESCANOVA

Pescanova arbeitet seit einigen Jahren eng mit dem Meeresforschungsinstitut Instituto Español de Oceanografía (IEO) zusammen, um das zu schaffen, was in den letzten Jahrzehnten unmöglich schien, nämlich Kraken zu züchten. 2018 erzielten Wissenschaftler der Ozeanografischen Institute von Vigo und von Teneriffa erste Erfolge, die auf einen Durchbruch hindeuteten und neue Möglichkeiten für die Aquakultur eröffneten.

Über zwei Jahrzehnte versuchten Wissenschaftler vergebens, die intelligenten und sensiblen Kopffüßer, die so begehrt in der Gastronomie sind, zu züchten. Im Juli 2019 meldete Pescanova dann den endgültigen Durchbruch. Biologen hatten es geschafft, Gemeine Oktopusse in einer Aquakultur zu züchten. Dabei handelt es sich um die meistgefragte Oktopusart in der Gastronomie, die vor allem im Atlantik, aber auch im Mittelmeer gefischt wird. Aus den in der Zuchtanlage geschlüpften winzigen Paralarven wuchsen stattliche Kraken heran, die sich wiederum fortpflanzten. Die Forscher gaben dem weiblichen Kraken den Namen „Lourditas“ (nach der Wallfahrtsstätte Lourdes), weil der Zuchterfolg für sie an ein Wunder grenzte.

Nach Auskunft von Ricardo Tur, Chefwissenschaftler der Forschergruppe für Kopffüßer von Pescanova, müssen für die erfolgreiche Zucht von Kraken sehr spezifische Bedingungen geschaffen werden. Die Meerestiere reagieren beispielsweise empfindlich auf Veränderungen von Strömungen, Salzgehalt, Temperatur, und eine Fortpflanzung gelingt nur unter optimalen Lebensbedingungen. Diese will Pescanova nun in einer Zuchtanlage im Hafen von Las Palmas de Gran Canaria schaffen, in die der Konzern 65 Millionen Euro investieren wird.

Paralarve eines im Forschungslabor gezüchteten „pulpo“ nach 55 Tagen Fotos: NUEVA PESCANOVA

Der Präsident der Hafenbehörde von Las Palmas de Gran Canaria, Luis Ibarra, bestätigte, dass die „Pulpo-Farm“ von Pescanova beim Dique La Esfinge gebaut und eine Gesamtfläche von 52.000 Quadratmetern belegen wird. Laut Ibarra handelt es sich um die bislang größte private Investition im Hafen von Las Palmas, die natürlich höchst willkommen ist. Man empfange Pescanova und die Investition in die Aquakultur mit offenen Armen, nicht nur wegen der wirtschaftlichen Impulse, die sie setzen werde, sondern, wie Ibarra betonte, auch wegen der historischen Bedeutung des „pulpo“ für den Hafen. Dieser sei einst der „weltweit größte Exporthafen für Oktopus“ gewesen. Damit erinnerte er an die Zeit, in der die galicische Fischereiflotte für Weichtiere in dem Gebiet zwischen den Kanaren und der Westsahara Oktopoden fischte und ihren Fang im Hafen von Las Palmas entlud.

Ab 2023 plant Pescanova, Oktopus aus Aquakultur kommerziell anzubieten.

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